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© Heinz Wagner

Fliegender Tisch, Raummonster und neue Wege
11/14/2016

Fliegender Tisch, Raummonster und neue Wege

Zum zehnten Mal wurden die "Ohrenschmaus"-Preise vergeben, ein Literaturpreis für Menschen mit Lernschwierigkeiten. viele Fotos, zwei Videos

von Heinz Wagner

„Der fliegende tisch fliegt immer wenn er dreckig ist wohin es gerade regnet“ Kurz, bündig, fantasievoll und doch logisch. Einfach genial. Dieser Text findet sich auf der Schleife der diesjährigen Spezialschokolade aus dem Hause Zotter. Denn die Jury des LiteraturpreisesOhrenschmaus“ wählte ihn dafür aus.

Seit zehn Jahren wird dieser Literaturpreis vergeben. „Kein Mitleidsbonus, keine Peinlichkeit – einfach Literatur“, sagt und schreibt der Schirmherr dieses Preises, der bekannte österreichische Autor Felix Mitterer über diesen Bewerb für Autor_innen mit verschiedensten Lernschwierigkeiten. Mehr als 1500 Texte sind seit dem ersten „Ohrenschmaus“, den Nationalratsabgeordneter Franz-Jospeh Huainigg ins Leben gerufen hat, eingesandt worden. Keine leichte Aufgabe für die Jury, der immer wieder namhafte Persönlichkeiten angehör(t)en wie Mitterer selbst, Franzobel, Barbara Rett, Heinz Janisch, Eva Jancak, Ludwig Laher, Kurt Palm.

Die Bandbreite der eingesandten Texte reicht von berührenden, tiefsinnigen, mitunter dichtesten, nicht selten auch humorvollen Beschreibungen der eigenen Lebensgeschichte bis zu philosophischen in Gedichtform gepackte Gedanken oder auch sehr witzigen Episoden – ob echten oder ausgedachten.

Bei der Preisverleihung in der Ovalhalle des Wiener MuseumsQuartiers sorgte etwa das Gedicht Herwig Hacks, Preisträger der Ehrenliste, immer wieder für herzhafte Lacher. Darin schildert der Autor ein „ Raummonster“, nennt es „Totlachen“ und schildert in der Folge: „Plötzlich rutscht es aus und bricht sich das Genick. Totlachen war tot. Es wurde Kohle. Jetzt ist es ein Bleistift.“

Träumerin in mir

Melanie Corn, auch Ehrenlisten-Preisträgerin schildert ihren „neuen Weg“ in eine Wohngemeinschaft und wie sie dadurch selbstbewusster und selbstständiger geworden ist. Dauer„gast“ unter den ausgezeichneten Autor_innen ist Peter Gstöttmaier – heuer mit einem Gedichte „A so a schene Bluman“ über eine herzerwärmende Begegnung. Anna Traunigs „Die Träumerin in mir“ gewährt auf einer Seite mit Gedichtzeilen Einblick ins Naturell der Autorin und veranlasst vielleicht auch die eine oder den anderen eigene Träumereien zuzulassen. Hakan Alkis fasst in „Kopf-denken“ auf weniger als einer Seite dichtest formuliert Alltagserlebnisse und große Erkenntnisse in kürzeste Sätze, deren Hauptfiguren oft viele Zeilen später wieder auftauchen. Kevin Neubauer beschreibt „Die Kunst des Handwerks“ Werkzeuge, Materialien und die dazugehörigen Tätigkeiten meist in Ein-Wort-Zeilen und das was dies in ihm auslöst: „das ist/entspannung/mein ausgleich/meine welt“. Elisabeth Stachl beschreibt in „Meine Seele wäre blass in mir“ eine „Heimatreise“ und schließlich sorgte Klaus Willners Gedicht „Autofohrn“ im Dialekt trotz Unfalls, Streits und Beschimpfungen für so manchen Schmunzler im Publikum – angesichts der Art wie er diese Vorfälle beschreibt.

Die Zeit nehmen/halten ...

