Alle gemeinsam singen den selbst am Camp geschiebenen Song

© Heinz Wagner

Peace-Camp 2013
07/13/2013

Die anderen sind gar nicht alle böse

Jüdische und arabische Jugendliche aus Israel, Kolleg_innen aus Ungarn und Österreich beim elften Peace-Camp, Abshcluss-Performance im Dschungel Wien

von Heinz Wagner

Frieden ist, was wir alle suchen – zur Meldodie, die stark an Knock, Knock, Knocking on heaven’s door erinnert, singen rund drei Dutzend Jugendliche auf Deutsch, Englisch, Ungarisch, Hebräisch und Arabisch einen selbst getexteten Song über die Suche, den Wunsch, die Sehnsucht und den Weg zu Frieden, für den es gilt, auch selbst was zu tun.

Genau das haben sie selbst auch fast zehn Tage lang getan – beim insgesamt bereits elften Peace-Camp, einer privaten Initaitive von Evelyn und Ronny Böhmer. Zum siebenten Mal fand das Camp selbst mit Diskussionen, kreativen Workshops und natürlich viel Spaß im Waldviertler Reibers statt, die abschließende Präsentation mit nationalen Tänzen und Liedern sowie gemeinsamen Tänzen und Songs wurde – wie auch schon seit Jahren – am allerletzten Abend, bevor alle wieder in ihre Ausgangsländer zurückkehren, im Theaterhaus für junes Publikum im MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien, wiederholt. Der eingangs angesprochene Song gehörte als zentrales Element – mit dem Refrain, dass jede und jeder zum Wandel beitragen können, wenn sie oder er für den Freiden aufstehe, dazu.

Ängste überwunden

Über ihre Erfahrungen in diesen zehn Tagne berichteten danach einige der Jugendlichen (die meisten 14 bis 16) dem Online-Kinder-KURIER. „Am Anfang stand irgendwie die Angst vor Fremden“, begann Yvi aus Wien (gut die Hälfte der österreichischen Gruppe bestand aus hier lebenden Französ_innen) zu erzählen. „Ja natürlich habe ich Wien schon auch viele Fremde kennen gelernt“, meinte sie auf die entsprechende Nachfrage des Reporters, „aber ich hab noch nie vorher mir Fremden so eng für mehr als eine Woche zusammen gelebt. Aber die Angst ist schnell verflogen, und das hat sogar schon im Bus von Wien nach Reibers begonnen!“

Erstmals Nette wahrgenommen

Obwohl die arabische Gruppe, die immer auch aus Israel kommt, in diesem Jahr sogar aus einer bikulturellen Schule in Jerusalem stammt, gestand Liyan: „Zu Hause habe ich immer probleme mit jüdsichen Mitschüler_innen und –büerger_innen gehabt, hier waren die Jüd_innen, die mir als erstes geholfen haben, wenn ich ein Problem hatte. Zum ersten Mal hab ich so Juden und Jüdinnen nicht als feindselig erlebt und das kann ich mit nach Hause nehmen, nicht alle in einen Topf zu werfen.“

Offen und neugierig

Und umgekehrt überwanden die jüdischen Jugendlichen schnell das Vorurteil, alle Araber seien Terroristen. „Hierher sind praktisch alle sehr offen gekommen, mit dem Wunsch, viel über die anderen zu erfahren, wie sie sind, was sie denken und fühlen, drum ist das auch schnell gegangen, sogar für mich, wo isch normalerweise sehr scheu bin“, meinte Ofir. „Wir wollten auch die zeit gut nützen, wussten wir ja, dass wir nicht einmal zehn Tage haben“, ergänzt Tomer. „Ja und eigentlich sollten wir uns alle auf jeden Fall noch einmal treffen“, äußerte Ofir einen sehnsüchtigen Wunsch der meisten.

Facebook ist nicht live

„Wir haben zwar eine Facebook-Gruppe, die David schon vor dem Peacecamp eingerichtet hat“, meinen Dror und Daniel. „Aber es war dann doch ganz was anderes und aufregend, als wir uns das erste Mal wirklich live gesehen haben“, sagt David. Er und Danile aus Ungarn schilderten auch, dass sie den beiden Gruppen aus Israel zu vermitteln versuchten: „Wir haben ja mit den Österreichern auch Streit um Land gehabt – aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, wo dann Burgenland zu Österreich kam, aber trotzdem können wir heute in Frieden gemeinsam in der Europäischen Union leben.“
„Vielleicht“, so taucht in der Runde eine Idee auf, „könnte ja eine Mittel-Ost-Union auch eine Lösung sein.“

Selber anfangen

„Es geht aber nicht nur um den Frieden im Großen, ich glaube, er muss im Kleinen, bei einem selbst beginnen und dann immer größere Kreise ziehen“, so Daniel. „Ich rede sonst überhaupt nicht gerne über meine Familie, aber beim Camp hab ich viel davon erzählt. Alle haben sich so schnell geöffnet, jede und jeder wollte vom anderen wissen, wie sie oder er tickt. Ein Teil meiner Familie ist jüdisch und die entsprechen zum Teil diesen Klischees von Geld und Macht, aber hier hab ich ganz andere Jüdinnen und Jugend kennen gelernt, die sind ganz anders, Jugendliche wie wir auch.“

„Wir haben überhaupt viele Gemeinsamkeiten entdeckt und sind drauf gekommen, dass du die Leute einzeln anschauen musst, nicht so diese Vorurteile und das nehme ich mit“, meint David, „auch wir haben in Ungarn Minderheiten, gegenüber denen viele oft Vorurteile haben wie bei den Roma. Von den Erfahrungen des Peace-Camps ausgehend, können wir jetzt auch da hoffentlich anders reagieren.“

Zwei Welten

Auch die beiden Betreuerinnen der Gruppen aus Israel, der jüdischen sowie der arabischen, konstatieren: „Wir lebenim selben Land, wissen aber praktisch nichts von- und übereinander, nicht einmal über so bekannte Bräuche und Sitten wie Ramadan auf der einen und Bar-Mizwa auf der anderen Seite. Das sollte sich ändern!“

http://2013.peacecamp.net/

... von der Performance im Dschungel Wien

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.