© KURIER/Franz Gruber

Reportage
11/02/2014

Ein neuer Schritt ins Arbeitsleben

In einem Internetcafé in Simmering bekommen Arbeits- und Wohnungslose Hilfe beim Wiedereinstieg.

von Sandra Lumetsberger

Renée sitzt zum ersten Mal nach langer Zeit wieder vor dem Computer. "Ein bisschen unsicher bin ich schon, ob ich das alles schaffe", sagt die Frau mit der lila Haube und den bunt lackierten Nägeln. Sie erzählt, dass sie schon länger "draußen ist". Früher habe sie in einem Büro gearbeitet, jetzt will sie ihre Kenntnisse auffrischen. Dafür kommt sie zur Computerschulung ins Internetcafé "ZwischenSchritt" in Wien-Simmering, das vom Arbeiter-Samariter-Bund geführt wird. "Viele Menschen, die kommen, um eMails zu schreiben, etwas auszudrucken oder sich wie Renée schulen zu lassen, sind in der Wiedereinstiegsphase ins Arbeitsleben", erklärt die Sozialarbeiterin Susanne Studeny.

Angesichts der Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit in Österreich seit drei Jahren steigt und derzeit bei 292.135 registrierten Personen liegt, sind Einrichtungen wie das Café wichtiger denn je. Langzeitarbeitslose, aber auch Asylwerber, die nicht arbeiten dürfen, bekommen die Möglichkeit, die digitale Kluft zu überwinden und sich für den Arbeitsmarkt zu rüsten.

Gerüstet

Die Männer, die heute im Computerraum sitzen, Mitte zwanzig bis Ende fünfzig, nutzen den kostenlosen Internetzugang, um sich auf Jobportalen umzusehen, oder Bewerbungen zu schreiben. Niemand fragt sie nach Ausweispapieren, Arbeitsplatz oder Aufenthaltsgenehmigung. Sie sind unter sich, müssen niemandem Rechenschaft ablegen.

Jeden zweiten Mittwoch findet ab 14.30 Uhr der Frauennachmittag mit Computerschulungen statt. Ein Mann mit schlohweißem Haar, der mit seinem Laptop im Café-Bereich sitzt, klappt das Gerät zusammen, nimmt seine Tasche und verabschiedet sich. Morgen wird er wiederkommen und ein paar Mails schreiben – so wie jeden Tag. Auch die anderen Männer packen ihre Habseligkeiten und gehen. Keiner ärgert sich oder protestiert.

Trotz Ausbildung findet Irina Bitnaya in Österreich keine Arbeit. Als Betroffene will sie nicht untätig sein, sondern anderen Mut machen. Sozialarbeiterin Studeny sieht in ihr ein Vorbild: "Viele unserer Mitarbeiter waren einmal von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit betroffen. Die Tätigkeit im Café ist der erste Schritt, um ihnen wieder eine Aufgabe und Tages-Struktur zu geben."

Die bekommt auch Peter, Anfang fünfzig, der seit zwei Wochen mitarbeitet. Er hat in der Reiniguns- und Gastrobranche gearbeitet, dann ist auch er "ausgestiegen". Sein größter Wunsch ist es, künftig als Coach zu helfen. Momentan tut er dies, indem er andere dabei unterstützt, sich mit Computern auseinanderzusetzen. "Die Arbeitssuche ist nicht einfacher geworden. Für viele Stellen kann man sich nur online bewerben. Wer keinen Zugang hat oder sich mit PCs nicht auskennt, hat es schwer."

Geschafft

Nadezda Aminisova, 34 Jahre alt, kommt aus Russland, lebt seit 2008 in Wien und stand lange Zeit vor demselben Problem wie viele Asylwerber: Sie hatte keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Da sich ihr Asylverfahren über Jahre zog, vereinbarte sie mit ihrer Anwältin, ehrenamtlich im Internetcafé zu helfen. "Es tat gut, aus dem Alltag im Asylheim rauszukommen. Ich habe neue Leute kennengelernt, Kontakte geknüpft", sagt Aminisova. Heute ist sie zu Besuch im Café. Stolz berichtet sie von ihrer neuen Arbeit als Kindergartenbetreuerin. Kursteilnehmerin Renée ist am heutigen Tag auch einen Schritt weitergekommen. Gemeinsam mit Irina Bitnaya hat sie ihr erstes eMail verfasst – eine Bewerbung.

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