© Heinz Wagner

Plant for the Planet
09/24/2013

Kinder pflanzten Bäume für Klimaschutz

Krems: Felix Finkbeiner traf Kids der Plant-for-the-Planet-Akademie

von Heinz Wagner

Wie andere vielleicht Justin Bieber anhimmeln mögen, so schaut der fünfeinhalbjährige Johannes zu Felix auf. Nur ist er weder sprachlos, noch kreischt er. Der freut sich nur ungemein, dass er beispielsweise Felix helfen kann, ein Bäumchen bis zur Grube zu tragen, an deren Ausbuddelung er mitgekratzt und –geschaufelt hat. „Er ist mein Vorbild“, meint der junge Mann aus Krems über den fast drei Mal so alten heute 15-jährigen Gründer von "Plant for the planet" (vor sehchs Jahren).

Akademie

Bevor letzterer am Abschluss-Tag der 16. globArt-Konferenz (Denkwerkstatt für Zukunftsfragen) über Klimawandel, Klimaschutz, die von ihm und anderen Kindern gegründete und von Tausenden Kindern und Jugendlichen in mittlerweile 193 Ländern der Welt getragene Initiative referierte, besuchte Felix Finkbeiner jenes Stück Grün zwischen Bahn und Sandstraße beim Sportplatz. Dort hatten die jungen Teilnehmer_innen der P4P-Akademie am Vortag nach der Beschäftigung mit den Inhalten rund zwei Dutzend Bäume gesetzt. Nun werden noch ein paar gesetzt – und wieder ein kleiner Beitrag für den Klimaschutz. 12,6 Milliarden Bäume sind in den rund sechs Jahren in aller Welt gesetzt worden, seit der damals Neunjährige in einer internationalen Schule bei München sein Referat über den Klimawandel mit der Aufforderung „Lasst uns eine Million Bäume in Deutschland anpflanzen“ beendet hatte.
„Erst haben wir die Grube gegraben, dann den jungen Baum eingesetzt, Nährstoffe reingegeben. Die schauen aus wie Pellets nur grau. Dann haben wir Erde wieder reingeschaufelt und eine Art kleine Mauer aus Erde gebaut, damit das Wasser nicht weg rinnt. Ungefähr 6 Liter haben wir beim ersten gießen reingeleert“, erzählen Emilia und Alina über einen Teil des Werks, bevor sie dem KURIER und später Felix Finkbeiner den Ort ihrer guten Tat zeigen. Achja, noch was haben sie – wie ihre Kolleginnen und Kollegen ach – getan: Das Bäumchen an eine Holzleiste gebunden, „damit es nicht umkippt, wenn starker Wind kommt.“ Eine Kastanie ist der Schützling der beiden Genannten. „Andere haben Nussbäumchen gesetzt.“

Für viele der erste Baum

Für viele wie Emilia, zwei Claras und Alina war es „das erste Mal, dass wir einen Baum gepflanzt haben“, nur Elina aus dieser Gesprächsrunde hat „schon in unserem Garten zwei Bäume gepflanzt, eine Linde und einen Nussbaum, aber damals nicht alleine.“

„Wir haben uns gemeldet, weil wir der Natur helfen wollen und was tun wollen, damit keine Pflanzen sterben, weil die gut sind für unsere Luft und das Klima“, erzählen die beiden Claras. Die rund zwei Dutzend neu gesetzten Bäumchen werden von den Kindern der MSKa (Mehrstufenklasse) der Volksschule Stein aber auch weiter betreut werden. „einmal in der Woche fahren wir ins Schwimmbad, da kommen wir hier vorbei und können nach ihnen schauen und zum Beispiel gießen, wenn sie Wasser brauchen. Außerdem setzen wir in der Schule auch noch vier Bäume ein.“

Neun Stunden Anfahrt

Severin hat eine rund neunstündige Fahrt hinter sich. „Ich komm aus Halle, meine Mutter macht hier bei der Tagung mit und ich bin mitgefahren, als sie mir das mit der Akademie vorgeschlagen hat. Er und sein Freund Titus haben ihr Loch schon fast fertig gegraben. Den Baum, den Felix mit ihnen setzt, müssen sie noch mal aus der Grube nehmen und neu einsetzen – das Fernsehen muss den Vorgang noch mal drehen, weil sich Leute zwischen Pflanzaktion und Kamera gestellt hatten.

