Von 0 auf 10: So trainieren Sie Ihren Selbstwert

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Hilde Fehr will aus Menschen eine "10" machen - oder ein Rufzeichen. Wie das funktionieren soll, erzählt sie im Interview.

In ihrer neuen „Selbstwertambulanz“, will Fehr - Autorin und Trainerin - gemeinsam mit dem Coach Robert Pap, den Selbstwert von Menschen trainieren - wie Muskeln. Dazu muss man zum Beispiel die inneren Hürden kennen, jemanden daran hindern, sich wertvoll zu führen. Etwa unbewusste Glaubenssätze, falsche Signale, unsichere Töne, die beim Gegenüber als (falsche Information) ankommen.  Folgende Fragen sind zu klären: Wie wirke ich nach außen? Wie fühlen ich mich innerlich? Sind Fremdbild und Selbstbild im Einklang? Schließlich geht es auch darum, dass man sich bei sich selbst sicher und geborgen fühlen kann. Im Interview verrät Fehr den Unterschied zwischen Selbstwert, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein – und das Geheimnis der Authentizität.

Was genau unterscheidet Selbstwert von Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein?

Selbstwert ist der Wert, den man sich selber gibt. Selbstvertrauen ist das Vertrauen zu sich selbst: in seine Fähigkeiten, Talente, Fertigkeiten, Wissen, in seinen Körper, in die Kraft und Energie, und in seine Charakter-eigenschaften wie Willen, Durchhaltevermögen, Liebesfähigkeit etc.... Es hängt auch immer von individuellen Erfahrungen ab.  Wobei viele Menschen dazu neigen, die negativen Erfahrungen schwerer zu gewichten als die positiven... weil unser Hirnmuskel darauf trainiert ist, die Fehler zu sehen und das Falsche und Schlechte abzuspeichern.  Und Selbstbewusstsein ist, sich seiner selbst be-wusst sein. Bin ich nicht selbstbewusst, bin ich es in dem Moment, wo ich mir bewusst bin, dass ich nicht selbstbewusst bin, nämlich eben schon. Selbstbewusstsein ist keine Form von Höhe und Größe, sondern eine Form von Bewusstheit,  es setzt kein Können, keine Fähigkeit oder sonst etwas voraus.

Für wen ist Ihr Training denn gedacht?

Für jeden Menschen, der sich mit jemandem anderen vergleicht. Für den, der an sich zweifelt. Für jeden, der der Gehirnwäsche unterliegt, immer "mehr und besser und weiter" leisten zu müssen. Jeder, der glaubt er wäre zu dick, zu alt und zu cellulitig! Jeder Mensch, der meint, er müsse sich diesem Selbst-Optimierungs-Programm der Schönheits- und Leistungs-Industrie unterordnen. Jeder, der der Gehirnwäsche: "Du bist hässlich!" und "Du bist wertlos! Tu endlich was dagegen!" Glauben schenkt. Und natürlich Menschen, die in einer Krise stecken.

Das Thema Selbstwert spielt natürlich auch im Bereich „Beruf“ eine Rolle...

Natürlich. In einer Firma hat es tragische Auswirkungen, wenn viele Menschen mit niedrigem Selbstwert sitzen. Dann geht sehr viel Energie auf Nebenschauplätzen verloren – etwa Konkurrenzkampf, Infos-Weitergeben-Mobbing, keine Wertschätzungszone, gegenseitiges Runtermach-Terrain, keine Eigeninitiative, fehlender Mut für Neues.

Sie sprechen davon, Menschen zu einem „Rufzeichen“ zu machen. Wie soll das gehen? 

Fehr.jpg Foto: privat Bei jedem Schauspieler ist das wichtigste der Subtext. Das wissen viele nicht. Die meisten Menschen glauben, das Schwierige beim Schauspielern sei es, den Text auswendig zu lernen. Was man daraus für sich lernen könnte?  Ein guter Schauspieler klärt bei jedem "fremden" Wort des Textes, seinen "persönlichen"Gedanken darunter. D.h. wenn ich als Schauspielerin"Ich liebe dich!" sagen muss, muss ich mir im Vorfeld als Subtext erarbeiten, an wen ich denke, wen ich rieche,  was mich an dem anderen anturnt...  Wenn ich auf der Bühne bin, muss ich an all diese Sachen denken, damit das richtige Gefühl für den fremden Text kommt. Wenn dieser Subtext gut ist, sind die Gefühle gut und der Schauspieler wird als "guter Schauspieler" gefeiert. Auf den Selbstwert umgelegt: Wenn Ihr Subtext, also Ihren Gedanken ident werden mit Ihren Worten, die Sie laut aussprechen, werden Sie authentisch und zum Rufzeichen.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Nehmen wir einen Mann, der eine Frau anspricht. Wenn er denkt "Hoffentlich schickt sie mich nicht wieder weg!" dann steht vor dieser Frau ein Mann, der zwar sagt: "Ich würde dich sehr gerne kennen lernen". Sie spürt aber, dass das, was er sagt, nicht übereinstimmt mit dem, was von innen herüberkommt. Sie spürt seine Zweifel unterbewusst und sagt ab. Ohne genau zu wissen, was hier nicht stimmt... Sagt ein Mann aber das, was er denkt, dann kommt er eher als Rufzeichen rüber, weil der Subtext und das, was er gesagt hat, authentisch waren. In dem Fall: "Ich bin jetzt total unsicher, Sie anzusprechen, weil ich Angst habe einen Korb zu bekommen... aber ich habe meinen ganzen Mut zusammen genommen: wollen Sie sich von mir einmal zum Essen einladen lassen?" 

Und das soll im Job funktionieren - etwa bei einem Bewerbungsgespräch?

Da ist es etwas anders. Das bedeutet nicht, dass Sie sagen sollen: "Es tut mir leid, ich weiß nicht, ob ich die Richtige bin!"  Dort muss der Bewerber so lange an sich selbst arbeiten, bis seine Gedanken über sich selbst ein Rufzeichen sind. Oder er muss lernen zumindest wenigstens für eine Stunde so von sich zu denken. Wie ein Schauspieler. Der tötet ja auch nicht. Der schlüpft in die Gedanken eines Mörders hinein, für eine Stunde, solange das Theaterstück eben dauert. Das Geniale ist: In dem Moment, wo man "das Richtige" denkt, folgt die Körperhaltung automatisch – und die Ausstrahlung sowie die Stimme.

Lesen Sie morgen auf kurier.at: 10 Tipps für einen besseren Selbstwert.

(Kurier) Erstellt am
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