Caroline Kirkpatrick

┬ę KURIER/Gilbert Novy

#WhyIMarch
01/18/2017

Warum diese Amerikanerin zum Protest in Wien aufruft

Caroline Kirkpatrick hat der Wahlausgang in ihrem Heimatland einen Schock versetzt, woraufhin sie sich dazu entschied, aktiv zu werden.

von Elisabeth Mittendorfer

Bis vor kurzem w├Ąre es f├╝r Caroline Kirkpatrick unvorstellbar gewesen, Teil der Organisation einer internationalen Protestaktion zu sein, f├╝r die hunderttausende Menschen zugesagt haben. Dass sich die Einstellung der 30-j├Ąhrigen Amerikanerin diesbez├╝glich ge├Ąndert hat, ist dem Ausgang und den Ereignissen rund um die US-Wahl geschuldet. "Ich war in meinem Leben bislang weder politisch noch anderweitig aktiv", sagt Kirkpatrick, die seit eineinhalb Jahren in Wien lebt und hier an einer internationalen Schule unterrichtet. "Ich war noch nicht einmal besonders politisch interessiert. Nach Obama hat mir der Wahlausgang aber regelrecht einen Schock versetzt."

Wenige Tage nachdem die Wahl entschieden war, wurde Kirkpatrick im Internet auf den "Women's March on Washington" aufmerksam. Ein Protestmarsch f├╝r Frauen- und Menschenrechte, der am 21. J├Ąnner, einen Tag nach der Angelobung von Donald Trump zum Pr├Ąsidenten der USA, stattfinden soll. "Ich habe sofort nach Flugtickets gesucht. Ich wollte unbedingt dort hin", sagt Kirkpatrick. Diese seien aber sehr teuer gewesen und die 18-st├╝ndige Anreise nach Washington f├╝r den Marsch erschien ihr letztlich doch zu m├╝hsam.

Globale Ängste

In den folgenden Tagen beobachtete Kirkpatrick, dass immer mehr Organisationen nachzogen und auch in anderen St├Ądten Protestm├Ąrsche f├╝r den 21. J├Ąnner ausriefen. Kurzerhand entschied sie sich dazu, einen Ableger der Veranstaltung f├╝r Wien auf Facebook zu erstellen. Es dauerte nicht lange, bis sich diverse Organisationen wie beispielsweise die Gruppe "Plattform 20.000 Frauen" bei Kirkpatrick meldeten und ihr Unterst├╝tzung f├╝r den Protestmarsch zusicherten. "Es geht hier nicht mehr nur ausschlie├člich um die Staaten", ist Kirkpatrick von ihrem Engagement ├╝berzeugt. "Zwar sehen viele Menschen Amerika noch immer als vorangehendes Beispiel, die ├ängste der Menschen dort gibt es aber weltweit."

Kirkpatrick ist an der Ostk├╝ste in Amerika aufgewachsen und hat zuletzt in San Francisco gelebt. Schon w├Ąhrend des Wahlkampfes sei sie geradezu besessen von der Berichterstattung rund um die Wahl gewesen. "Ich habe s├Ąmtliche Nachrichten-Apps und schlie├člich auch meinen Facebook-Account gel├Âscht, um nicht st├Ąndig am Handy zu h├Ąngen, um die neuesten Updates abzurufen", sagt Kirkpatrick.

Zeichen einer polarisierten Gesellschaft

Nie h├Ątte sie es f├╝r m├Âglich gehalten, dass Donald Trump die Wahl tats├Ąchlich f├╝r sich entscheidet. "In meinem Umfeld gibt es keine Leute, die Trump gew├Ąhlt habe", sagt sie. Sie selbst hat ihre Stimme im Oktober in San Francisco abgegeben, eine Stadt, die sie als "progressiv" beschreibt und in der sie die Sympathie f├╝r Trump als ├Ąu├čert gering einsch├Ątzt. "Dass ich nicht geringste Vermutung hatte, dass er wirklich gewinnen k├Ânnte, zeigt, dass wir wirklich in einer polarisierten Gesellschaft leben", sagt Kirkpatrick.