Ein „alter“ Bekannter beim BewerbOhrenschmaus“, immer wieder auch mit Texten in der Ehrenliste vertreten, trug sich in diesem Jahr bei den Hauptpreisträger_innen ein: Herbert Schinko. Wobei anzumerken ist: Die Jury bekommt die eingesandten Texte immer nur mit einer Nummer versehen. Erst die von den Juror_innen ausgewählten Texte werden dann anhand der Nummer mit den Einsender_innen verknüpft. Schinko verknüpft in seinem preisgekrönten Gedicht „Die Zeit“ knapp und knackig Teile aus seinem Tagesablauf mit tiefgründigen Betrachtungen – und letztlich einem Wunsch: „Die Zeit muss man nehmen. Die Zeit muss man halten. Die Zeit brauch ich zum üben. Die Zeit rennt immer weiter. Die Zeit muss nicht stehen bleiben. Die Zeit muss nicht weg gehen. Die Zeit soll da bleiben bei mir.“

Heute würde ich mich wehren

Sybille Grafl beschreibt in ihrem ausgezeichneten Text „Sie hat sich richtig entschieden oder wir haben es zusammen geschafft!“ ihre Lebensgeschichte – samt dem völlig gegensätzlichen Umgang zweier Kindergärtnerin mit ihr und einem anderen Kind mit einer Behinderung. Die eine „hat mich immer weggeschuppst. Sie hat mich nicht mögen. Ich war wahrscheinlich ihr Opfer, weil ich behindert war...“, der anderen „war es egal, ob mit Behinderung oder ohne, sie behandelte alle Kinder gleich...“ Durch die Arbeit im „Sprungbrett Lädele“ in Bludenz blühte sie auf. „Als Kind fühlte ich mich ängstlich und jetzt, wo ich erwachsen bin, zeige ich keine Schwäche mehr und rede frei raus, was mir nicht passt. Wenn ich jetzt in den Kindergarten ginge, würde ich mich nicht mehr unterkriegen lasse, jetzt würde ich mich wehren!“

Alles echt, für Fantasie keine Zeit

Zunächst einmal verblüfft die Aussage des dritten Hauptpreisträgers, Viktor Noworski: „I kaun die deitsche Sprach no imma ned!“ Er spricht im österreichischen, vor allem einem Wiener Dialekt. In dieser Sprache schreibt er auch. „A brennhassa Summa“ überzeugte die Jury – und machte sie, wie der Laudator gestand – sehr, sehr neugierig, wer denn der Autor dieses spannenden, phasenweise fast unglaublichen Textes sei. Abenteuer pur im US-Bundesstaat Pennsylvania über einen Autoverkäufer, ein von Tieren besiedeltes Auto, einen Brand und dessen Löschung durch den Großvater des Autors. Mitten hinein verarbeitet Noworski Erkenntnisse aus dem Buch Moses und die Tatsache, dass auf US-Geldscheinen steht „In God we trust“ (wir glauben an/vertrauen auf Gott).

„Das hab ich alles selber erlebt, für Fantasiegeschichten hab ich gar keine Zeit“, meint dieser Preisträger zum (Kinder-)KURIER. Der einfacheren Lesbarkeit wegen sind hier nun Noworskis Antworten auf hochdeutsch, einer Sprache die er ja gar nicht beherrsche, wie er mehrfach betont. 1940 wurde er in einem Reservat der Mawrab, einer Langhaar-Ethnie in Pennsylvania geboren. Bis 1979 lebte er mit seinen Eltern dort und wuchs zweisprachig auf – Englisch und Mawarab. „Dann mussten wir weg, in der Nähe passierte der Unfall im Atomkraftwerk Three Mile Island/Harrisburg. Als wir nach Österreich kamen, hab ich mich an ein Lied erinnert, das ich in Pennsylvania in einem Kaffeehaus gehört hatte: I hab zwa harbe Rappn... Diese Sprache, die ich in Wien gehört habe, ist mir deswegen vertraut vorgekommen. Und so hab ich sie gelernt. Und in der Sprache schreib ich auch.“ Aufgrund der englischsprachigen Sozialisation lesen sich so manche seiner Wörter dann zunächst einmal irgendwie fremd. Beim lauten (Vor-)Lesen kommen dann die Aha-Erlebnisse ;) Noworski schreibt aber nicht nur, er malt, musiziert und komponiert auch.

www.ohrenschmaus.net

... von der "Ohrenschmaus"-Preisverleihung 2016

Ohrenschmaus 2016, Preisverleihung

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Literaturpreis Ohrenschmaus 2016, preisverleihung

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... von Auftritten der "Inklusiven Band Mundwerk"

"Barrierefrei!", ein Song von "Mundwerk"

Einige ließen sich auch zu Tänzen hinreißen

Band 2 mit den besten Texten aus "Ohrenschmaus"

Zu zweit ist weniger allein

Literaturpreis Ohrenschmaus: die besten Texte, Band 2

Herausgeber: Franz-Joseph Huainigg

Verlag Bibliothek der Provinz

146 Seiten, Hardcover, Halbleinen, mit farb. Abb. 20 Euro.