Leben
02/15/2017

Trumps Beraterin kennt sexuelle Belästigung zu gut

Kellyanne Conway sagte gegenüber der Cosmopolitan, dass sie ihre ganze Karriere über ungewollte Annäherungen von mächtigen Männern toleriert hat.

Kellyanne Conway, Spitzenberaterin von Donald Trump, die unter anderem mit ihrem Sager über "alternative Fakten" für Aufregung sorgte, spricht in einem Artikel der Cosmopolitan über sexuelle Belästigung und Übergriffe während ihrer beruflichen Laufbahn. "Ich bin mit jeder Art von Sexismus in Berührung gekommen", erzählt Conway darin. "Die extremsten Beispiele dafür waren ungewollte sexuelle Annäherungsversuche. Immer von älteren Männern, oft in mächtigen Positionen, mit Titeln vor ihren Namen und einem R oder D (Anmerkung der Redaktion: steht für Republikaner oder Demokrat) davor."

Belästigung als bedauerliches Übel

Diese Erlebnisse scheinen bei der heute 50-Jährigen keinen Einfluss darauf gehabt zu haben, dass sie mit Donald Trump für jemanden arbeitet und jemanden wählt, der in der Vergangenheit immer wieder mit frauenfeindlichen Aussagen (mehr dazu hier) für Aufregung sorgte und auch sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verharmloste. Conway sagte gegenüber der Cosmopolitan, dass sie niemals gegen die sexuellen Übergriffe gegenüber ihrer Person protestiert habe. Zum Beginn ihrer Karriere habe man Vorfälle wie diese nicht einmal so genannt. Auch ihre weiteren Äußerungen zeigen, dass Conway sexuelle Belästigung als ein bedauerliches Übel sieht, das von Männern ausgeht und Frauen zu erdulden haben.

"Es wäre peinlich für ein Mädchen in ihren Zwanzigern oder Dreißigern gewesen zu versuchen, gegen jemanden in einer mächtigen Position rechtlich vorzugehen", sagt Conway. "Besser ist vorzutäuschen, dass nichts passiert ist, dass es deine Schuld war oder dass es niemals wieder passieren wird. Die Idee, dass jemand glaubt, er habe das Recht, seine Zunge in deinen Hals zu stecken ist verflixt ekelhaft."

Männlicher Zirkel der Macht

Als im Zuge des Wahlkampfs ein Tonband auftauchte, in dem sich Trump mit sexuellen Übergriffen gegenüber Frauen rühmt, unterstützte Conway seine Ausrede, es habe sich dabei nur um "Gerede in der Umkleidekabine" gehandelt. In der Trump-Administration selbst hat Conway nur wenige weibliche Kolleginnen, sie ist die Frau mit der höchsten Position in seinem innersten Zirkel. Generell hat Trumps Kabinett den geringsten Prozentsatz an Frauen seit der Ära Reagans.

Kein Verständnis für Protest

Nachdem beim "Women's March on Washington" am 21. Jänner Millionen von Frauen weltweit gegen Trump demonstriert haben (kurier.at berichtete), sagte Conway, dass sie deren Argumente nicht nachvollziehen könne.