"Junges Theater Wien" spielt "Elektra"

© Barbara Pálffy

Rache ist süß, oder?!

Rache ist süß, oder?!

„Junges Theater Wien“ spielt eine "Elektra"-Version nach Hofmannsthal im Spielraum (Wien-Neubau).

von Heinz Wagner

10/02/2015, 12:05 AM

Warum er sich für „Elektra“ als aktuelles Theaterprojekt entschieden habe, weiß der junge Regisseur Matti Melchinger nicht. „Wie immer bei meinen Projekten, es war einfach da.“ Fix aber weiß er, weshalb er sich nicht für eine der antiken Versionen der Tragödie von Sophokles oder Euripides, sondern jener erst knapp mehr als 100 Jahre jungen von Hofmannsthal orientierte.

„Diese lässt die historische Dimension des Krieges weg, konzentriert sich auf die Psychologie der Beteiligten, auf die Entscheidungen gut oder böse – letztlich die einzige Freiheit, die den Menschen in jeder Situation bleibt“, wie der 18-jährige Schauspielschüler dem KiKu rund um die Premiere der „Elektra“ der neuen Gruppe „Junges Theater Wien“ von Schauspielstudentinnen und -studenten erläutert.

Wer bist duuuu?

Diese Elektra-Version beginnt extrem aufgeheizt, hektisch, irgendwie – fast wie vielleicht in einer Probensituation mit lautstarken Fragen des auf der Bühne fast als MC (Master of Ceremony) anwesenden Regisseurs: „Wer bist duuuu?“ oder „Was is daaaas?“

Zerbrechlich, hart

Um bald danach vor allem eine zarte, zerbrechliche und doch so starke Hauptdarstellerin, Shirina Granmayeh als Elektra, über weite Strecken allein extrem stark präsent auf der Bühne zu lassen. Meist mit leerem Blick, hoffend – mit wenig Zweifel – den von der Mutter getöteten Vater zu rächen. Sie nötigt die jüngere Schwester Chrysothemis (Fanni Schneider) sogar beinahe brutal, beim Rachemord an Mutter und deren Geliebtem mit zu machen. Ihnen sie diese Last auferlegt, nachdem sie erst nichts und dann nur vom (vermeintlichen) Tod des Bruders Orest erfahren. Der eigentlich die Rache vollziehen sollte.

Als er dann unvermutet doch lebt und gekommen ist, weil die Götter ihm diese Tat auferlegt haben, wofür sie ihn zugleich „verwerfen“, blüht Elektra kurz auf, ist ganz euphorisch besessen vom Gedanken an das bevorstehende Rache-Blutbad...

Um nach vollbrachter (Un-)Tat des Bruders reglos, fast wie tot, zu Boden zu fallen.

Fokussiert

Mit Ausnahme der hektischen Anfangs- und einer heftigen Vorschluss-Szene sowie eines immer wieder eingeblendeten Kopfes mit Blutspuren (Agamemnon) fokussieren die knapp mehr als eineinhalb Stunden ausschließlich auf die jeweils auftretenden fünf Schauspieler_innen – und ihre klare Sprache sowie die meist eindeutigen Gefühle, hin und wieder doch auch die eine oder andere innere Zerrrissenheit.

Elektra

von Hugo von Hofmannsthal

Inszenierung & Raum: Matti Melchinger

Elektra: Shirina Granmayeh Klyätemnestra: Henrietta Isabella Sophie Rauth Chrysothemis: Fanni Schneider Orest: Nikolaas von Schrader Aegisth: Jakob Oberschlick Agamemnon (Video): Max Kolodej Assistenz & Video: Florian Eder Licht: Tom Barcal

Wann & wo?

Bis 6. Oktober Theater Spielraum 1070 Wien, Kaiserstraße 46 Telefon: (01) 713 04 60 60www.theaterspielraum.at

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