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Leben
02/04/2019

Hält frühes Aufstehen die Psyche gesund?

Eine großangelegte Erhebung legt nahe, dass Frühaufsteher seltener an Depressionen erkranken.

Die innere Uhr tickt nicht bei jedem gleich. Denn: Ob man Frühaufsteher oder Nachteule ist, liegt in den Genen. Das wurde wissenschaftlich bereits hinlänglich bewiesen.

Dass an der Steuerung der inneren Uhr mehr Gene als bisher gedacht beteiligt sind, haben nun Forscher belegen können. Demnach beeinflussen weitaus mehr als die bisher identifizierten 24 DNA-Abschnitte die natürliche Präferenz.

351 genetische Faktoren

"Anhand der Daten von 700.000 Individuen haben wir 351 genetische Faktoren gefunden, die beeinflussen, ob man den Morgen oder den Abend bevorzugt", erklärt Michael Weedon, Professor an der University of Exeter und Autor der neuen Erhebung, die am Dienstag im Fachblatt Nature Communications veröffentlicht wurde. "Diese Gene beeinflussen, wann die Menschen schlafen und wann sie aufwachen", betont er im Interview mit CNN.

Das internationale Wissenschaftskollegium rund um Weedon verglich die DNA von Menschen, die sich als Nachteulen definieren, mit der Erbinformation von Personen, die sich als Frühaufsteher sehen. Auch die Gene von Normaltypen, die sich keiner Kategorie zuordnen, wurden analysiert. "Als Frühaufsteher oder Nachteule verspürt man einen starken Drang, entweder morgens oder abends aktiv zu sein", weiß Weedon. Allerdings würden die meisten Menschen keine derart stark ausgeprägte Präferenz besitzen: "Die meisten Menschen liegen alle irgendwo entlang einer Glockenkurvenverteilung der natürlichen Neigung."

Die von den Wissenschaftern identifizierten DNA-Abschnitte umfassten nicht nur Gene, die die innere Uhr direkt beeinflussen. Auch genetische Faktoren, die auf das Gehirn oder die Netzhaut wirken, wurden hervorgehoben. Letzte könnten erklären, warum Morgenmenschen früher aufwachen: ""Die Gene könnten die Augen so beeinflussen, dass sie Lichtquellen besser wahrnehmen und ihre innere Uhr besser anpassen können", mutmaßt Weedon.

Glückliche Morgenmenschen?

Die neu identifizierten Gene könnten jedoch mehr als nur den Schlafzyklus beeinflussen.

Morgenmenschen könnten demnach psychisch gesünder sein als Nachteulen, erklärt Weedon. Er und seine Kollegen verglichen die 351 identifizierten genetischen Faktoren mit Genen, von denen bekannt ist, dass sie psychischen Erkrankungen zugrunde liegen. Dabei konnte ein Zusammenhang zwischen frühem Aufwachsen und subjektivem Wohlbefinden sowie einem verminderten Risiko für Schizophrenie und Depressionen festgestellt werden. "Man könnte spekulieren, dass Morgenmenschen schlicht besser auf unsere 9-to-5-Gesellschaft ausgerichtet sind", sagte Weedon.

Doch auch Nachtschwärmer dürfen sich freuen: In der Genanalyse zeigte sich kein ausgeprägter Zusammenhang zwischen später Bettruhe und der Entwicklung von Diabetes oder Fettleibigkeit.

Lebensstil vs. innere Uhr

Was bedeutet es nun, wenn der eigene Lebensstil mit dem präferierten Schlaf-Wach-Rhythmus in Konflikt steht? Ist man genetisch auf frühes Aufstehen programmiert, könnte man gesundheitlich schlechter ausstiegen, wenn man regelmäßig lange wach ist, betonen die Forscher. Selbiges gilt für Nachtmenschen, die täglich besonders früh in den Tag starten müssen.

Langfristig können die neuen Erkenntnisse jedenfalls in Behandlungsmöglichkeiten für Erkrankungen münden, die durch eine Störung der inneren Uhr hervorgerufen werden.

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