Szenenfoto aus "Running Wild" im Dschungel Wien

© Rainer Berson

Dschungel Wien
09/24/2016

Kind oder Teenager? Wilde Phase

"Running Wild": Eröffnungsproduktion der neuen Dschungel-Wien-Saison zur Phase zwischen Kind und Teenager.

von Heinz Wagner

Dunkel, ein Hauch von einer Strickleiter und zwei weitere Schaukeln ist auszunehmen. Sechs Wesen, deren Konturen sich erahnen lassen. Dank einer jeweils sehr hellen Stelle – in etwa in der Mitte der Figuren angesiedelt. Bekanntes hell. Im Theater oft störend, wenn in Publikumsreihen das eine oder andere Smartphone Lichtsignale von sich gibt. Hin und wieder auch gepaart mit Klingeltönen. Auch solche sind – hier natürlich mit voller Absicht von der Bühne her zu vernehmen. Start für „Running Wild“, die Eröffnungsproduktion der neuen Saison – unter neuer Leitung – im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier. Wild geht’s da zunächst „nur“ offenbar auf dem einen oder anderen Display zu wie Töne, die zu dem einen oder andern Spiel gehören dürften, erahnen lassen.

Nicht mehr Kind, noch nicht Teenager?

Handylichter aus, Bühnenlicht an. Ein Spielplatz mit wilden Schaukeln. Die und der ganze Raum wird von den sechs Kindern und Jugendlichen in den nächsten 70 Minuten weidlich ausgenützt um wild zu turnen, rennen, immer wieder gegen die beiden erwachsenen Tänzer_innen als Symbol für Eltern auseinander zu setzen, sich mitunter zu fetzen.

Immer wieder aber gibt es Momente des Innehaltens mit Raum und Ohr für Nachdenkliches. Die jungen Darsteller_innen setzen sich mit der Phase vom Kind zum Teenager, aber ja nur noch (lange) nicht erwachsen sein auseinander. Ernsthaft, tiefschürfende Gedanken, aber authentisch, nicht Lehrsätze oder gar Leerformeln.

Witz und Philosophie

Vom Umgang mit den Kuscheltieren, die vielleicht nur wenige Monate noch wichtig waren und nun weggeben, versteigert oder doch irgendwo aufgehoben werden bis zum Ärger darüber, dass die Menschheit die Umwelt versaut, aber nichts dagegen tut. „Nicht alle, aber zu wenige!“ Viel Platz und Zeit ist im Stück nicht nur für Wildheit, sondern auch für Spaß und Witz. Der mitunter auch in der einen oder anderen philosophischen Frage steckt: Gibt es die Welt auch ohne mich? Darf sich die Wahrheit alles erlauben? Ist die Lüge nur eine feine, kunstvolle Konstruktion? Bin ich der Schlafsack meiner Seele?

Alles ist Ergebnis der gemeinsamen Arbeit in bewährter Manier am Stück und an den Texten mit Regisseurin und nunmehr auch Theaterleiterin Corinne Eckenstein.

Running Wild TheaterFoxfire

ab 10 J., Tanztheater, 70 Min.

Regie, Raumkonzept: Corinne Eckenstein

Choreografie: Corinne Eckenstein & Ensemble

Musik: Ben Pascal

Kostüm: Ulli Nö

Licht: Hannes Röbisch

Regieassistenz: Johanna Müller

Produktion: Alexandra Hutter

DarstellerInnen: Lino Eckenstein, Aysun Geliksu, Emilia Greifeneder, Marit Krickl, Carlos Lazar, Milena Leeb, Maartje Pasman, Futurelove Sibanda

Wann & wo? Bis 2. Februar 2017

Dschungel Wien Telefon: 01/522 07 20-20www.dschungelwien.at