Jüngste Juror_innen begründen ihre Entscheidung

© Heinz Wagner

Nur Kinder können Geister vertreiben!

Nur Kinder können Geister vertreiben!

Jury der jungen LeserInnen: Kinder und Jugendliche diskutieren über Bücher und wählen ihre Favoriten.

von Heinz Wagner

11/30/2014, 06:00 AM

Wir haben jede und jeder so mindestens 20 Bücher gründlich gelesen“, fasst Manuela Sandri die Arbeit eines ganzen Jahres der Jury der jungen LeserInnen zusammen. Sie stellte gemeinsam mit Victoria Loeffler, Ruben Morad, Tobias Rindler und Isabella Springer die jüngste Gruppe der jungen Leseratten.

Die Lesefans treffen einander so zwei, drei Mal im Monat im Wiener Literaturhaus, um über die Bücher, die sie gelesen haben, zu diskutieren, mitunter sogar heftig. "Ungefähr im Frühjahr wählen wir dann unsere Favoriten aus", meint Ruben Morad.

Nicht immer einfach

"Es ist aber nicht immer einfach, sich auf das eine oder andere gemeinsame Buch zu einigen", meinen die jungen Literatur-Kritiker. "Wobei, in diesem Jahr war's nicht so schwer", geben (fast) alle zu: Band 1 von "Lockwood & Co. - die seufzende Wendeltreppe" von Jonathan Stroud (Verlag cbj) "ist uns fast allen gut in Erinnerung geblieben, obwohl wir’s schon eher am Anfang des vorigen Schuljahres gelesen haben", so Victoria Loeffler.

"Naja, "Echte Biester“" (Carl Hiaasen, Verlag Beltz & Gelberg) war auch ganz gut", geben einige zu bedenken. "Aber doch nicht so total fesselnd mit der richtigen Dosis zum Gruseln. Die Geschichte ist sehr unterhaltsam, voller Ideen, mysteriös, fantasievoll und lustig", heißt es in der zusammenfassenden Begründung der jüngsten Gruppe der Jury der jungen Leser.

Geistervertreibungs-Agentur

Die Geschichte einer englischen Geistervertreibungsagentur, die ausschließlich von Kindern betrieben wird, wurde übrigens auch von der nächstälteren Gruppe der Jury (14/15 Jahre: Petra Kaser, Nikola Pilsel, Sarah Rabong, Gregor Schindler) zu ihrem Lieblingsbuch gewählt. "Es ist ein wahnsinnig gutes Buch! Witzig, einfühlsam, wirklich nachvollziehbar und entführt in eine zeitlose Welt, die der unseren sehr ähnlich ist", begründeten sie ihre Entscheidung.

Szenisch vorgestellt

Die jüngste Gruppe präsentierte die Buchfavoriten im Literaturhaus "Lockwood" in Form einer Szene. In dieser bewirbt sich Lucy Carlyle (mit acht Jahren hatte sie bei einer anderen Agentur begonnen) nun bei Lockwood. Lucy wurde von Victoria Loeffler gespielt. Den jungen Agenturchef Lockwood gab Ruben Morad – der sich einen geheimnisvoll wirkenden langen Mantel und einen Geisterbekämpfungs-Degen organisierte. In die Rolle von George, dem dritten Agenturmitarbeiter, schlüpfte Manuela.

"Weil der Autor zur Preisverleihung nicht kommen konnte, schickte er eine Video-Botschaft. Dabei zeigte er nicht nur den neuen, zweiten Band im Original her, sondern auch seine handschriftlichen Notizen", freuen sich die fünf Leseratten. "Das war ein riesiges Plakat, auf dem er alle handelnden Personen verzeichnet und immer ergänzt hat, welchen Charakter sie haben."

"Ja, wir wissen, dieses Buch ist schon für Vielleser. Aber es ist echt gut und sehr spannend geschrieben", verweisen die jüngsten Jurorinnen und Juroren. "Und es liest sich echt flott, du kannst fast nicht aufhören bevor du nicht durch bist." "Und dann bist du sofort neugierig auf die Fortsetzung."

Informativ ohne zu belehren

Die "ältesten" (bis 22 Jahre) vergeben übrigens seit einigen Jahren auch einen Bilderbuchpreis. In diesem Jahr zeichneten Lea Kern, Tamara Pilz "Die Ton-Angeber" (Anna Czerwinska-Rydel / Marta Ignerska; aus dem Polnischen von Olaf Kühl; mixtvision) aus. Ihre Begründung: "Es beeindruckt auf den ersten Blick mit seinen starken ungewöhnlichen Farben, die knallige Akzente in die sonst reduzierte Seitenlandschaft setzen. Trotz der Abstraktheit harmonieren Bild und Thema. Von Harmonie erzählt auch der Text. Nacheinander werden die einzelnen Instrumente eines ganzen Orchesters vorgestellt – informativ, ohne belehrend zu sein. Selten wurden Wissen und Freude in einem Bilderbuch so gekonnt vereinigt. Auch die Illustrationen spielen auf einem hohen Niveau; jeder Musiker, jedes Instrument, jeder Ton ist individuell und originell."

Grimm neu erzählt und ungewöhnlich illustriert

Die beiden rückten bei der Preisverleihung aber auch noch mit einem Sonderpreis raus. Und der ging an "Grimms Märchen". Schnarch? Mitnichten. Neu verfasst – auf Englisch von Philip Pullman (Übersetzung ins Deutsche Martina Tichy) und vor allem außergewöhnlich illustriert von Shaun Tan (Verlag Aladin). "Noch nie", so die beiden langjährigen jungen Kritikerinnen, "hatte ein Märchenbuch ein solch verlockendes Kleid. Modern und aufgeräumt kommt es daher, mit Bildern, die von einer anderen Welt scheinen." Erst Shaun Tans Illustrationen ließen den Autor sich mit der Idee des Verlegers anfreunden, die altbekannten Geschichten neu zu erzählen. Und der Illustrator zeichnete nicht, er baute dreidimensionale Skulpturen, sehr schlicht, aufs Wesentliche reduziert, teilweise fast schon abstrakt. Nicht immer ganz leicht erkennbar.

Fotos dieser Skulpturen stehen jeweils am Beginn der knapp mehr als vier Dutzend Märchen, von denen einige weniger bekannt sind wie beispielsweise "Das Rätsel" oder "Simeliberg".

Übrigens, zu welchen drei bekannten Grimm'schen Märchen gehören diese Bilder?

Mehr über die Jury, auch über die Entscheidung der älteren Jugendlichen (16-19: Axel Gendron, Zoé Gendron, Jacqueline Kanta), die auf das genial geschriebene, teils makabere Buch "Blaubart" von Amélie Nothomb (Aus dem Französischen von Brigitte Große, Diogenes 2014) fiel, sowie die Wahl der besten Buch-Cover:

www.juryderjungenleser.at/

... von der Jüngsten der Jurys

... von den anderen Jurys

... von der Preisverleihung

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