© Alex Acaris

Kabarettistin
01/08/2014

Leichtigkeit von "Hartes Loos"

Aida Loos: Spiel mit Sprache und Sprachfärbungen und Rettung des kabarettistischen Wiener Liedes.

von Heinz Wagner

Ja, Mutti?!“ Der Dialog aus dem Off der noch dunklen Bühne dreht sich um den bevorstehenden Theaterbesuch, ums Pünktlich-Sein und die Dehnbarkeit dieses Begriffes unter Perser_innen. Denn wer da wirklich zur besprochenen Zeit antanzt, macht den anderen nur Stress, weil die doch damit rechnen dass 7 Uhr bedeutet, die Gäste kommen frühestens um 8.

Aida Loos, eine der Kabarettist_innen die im Finale der "Großen Comedy Chance" (ORF1) zu sehen ist heißt eigentlich Hossein. Immer wieder streut sie in ihr Programm „Hartes Loos“ mal nette, mal arge Spielereien mit ihrem Namen ein. „Die meisten hab ich wirklich erlebt“, erzählt sie dem KiKu. Von wegen Punschkrapferl oder Oper oder jenen Ignoranten, die gar aus dem Vornamen ein Eida fast wie Oida draus machen. Und vom Nachnamen gar nicht zu reden, da wird von vielen offenbar echt nicht wahrgenommen, dass ein o kein u ist.
Gerade Letzterer war Anlass dafür, einen Künstlerinnennamen zu suchen, Hoss lag als Kurzform nahe, „eine bekannte Schauspielerin Hoss hat’s aber schon gegeben, das o mag ich sehr, und auch den minimalistischen Zugang des Architekten Adolf Loos, wie der aus wenig Raum, mit reduzierten Mitteln Großes macht, hat mich sehr angesprochen“ und so tritt sie seit geraumer Zeit als Aida Loos auf.

In zwei Kulturen daheim

Die in Teheran geborene, ab frühester Kindheit in Wien aufgewachsene Schauspielerin ist im persischen sehr selbstironischen Humor der 7000 Jaaaahre alteeen Kultuuur ebenso zu Hause wie im Wiener Schmäh – nicht nur von der Sprachfärbung, auch von der Stimmung. Vielleicht hat das Aufwachsen mit zwei Sprachen und zwei Kulturen auch das Switchen in Akzentfärbungen weiterer Sprachen erleichtert, vom spanisen bis zum teutschen… Doch nicht nur die punktgenauen Akzentuierungen haben’s ihr angetan, im ersten Teil des Programms greift Aida Loos auch Unterschiede beim Nießen auf – vom verhaltenen, zurückhaltenden bis zum explosionsartigen.

In andere Rollen schlüpfen, ...

... Stimmen anderer imitieren – „das hab ich schon als kleines Kind vor dem Spiegel gespielt, da wollt ich schon Schauspielerin werden. Aber nicht bei meinen Eltern, unter Ärztin oder Rechtsanwältin durfte es nichts sein“, erklärt die Stimm- und Gedankenakrobatin ihren Umweg. Der mit den Eltern (Geschäftsfrau und Statiker) ausgehandelte Kompromiss führte die jugendliche Aida in eine Wiener Hotelfachschule und ein Tourismus-Management-Studium in den Niederlanden. Gastronomie war dann längere zeit auch der Brotberuf mit dem sie sich ihre Leidenschaft, die Schauspielerei, leisten konnte.

Wienerlied retten

Irgendwann entdeckte sie dabei ihre Liebe zur Sparte Kabarett, „und da vor allem, ich lebe ja in Wien, zur heimischen Tradition, besonders fasziniert haben mich die Lieder/Chansons der (vor rund einem Jahr verstorbenen) Cissy Kraner, die meist ihr Mann Hugo Wiener geschrieben hat.“ Teils lieblich daherkommen, versteckt sich in ihnen immer wieder so manch bittere Bösartigkeit.

Diese Lieder, die viele gar nicht kennen, will Aida Loos weiter verbreiten. Sie sind so etwas wie Eckpfeiler im Programm. Mit Gschichterln und Episoden – vielen davon mehr oder minder so erlebt – spielt sie sich schrittweise hin. Und baut dabei mitunter auch versteckte Pointen ein, aus denen einige im Publikum zusätzlichen Mehrwert ziehen können. Wenn sie auf dem Weg zum Wiener/Kraner-Tortenlied eine ziemlich rundliche Shirin auftauchen lässt, so bedient sie damit jene, die schon mal gehört haben, dass dieser persische Name auf Deutsch „Süße“ bedeutet“.

Genial ist vor allem ihr Spiel mit sprachlichen Nuancierungen und –färbungen und nicht zuletzt die Mimik, wenn sie einen imaginären Geeranatapfeeel – „wir Perseer haben das Ooobst erfundeeen“ – genüsslich und alles anpatzend verzehrt – ein Genuss – womit sich der Bogen wieder zum (ge)nießen schließt.

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