Die beiden genannten Jungs sowie Alina und Marie trugen später in der Schlussdiskussion der Tagung einige der Ziele, Wünsche und Fragen, die alle Kinder in der Akademie gesammelt hatten, vor. Dazu zählten vor allem Vorschläge, die Aktionen und das Thema noch bekannter zu machen. „Wir haben uns zum Beispiel überlegt, Bäume in Blumentöpfen in Fußgängerzonen und auf andere belebte Plätze zu stellen, wo normalerweise vielleicht keine Bäume sind. Das würde sicher toll auffallen!“

„Oder wir könnten ein eigenes Schulfach Klima- und Umweltschutz einführen, und so lange wir das nicht haben, könnten wir freiwillig in den Pausen was tun, oder die Lehrer fragen, ob wir nicht in Biologie raus gehen könnten, um Bäume zu pflanzen.“

„Wir könnten auch in der Schule die „gute Schokolade“ verkaufen. Im zweiten Anlauf gelang P4P einen Süßwarenhersteller dazu zu bewegen, faire, klimaneutrale Schokolade zur Verfügung zu stellen. Von jeder – um einen Euro - verkauften Tafel gehen 20 Cent an die Initiative.

www.plant-for-the-planet.org

www.globart.at

Baumpflanzaktion in Krems

- Würde die zwei bis drei Kilometer dicke Eisschicht auf der Erde Grönlands schmelzen - und das würde sie bei einer rund 2,4 Grad höheren Durchschnitts-Temperatur tun - , stiege der Meeresspiegel der Welt um bis zu sieben (7!) Meter. Wenn du schon mal an einer Meeresküste Urlaub gemacht hast, dann …

- An einem einzigen Tag holt die Menschheit heut mit Erdöl, -gas und Kohle so viel Kohlenstoff aus dem Boden wie die Sonne in einer Million Tagen (rund 2740 Jahre) gespeichert hat!

+ Es gibt eine „Maschine“, die CO2 zerlegt, in Sauerstoff (O) umwandelt und den Kohlenstoff (C) speichert. Baum heißt sie.

+ Die von Felix Finkbeiner (mit-)begründete Initiative Plant for the Planet an deren Akademien bishermehr als 17.000 Kinder und Jugendliche teilgenommen haben, und die Botschafterinnen und Botschafter in fast allen Ländern der Welt hat, hat bisher mehr als12,6 Milliarden Bäume gepflanzt.

+ Die Initiative strebt nun das Ziel von 1000 Milliarden Bäumen an. Für so viele ist Platz auf der Erde ohne anderen Nutzungen (Menschen, Häusern, Landwirtschaft…) Raum weg zu nehmen.

+ Plant fort he Planet sieht den Zusammenhang zwischen Klima-, Natur- und Menschenschutz und tritt für „Klimagerechtigkeit“ ein – nicht nur, weil nur ein kleiner Teil der Welt sehr viel mehr überdimensional zum negativen Klimawandel beiträgt, sondern auch, weil nach wie vor rund 30.000 Menschen, davon sehr viele Kinder, verhungern – Tag für Tag sind das zehn Mal so viele Menschen wie beim Terroranschlag im September 2001 (9/11) auf die beiden New Yorker Welt-Handels-Türme ums Leben gekommen waren.

+ Angeregt wurde Felix Finkbeiner von der späteren Friedensnobelpreisträgerin Wangari Muta Maathai, auf deren Initiative hin in Kenia rund 30 Millionen Bäume gepflanzt wurden.