Eine Textnachricht mit dem Inhalt "Wach auch, wach auf, er gewinnt" habe sie in der Wahlnacht aus dem Schlaf gerissen. "Ich konnte es bis zum letzten Moment nicht glauben, dass das gerade tats├Ąchlich passiert. Ich habe den ganzen Tag geheult, sogar in der Arbeit. Am Abend habe ich dann mit meiner Schwester geskyped. Wir haben kein Wort miteinander gesprochen, sondern uns einfach nur angesehen und geweint."

Es sei das erste Mal in den eineinhalb Jahren gewesen, dass sie richtig Heimweh hatte. "Die gr├Â├čte Herausforderung des Lebens im Ausland ist f├╝r mich, dass man bei Problemen zu Hause nicht jedes Mal vor Ort sein kann", sagt Kirkpatrick. Letztlich habe die Wahl bei ihr aber bewirkt, dass sie sich mehr mit dem politischen System ihrer Heimat auseinandersetzen will. "Ich bin einerseits ziemlich verwirrt, zugleich aber daran interessiert, mehr dar├╝ber zu erfahren."

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Obwohl Kirkpatrick den "WomenÔÇÖs March on Washington" in Wien nicht aktiv beworben hat, gibt es mittlerweile mehrere hundert Zusagen auf Facebook, tausende Menschen zeigen sich daran interessiert. Dabei hatte Kirkpatrick zuerst mit nur zehn oder f├╝nfzehn Teilnehmern gerechnet. "Ich wollte das einfach nur f├╝r mich machen, aber auf Facebook hat sich die Veranstaltungsinfo wie ein Schneeball verbreitet." Unterst├╝tzung bei der Umsetzung des Protestmarsches bekommt sie neben lokalen Gruppierungen auch von der internationalen Kampagne, die ausschlie├člich von Freiwilligen betreut wird. Mittlerweile sind weltweit 272 M├Ąrsche in 32 L├Ąndern und 61 St├Ądten geplant.

Keine Anti-Trump-Veranstaltung

Wichtig ist Kirkpatrick, dass es sich bei dem Marsch in Wien nicht um eine Anti-Trump-Veranstaltung handelt. "Ich m├Âchte nicht so eine Person sein wie er, die Veranstaltung richtet sich nicht gegen jemanden, sondern ist ein Zeichen f├╝r Menschenrechte und auch daf├╝r, dass wir mit seinen Aussagen nicht einverstanden sind." Ihr selbst seien besonders umweltpolitische Themen ein Anliegen. "Ich marschiere f├╝r meinen Planeten und um darauf aufmerksam zu machen, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der den Klimawandel leugnet", sagt Kirkpatrick. Grunds├Ątzlich wolle man bei der Aktion geschlossen f├╝r all jene demonstrieren, die der Pr├Ąsidentschaft von Trump besorgt entgegen blicken. Auch M├Ąnner sind dazu aufgerufen, mitzumarschieren. Bereits im Vorfeld k├Ânnen Menschen unter dem Hashtag #WhyIMarch in den sozialen Medien ihre pers├Ânlichen Motivationsgr├╝nde daf├╝r teilen am 21. J├Ąnner zu demonstrieren.

Der Protestmarsch beginnt am 21. J├Ąnner um 12.00 Uhr bei der Wiener Karlskirche. Er startet mit Redebeitr├Ągen von Brigitte Hornyik (stellvertretende Vorsitzende des ├ľsterreichischen Frauenrings), Laura Rockwood (Direktorin des Wiener Zentrums f├╝r Abr├╝stung und Nichtverbreitung) und Amina Baghajati (Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft und Mitgr├╝nderin der Initiative muslimischer ├ľsterreicherInnen).

Website der internationalen Kampagne

Protestmarsch in Wien auf Facebook

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