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Peace-Camp
07/14/2015

Frieden ist machbar

Jugendliche aus Israel, Palästina, Ungarn und Österreich kamen zum 13. Mal nach Österreich, um zehn Tage friedvolles Miteinander zu erarbeiten.

von Heinz Wagner

Was für uns falsch ist, ist für sie richtig und umgekehrt. Das war am Anfang natürlich schon nicht leicht, ja sogar ziemlich schwer. Aber durch die vielen Gespräche, durch die gemeinsamen Aktionen sind wir wirklich alle Freunde geworden“, fasst die 14-jährige Mei aus dem israelischen Haifa die Erfahrungen der zehn Tage im niederösterreichischen Lackenhof für sich gegenüber dem Kinder-KURIER zusammen.

Grenzen überwinden

Zum 13. Mal fand das Peace-Camp in Österreich statt. Jeweils rund drei Dutzend Jugendliche aus Israel, Palästina (und zwar arabischen Teilen in Israel), Ungarn und Österreich kommen für rund zehn Tage zusammen. In Workshops, Spielen, Musik, Tanz und nicht zuletzt vielen ausführlichen organisierten Diskussionsrunden sowie natürlich in der Folge vielen privaten Gesprächen wurde im Kleinen so große Dinge unter Beweis gestellt: Frieden ist machbar – über alle unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Standpunkte hinweg.

Gegenseitiges Verständnis

Auch Aden aus dem palästinensischen Teil von Jerusalem gesteht, dass „es zuerst sehr schwer war. Die Standpunkte und Sichtweisen was den Konflikt betrifft sind einfach gegensätzlich. Aber wir haben gelernt, einander zuzuhören, auch die jeweils andere Seite verstehen zu wollen.“
Wie das überhaupt gelungen sei, wollen wir wissen.
„Vieles durch die gemeinsamen Gespräche, vor allem aber auch durch die Spiele und Übungen, wo es drauf ankam, eine Aufgabe miteinander zu schaffen“.

Dazu zählten unter anderem, in Vierer-Gruppen durch ein aus Schnüren gespanntes Labyrinth hindurch zu kommen mit möglichst wenigen Berührungen der Schnüre. Jedes Anstreifen löste das Klingeln kleiner Glöckchen aus.

Szenen

Im Laufe der zehn Tage entstehen so „nebenbei“ auch Teile einer Abschlussperformance. Einige musikalische Beiträge, eine Percussions-Session mit klatschenden Händen, scheppernden Dosen sowie Besen standen auch heuer wieder auf dem Programm. Dazu gesellten sich Szenen mit wenigen Worten in und rund um einen Bus. Das Erkämpfen eines Sitzplatzes, der von einem Fahrgast durch dessen Koffer blockiert war. Ein Disput darum, ob der Bus schon voll sei und die wenigen Wartenden in diesen letzten Bus des Tages nicht mehr einsteigen dürften.

Besonders heftig berührend eine Szene, die leider auf einer wahren Begebenheit basiert, wie Attila (18) danach dem KiKu versichert: „Vor einem Jahr hab ich auf einem Bahnsteig in Budapest gesehen, wie eine ältere Dame stolperte und stürzte. Ich bin hingelaufen und wollte ihr helfen: „Nicht du, du dreckiger Zigeuner!“, wetterte sie. Ich hab schon oft Beschimpfungen und Diskriminierungen als Roma erlebt, aber so heftig war’s noch nie. Ich wollte nur helfen und dann das! Was aber noch Ärger war als der Auszucker der Frau: Keine und keiner, genau niemand auf dem vollen Bahnsteig hat irgendwas dagegen gesagt oder sich auf meine Seite gestellt!“, schildert der Jugendliche aus Ungarn – und seine Augen werden dabei noch immer feucht. „Aber hier beim Peace-Camp war alles ganz anders. Da wurde ich immer voll angenommen und akzeptiert.“

Paradies

Ganz euphorisch fasst die 15-jährige Lee die Woche zusammen: „Es war die beste Erfahrung, die ich bisher in meinem ganzen Leben gemacht habe. Wir waren das Zentrum der Welt, wo Frieden funktioniert. Ein Paradies mit Liebe, Freundschaft, Frieden und Glück!“

Sehr übertrieben wirkte die Aussage der jungen Israelin nicht. Wie praktisch jedes Jahr waren die emotionalen berührenden Bindungen, die in dieser Woche entstanden sind, samt Tränen der Rührung und des Abschiedsschmerzes hautnah mit zu erleben.

Neu hingegen war in diesem Jahr, dass die meisten noch aus dem Dschungel aus dem MuseumsQuartier rauszogen und die Mariahilfer Straße mit einem spontanen Live-Konzert rockten. Der Funke sprang über. Vorbeikommende blieben zuhauf stehen oder tanzten gar im Rhythmus mit.

peacecamp.net

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