+ Finkbeiner erzählte im Kremser Kloster Und (zuvor schon in seiner berühmten Kanzelrede „Alles würde gut“ im Andenken an den verstorbenen 94-jährigen hellwachen Widerstandskämpfer Stéphane Hessel – „Empört euch!“) von der Begegnung mit chief Shaw, einem Häuptling einesEingeborenen-Stammes in den USA, dass deren Ältestenrat bei jeder wichtigenEntscheidung prüft, ob das was sie beschließen auch noch für die Menschenin der siebenten Generation (!) gut sein würde!

Felix Finkbeiner im KiKu-Gespräch

KiKu: ls du 9 warst und am Ende deines Referats über Klimawandel in der Schule (einer englischsprachigen internationalen) aufgerufen hast, eine Million Bäume in Deutschland zu pflanzen, hast du da gerechnet, dass daraus je eine so große Sache werden könnte?
Felix Finkbeiner: Nein, das hab ich nicht erwartet. Damals hab ich natürlich nicht einmal im Traum daran gedacht, dass das irgendwie so groß werden könnte.

Knackpunkte

Gab es dann in der Folge den Moment, wo du gewusst hast, jetzt ist das was Großes?
Ein ganz wichtiger Moment war in Südkorea bei einer Kinderkonferenz (August 2009), wo Kinder und Jugendliche aus 56 Ländern waren, die alle mitmachen wollten und danach in ihren Ländern auch wirklich alle Aktivitäten gestartet haben.
Es gab zwar ein paar Schrecksekunden nach meinem Aufruf bis sich die ersten auf die Bühne getraut haben, aber dann nach zehn Sekunden sind sie alle nach vor geströmt.
Eine anderes wichtiges Ereignis war vor ungefähr fast zwei Jahren bei der Klimakonferenz in Südafrika, in Durban. Da hat die UNO den offiziellen Baumzähler an uns Kinder übertragen. Obwohl die Konferenz selber, war eine Riesenenttäuschung. Aber wir haben uns davon, dass dort nichts weiter gegangen ist, nicht unterkriegen lassen, sondern wussten nur, wir müssen vielleicht noch mehr weiter machen.

Als du begonnen hast, warst du noch ein Kind, heute bist du Jugendlicher auf dem Weg zum Erwachsenen, verlierst du da für viele Medien so etwas wie den Kinderbonus?
Es ist nicht so wichtig, was mit mir ist, ich bin ja nur ein ganz kleiner Teil der Initiative. Unsere einzige Chance, was bewegen zu können ist eben, dass wir wirklich schon ganz viele fast überall auf der Welt sind, die sich da zusammen tun, sich einsetzen und alle auch echt was tun.

Hat dir deine Berühmtheit im (schulischen) Alltag manchmal Probleme bereitet?
In der schule sprechen wir nicht darüber, und Gott sei Dank erkennt mich auch keiner auf der Straße

Privat

Hat dir dein Engagement in Sachen Klimaschutz Zeit vom Schulischen abgezweigt?
Ach, es ist immer genug Zeit für die Schule und auch um mit meinen Freunden was zu unternehmen.

Was machst du am liebsten in deiner Freizeit und auch in der Schule?
ich spiel gern Fußball und Hockey und mag Snowboard fahren. Und in der Schule… (es folgt eine Pause), ja, da mag ich Mathe zum Beispiel und auch Physik.

Dranbleiben

Weißt du schon, was du später einmal machen möchtest?
Auf jeden Fall will ich Jura studieren, was ich danach genau machen will, weiß ich aber noch nicht.

Aber ist es für dich klar, mit deinen juristischen Kenntnissen im Bereich Klimagerechtigkeit aktiv zu bleiben?
Auf jeden Fall werde ich weiterhin politisch aktiv sein, ob das dann als Jurist bei einer NGO (Nicht-Regierungs-Organisation) ist oder was anderes … das wird sich ergeben.

