Leben
15.07.2016

So widersteht Amsterdam dem Pokémon-Hype

Pokémon Go hat uns fest im Griff. In den Niederlanden hat sich nun gewissermaßen eine Gegeninitiative zum Mobile Game formiert.

Pikachu, Pummeluff oder Bisasam: Vom Revival der Pokémon-Fantasiewesen bleibt derzeit niemand verschont. Was 1996 mit einem Sammelkartenspiel begann, hat nun mit Pokémon Go neue Dimensionen erreicht. Und das funktioniert. Das Spiel, das als Location-based Game eine erweiterte Realität als Spielumgebung nutzt und derzeit in Vereinigten Staaten, Australien, Neuseeland und Deutschland verfügbar ist, zählt aktuell zu den beliebtesten Apps überhaupt. Neben dem Hype hat sich in den vergangenen Wochen jedoch auch einen breite Kritikerfront erhoben. Der Tenor: Das Spiel sei gefährlich (in Texas wurde ein Auffahrunfall in Zusammenhang mit dem Spiel gebracht), nehme respektlose Formen an (die Nutzung des Spiels in einigen US-Gedenkstätten löste Verärgerung aus) und sorge vielerorts schlichtweg für Chaos.

Sticker vs. Pokémons

Eine niederländische Initiative hat diese kritische Haltung in die wohl schönste Form gegossen und ein Sticker-Spiel erfunden, das wieder Lust auf die Realität macht. "GVBeestje", so der Name des Spiels, wurde von der niederländischen Kreativagentur Headmade ins Leben gerufen.

Mit kleinen hellblauen Sticker-Kreaturen, die derzeit in Amsterdamer Straßenbahnen an den Fenstern kleben, soll der Alltag erlebbarer und die täglichen Fahrtwege der Menschen so ein Stück weit bunter gemacht werden. "Als Pendler fährt man jeden Tag dieselbe Route. Die Lust aus dem Fenster zu schauen vergeht da naturgemäß, weil die Neugier auf das, was draußen passiert irgendwann versiegt. Ich wollte diese Routine der Menschen ändern. Wir können zwar nicht die Straßenbahnroute ändern, aber wir können dem Erlebnis im Wagon etwas hinzufügen und das Alte neu erscheinen lassen", so Daniel Disselkoen, Leiter von Headmade und Initiator des Projekts, gegenüber dem KURIER. "Ich mag kleine Projekte, die eine große Wirkung auf das alltägliche Erleben der Menschen haben", so Disselkoen weiter.

Zusammen mit Anleitungen, die ebenfalls in den Öffis installiert wurden, kann jedermann an dem Spiel teilhaben und mit den eigenen Augen Passanten "fressen". Disselkoen zufolge sei GVBeestje zwar keine direkte Reaktion auf Pokémon Go, "in entgegengesetzter Analogie zu Pokémon Go nennen wir GVBeestje das 'am wenigsten technisierte Spiel mit erweiterter Realität aller Zeiten'".

GVBeestje (ENG) from Daniel Disselkoen on Vimeo.

Realisiert wurde das Projekt in Kooperation mit dem städtischen Straßenbahn- und Busnetz der niederländischen Hauptstadt Amsterdam (GVB). Dabei ergab sich der Name "GVBeestje" für das Spiel, eine Kombination aus dem Kürzel "GVB" und dem niederländischen Wort "Beestje", das übersetzt Biest oder Kreatur bedeutet.