Kiku 20.01.2013

Klein-Wolf wird Schaf?!

Martin Baltscheit, Theater Akzent Wien © Bild: Lena Appl

Identitätssuche im Zentrum des Stücks "Die besseren Wälder" von Martin Baltscheit im Wiener Theater Akzent

Die besseren Wälder
Martin Baltscheit, Theater Akzent Wien © Bild: Lena Appl
Wer bin ich? Wo gehör ich dazu? Und muss ich nur zu einer Gruppe gehören, warum soll ich nicht über den Zaun zu den anderen springen dürfen? Mal da, mal dort wohl fühlen. Oder nirgends so ganz richtig?

Und ist das auch zwischen Schafen und Wölfen möglich? Und wie ist’s gar, wenn ich als Wölflein in einer Schafsfamilie aufwachse?

Diese tiefgehenden Fragen hat Martin Baltscheit in ein spannendes Theaterstück mit starker Bildsprache und vielen witzigen Wortbildern und Szenen verpackt. Verstreut über mehrere Wochen ist dieses nun ein paar Mal im Wiener Theater Akzent zu sehen – gespielt – und live musikalisch begleitet von einem Ensemble von ImP:arT.

Überraschung

Die besseren Wälder
Martin Baltscheit, Theater Akzent Wien © Bild: Lena Appl
Der Beginn ein wenig experimentell-assoziativ: Das Musiker_innen-Duo im Hintergrund, davor tauchen drei zuvor herbeihechelnde Gestalten auf, um sich vor Mikrophonen zu platzieren. In den Bühnenhintergrund projizierte Wolfsohren. Das Trio: Eltern und Sohn Wolf. Das Futter werde knapp, man wolle sich aufmachen in ertragreichere Jagdgründe – in „Die besseren Wälder“. Dabei bleiben allerdings die Eltern auf der Strecke, das kleine Wölflein landet bei einem Schafspaar, das keine Jungen bekommen kann. Sie ziehen Ferdi, wie sie ihn nennen, als Schaf auf. Natürlich bleibt stets die Sorge, dass die ursprüngliche Natur Ferdinands irgendwann zum Durchbruch kommen könnte. Auch wenn er vor 2000 Schafen wie in einer Art Kirche am schönsten „Schafe Maria“ vorsingt.

Überm Zaun gesprungen, will er sich den Wölfen anschließen, die wiederum wollen weich und kuschelig leben wie Schafe. In einer Art Irrenhaus tauchen auch noch ein Bär auf, der sich für eine Biene ausgibt und eine Gans, die gern Fuchs sein will…

Humorvoll

Viel Witz liegt in der Situationskomik vieler Szenen – vom überhöht stereotypen Verhalten des Schafs-Ehepaares über den Slapstickartig agierenden Schafs-Opa. Bis hin zu den Treffen junger Schafe, die darüber witzeln, dass die Alten ihnen immer wieder einzureden, die jungen Schafe kämen von den flauschigen Schnee-Wölkchen.

Junge Publikumsstimmen

Die besseren Wälder
Martin Baltscheit, Theater Akzent Wien © Bild: Lena Appl
„Jede und jeder hat sicher schon einmal das Gefühl gehabt, nicht in eine Gemeinschaft zu passen“, findet die elfjährigeDarianach der Premiere, die „das Stück grundsätzlich gut fand, besonders interessant ist, dass es da genau mit so gegensätzlichen Gruppen wie Wölfen und Schafen gespielt wird“.
Ihre gleichaltrige FreundinMaiafand’s auch „gut, weil sicher jeder irgendwann einmal nicht weiß, wo man dazugehört“.
Emely(ebenfalls 11) findet das Stück im Theater Akzent ebenfalls „sehr gut. Sehr schön fand ich auch, dass man die natürlichen Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler gut hören konnte.“ Die Geschichte habe sie sehr bewegt, „weil so was ja überall vorkommt, sogar in jeder Klasse und dass es wichtig ist, Freunden beizustehen“.
Die neunjährigeClairebeeindruckte vor allem die Kampfszene zwischen Wolf und Schaf, „weil man so schön gesehen hat, wie sie den Kampf spielen und sich nicht wirklich weh tun!“

Infos:

Die besseren Wälder
Martin Baltscheit, Theater Akzent Wien © Bild: Lena Appl
Die besseren Wälder
Tierisch.Komisch.Kriminell
Österreichische Erstaufführung - Eine Produktion des Theater Akzent in Zusammenarbeit mit Ensemble ImP:arT und Schauspielschule Krauss.

Autor: Martin Baltscheit
Inszenierung und Spiel: Michaela Obertscheider
Es spielen: Martin Bergmann, Katrin Gross, Viktoria Hillisch, Stefan Lasko, Michaela Obertscheider, Philip Wacker
Live-Musik: Daniel Karanitsch, Teresa Guggenberger

15.2. und 5.3., 19 Uhr
Schulvorstellung: 5.3., 10.30 Uhr
Eine Produktion im Rahmen des 12+ Jugend-Abo
Theater Akzent, 1040, Theresianumgassse 18
Karten-Hotline: 01/ 50165-33 06

www.akzent.at

Erstellt am 20.01.2013