Referat und Diskussion

Angelehnt an den Stil vieler afrikanischer Bilder zeichnet und beschreibt Claire A. Nivola die Geschichte von Wangari Maathai. Als Kind wuchs sie im Hochland Kenias inmitten von üppigem Grün und stark bewaldeten Hügeln auf, Feigenbäume galten als heilig, Bäche und Flüsse führten viel Wasser und beheimateten viele Fische. Als sie nach ihrem Biologie-Studium in den USA wieder nach Hause zurückkam, meinte sie ihren Augen nicht trauen zu dürfen: Bäume gerodet, keine vielfältigen angebauten Früchte, von denen sich die Menschen alle selbst ernähren konnten, sondern große Plantagen mit wenig verschiedenen Sorten – Tee und einigen Feldfrüchten – aber alles für den Verkauf – oft ins Ausland, teilweise staubige, wüstenartigen Landstriche – und wenig Wasser.

Problem und Lösung

„Wenn wir verstehen, dass wir ein Teil des Problems sind“, sagte sie, „dann können wir auch ein Teil der Lösung werden.“ Sie hatte eine einfache, aber großartige Idee.
„Warum pflanzen wir nicht Bäume?“, sagte sie zu den Frauen.

Sie zeigte ihnen, wie man von den übrig gebliebenen Bäumen sammelte. Sie brachte ihnen bei, wie man pflanzenerde herstellte, indem man sie mit Dung mischte. Sie zeigte ihnen, wie man die Erde anfeuchtete, mit einem Stock ein Loch bohrte und den Samen vorsichtig dort hineinlegte. Vor allem aber unterrichtete sie die Frauen darin, wie man die heranwachsenden Setzlinge hegte und pflegte…

Auch Rückschläge konnten sie und die erste Handvoll Gleichgesinnter nicht daran hindern, weiter zu machen. Aus der Idee und den ersten Bemühungen entstand eine große Bewegung. 30 Millionen Bäume wurden mittlerweile in den 30 Jahren von der „Grün-Gürtel-Bewegung“ genannten Initiative gepflanzt. Wangari Maathai bekam dafür als erste Frau aus Afrika 2004 den Friedensnobelpreis, weil sie die Gesundung der Umwelt mit dem Wohlergehen von Menschen als Einheit betrachtete.

Vorbild

Die 2011 in Nairobi verstorbene „Mutter der Bäume“, wie sie immer wieder genannt wurde, war Vorbild für den 2007 neunjährigen Felix Finkbeiner, der in seiner Schule in der Nähe von München sein Referat über Klimawandel mit der Aufforderung beendete: „Lasst uns in Deutschland eine Million Bäume pflanzen!“ Aus dem Vorschlag wurde seither die weltweite – von Kindern und Jugendlichen getragene – Initiative „Plant fort he Planet“, die in 193 Ländern mehr als 12,6 Milliarden (!) Bäume gepflanzt, sich 1000 Milliarden zum Ziel gesetzt hat und für Klimagerechtigkeit kämpft.

Claire A. Nivola, (aus dem Englischen von Susanne Lin), Bäume für Kenia – Die Geschichte der Wangari Maathai, Verlag Freies Geistesleben, 16,40 €; ein Euro geht als Spende an Plant-for-the-Planet; 1 € = 1 Baum

Bela und Baum

Bela wächst am Land, mitten in der Natur auf, ein Baum wird ihr Freund. Alles ist gut. Dann jedoch muss das Mädchen mit seinen Eltern in die Stadt übersiedeln. Auch nicht schlecht, Aber irgendwas geht ihr ab. Genau!

Da hilft ein anderes „Stück“ Natur: „Pflanze diesen Samen!“, flüsterte der Wind und überbrachte so dem Mädchen die Nachricht des Freundes. „Wenn du diese Samen pflanzt, wirst du wieder glücklich sein und in der Stadt einen Teil von mir bei dir haben!“

Andere, vor allem Kinder, machten es ihr nach…

Im Nachwort des mit lieblichen Bildern versehenen Buches wird für jene, die’s noch nie gemacht haben, beschrieben, wie Bäumchen pflanzen geht. Und ein bisschen die Initiative „Plant fort he Planet“ beschrieben.

Roseni Kurányi, Susanne Ward (Illustrationen), Das Mädchen und der Baum, Papermoon Verlag, 11,30 Euro

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