Was Kinder im Kindergarten lernen

Aktionstag Elementarbildung
Foto: Lukas Horak Schnappschuss vom Aktionstag am Franz-Josefs-Bahnhof (Wien)

Kinder aus dem Kindergarten Julius-Tandler-Platz fragten Bahnhofsbesucher_innen, was sie darüber wissen, was sie alles lernen.

Was wissen Menschen auf der Straße darüber, was Kinder in Kindergärten lernen? Am Tag der Elementarbildung (24. Jänner 2018) haben Fünf- und Sechsjährige Vorbeigehende am Wiener Franz-Josefs-Bahnhof befragt. Elena, Nur, Cecilia, Koki, Bogdan, Katarina, Naclisha, Simon und Mila vom Kinderfreunde-Kindergarten Julius-Tandler-Platz schwärmten aus und wollten wissen, was die Leute darüber wissen, was sie so alles im Kindergarten lernen.

 

Einiges schon bekannt

Aktionstag Elementarbildung Foto: Wr. Kinderfreunde Ein Mann, der gerade auf dem Weg nach Klosterneuburg ist, um seine Enkeltochter von der Schule abzuholen, meinte zum Beispiel, dass der Kindergarten eine wichtige Vorbereitung für die Schule ist. Er sagte auch, dass die Eltern arbeiten gehen können, während die Kinder im Kindergarten sind. Und ein junger Mann sagte: „Ja das ist eine lustige Zeit, viel Spiel und Spaß, auch eine Vorbereitung auf die Schule, aber mit viel Spielen“.

Nach einigem Nachdenken erklärte eine Frau mit Pudelmütze: „Im Kindergarten lernen die Kinder, Freundschaften zu knüpfen. Auch dass andere Erwachsene als ihre Eltern mit ihnen gemeinsam Spiele spielen und auch den Tag gestalten. Natürlich auch die Vorbereitung auf die Schule. Kinder lernen durch die anderen Kinder die Gemeinschaft kennen, dadurch auch die Regeln. Sie lernen auch, miteinander zu teilen und Rücksicht zu nehmen, also auch einmal warten zu können. Es ist eine schöne Zeit mit Spiel und Spaß, genießt es.“

 

Nie wieder so viel...

Aktionstag Elementarbildung Foto: Wr. Kinderfreunde Nie wieder lernt ein Mensch so viel wie in den ersten sieben Lebensjahren. Zum Beispiel „miteinander auskommen und zusammenhalten“ oder „beim Spielen lernen wir, Regeln einzuhalten und warten, bis wir an der Reihe sind“ oder „manche von uns lernen gehen oder reden“ steht da auf einem Transparent, das die Pädagoginnen des besagten Kindergartens zuvor aufgehängt hatten. Es ist eines von drei und die Überschrift lautet: Was wir Kinder unter ‚Bildung im Kindergarten‘ verstehen. Auf den beiden anderen ist zusammengefasst, was Eltern und was Pädagoginnen und Assistentinnen unter Bildung im Kindergarten verstehen.

Auf letzterem steht etwa: „Bildung = Freude am eigenen Erleben (Neugierde, sich auf Neues einzulassen)“, „Förderung der Sprachkompetenz“ oder „Stärkung der Persönlichkeit“. Kindergartenkinder-Eltern hingegen geben an, dass „Singen das Sprachvermögen fördert“ oder „Neue Sprachen ermöglichen ein neues Verständnis von Gemeinschaft“ oder „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen – der Kindergarten ist unser Dorf mit verschiedenen Bezugspersonen“.

 

Und noch was

Aktionstag Elementarbildung Foto: Wr. Kinderfreunde Kindergartenleiterin Daniela, die „ihre“ Kinder bei der Umfrage am Bahnhof begleitete, war sehr beeindruckt, über das Wissen der Vorübergehenden: „Das umfasst einige wichtige soziale Kompetenzen, die wir den Kindern vermitteln.“

Darüber hinaus gibt es aber noch viele andere Dinge: Beim Malen, lernen die Kinder Begrenzungen einzuhalten, in der täglichen Routine lernen sie Abfolgen einzuhalten, bei vielen Bewegungsspielen lernen sie, ihren Körper wahrzunehmen, bei anderen Spielen, werden sie für die eigenen Gefühle und die der anderen sensibilisiert, sie lernen Farben und Formen zu erkennen, das Betätigen von elektrischen Geräten wie CD-Player oder die Kamera bei entsprechenden Medienprojekten und bei jedem Spiel werden durch die Pädagog_innen und Assistent_innen alle Begriffe, die sich aus dem Spiel ergeben, deutlich ausgesprochen - beim Memory zum Beispiel, oder beim Holz-Puzzle. Auch beim Singen, beim Vorlesen, beim Tischdecken, beim An-und Ausziehen und bei jedem Gespräch – vom Morgenkreis bis zum Lösen von kleinen Konflikten – wird die Sprache geübt. Bei jedem Ausflug auf den Spielplatz lernen die Kinder, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Beim Basteln wird die Feinmotorik verbessert.

 

Rahmenpläne, Portfolios

So viele Lernschritte brauchen auch ein gewisses System. Die genannte Pädagogin meint noch: „Die Kinderfreunde haben aufbauend auf den Bildungsrahmenplänen von Bund und Stadt Wien für den Kindergarten, eigene pädagogische Standards, Zielpläne und Stundenbilder erarbeitet. Für alle Lernbereiche gibt es je nach Entwicklungsstand für jedes Kindes bestimmte Lernziele. Wann und wie es diese erreicht, wird in seiner Portfolio-Mappe festgehalten. Wenn die Kinder dann zurückblicken darauf, was sie alles gelernt haben, fördert das auch in Zukunft ihre positive Einstellung zum Weiterlernen.“

 

(kiku) Erstellt am
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