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Wissen
09/19/2018

Wie uns die innere Uhr beeinflusst

Sieben wichtige Fragen und neues Wissen zur Chronobiologie.

von Gabriele Kuhn

Bereits im Jahr 2019 könnte es nur mehr Sommerzeit geben. Chronobiologen sind überzeugt, dass ein „Takt“ gesünder ist, die Frage ist nur: welcher? Der deutsche Experte Till Roenneberg prognostiziert bei permanenter Sommerzeit ein Dauer-Schlafdefizit, die Winterzeit sei gesünder ( der KURIER berichtete). Die innere Uhr des Menschen ist ein System, das hochsensibel reagiert.

Welche Rolle spielt Licht?

Licht ist der Taktgeber bei der Steuerung der circadianen Rhythmen. Ist der Mensch zur falschen Zeit dem Licht ausgesetzt, kann das den Organismus aus dem Takt bringen, siehe Jetlag. Eine wichtige Rolle spielt künstliches Licht, vor allem das blaue Licht digitaler Geräte (Smartphone, Computer) irritiert die innere Uhr und bringt den Stoffwechsel durcheinander. Weil es dem Körper signalisiert, dass es Tag sei. Das ist vor allem abends ein Problem.

Kann die Zeitumstellung krank machen?

Die innere Uhr orientiert sich nicht am Uhrzeiger, sondern am Tageslicht. Auf Basis großer Analysen und Studien kommen Forscher zu dem Schluss, dass sich die Zeitumstellung sehr wohl auf den Körper auswirkt. Vor allem Menschen, die bereits krank sind, können darunter leiden.

Wie wirkt die innere Uhr auf die Stimmung?

Wer seine innere Uhr konstant ignoriert, riskiert psychische Probleme von der Depression bis zur bipolaren Störung. Die Neuropsychologin Laura Lyall, Uni Glasgow, veröffentlichte ein Untersuchung im Journal The Lancet Psychiatry, für die die Daten von mehr als 91.000 Briten ausgewertet wurden. Das Ergebnis: Verstimmungen sowie Psychosen kamen häufiger bei Studienteilnehmern vor, die gegen ihren Biorhythmus lebten.

Macht Schlafmangel dick?

Wenig Schlaf trägt zu Veränderungen im Energiestoffwechsel bei, die auf Dauer zu Übergewicht oder Diabetes Typ 2 führen können. Bereits fünf Nächte mit nur vier Stunden Schlaf wirken sich in puncto Gewicht negativ aus.

Ist die innere Uhr messbar?

Derzeit wird weltweit daran gearbeitet, die „Innenzeit“ zu messen. Ein Team der Berliner Charité hat Biomarker im Blut identifiziert, die für die innere Uhr charakteristisch sind. Die Biomarker einer Blutprobe können einen Spättyp von einem Frühtyp unterscheiden, wenn der Mensch entgegen seinem biologischen Rhythmus früh geweckt wird. In Folgestudien soll die Wirksamkeit einer personalisierten Chronotherapie erforscht werden, heißt: Die Therapie wird auf die individuelle Innenzeit der Patienten abgestimmt, mit dem Ziel, Nebenwirkungen zu mini- und Wirkung zu optimieren. Auch an der Northwestern University wurde ein Bluttest entwickelt. „TimeSignature“ kann präzise feststellen, wo die innere körperliche Uhr im Vergleich zum äußeren Takt steht.

Was hat die innere Uhr damit zu tun, was Menschen in Social Media posten?

Forscher der Universität Bristol haben sieben Milliarden Worte aus über 800 Millionen Twitter-Nachrichten analysiert. Zwischen fünf und sechs Uhr morgens ist jener Anteil an Worten am höchsten, die mit logischem Denken, Intelligenz und Bildung in Verbindung stehen. Sprachliche Indikatoren für Leistung und Macht spielen um diese Zeit eine größere Rolle. Abends und nachts wird der Sprachstil emotionaler, impulsiver, sozialer. Zwischen drei und vier Uhr werden die meisten existenziellen Gedanken und die wenigsten positiven Emotionen formuliert. Die Sprache verändert sich im Tageszyklus, und die innere Uhr des Menschen spielt dabei eine Rolle.

Sollte die Schule wirklich später beginnen?

Viele Chronobiologen sprechen sich auf Basis diverser Studien für einen späteren Schulbeginn aus. Bereits ein um 45 Minuten späterer Start macht Schüler zufriedener und ausgeschlafener, heißt es in einer Untersuchung der Duke Medical School, die im Journal Sleep veröffentlicht wurde. Der frühe Schulbeginn ist für Pubertierende ein Problem, deren Chronobiologie eben anders „tickt“.

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