Leben
19.06.2018

Großbritannien will Fotografieren unter Frauenröcke verbieten

Symbolbild © Bild: Getty Images/iStockphoto/Elitsa Deykova/iStockphoto

In Großbritannien soll "Upskirting" mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.

Wenn Männer fremden Frauen heimlich unter die Röcke fotografieren, bezeichnet man das als Upskirting. Sucht man nach diesem Begriff im Internet, stößt man auf unzählige solcher Aufnahmen – unter anderem auf Porno-Plattformen und in Foren. In Letzteren unterhalten sich Männer auch nicht selten darüber, wie Bilder dieser Art am besten gelingen können, sei es auf der Rolltreppe oder im Park.

"Abscheuliche Verletzung der Privatsphäre"

Dieser massive Einschnitt in die Privatsphäre von Mädchen und Frauen soll in England und Wales künftig strafbar sein. Das bestätigte Lucy Frazer aus dem britischen Justizministerium gegenüber dem Guardian. Besonders ernste Fälle sollen sogar mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden. "Dieses Verhalten ist eine abscheuliche Verletzung der Privatsphäre, die Betroffenen fühlen sich erniedrigt und verzweifelt", wird sie zitiert. "Indem wir eine bestimmte Straftat daraus machen, senden wir eine klare Botschaft, dass dieses Verhalten nicht toleriert wird und dass die Täter angemessen bestraft werden." Derzeit werden derartige Fälle im Rahmen von Sitten- und Voyeurismusgesetzen verfolgt. Mit einem neuen Gesetz könnte Verurteilten auch eine Eintragung ins britische Triebtäter-Register drohen. 

Am Freitag war im Unterhaus der Gesetzesvorschlag vorerst blockiert worden, weil er durch Widerspruch eines Abgeordneten aufgehalten wurde. Das war möglich, weil nur eine einzelne Parlamentarierin den Vorschlag eingebracht hatte. Premierministerin Theresa May hatte sich im Kurzbotschaftendienst Twitter "enttäuscht" gezeigt. Ihr Sprecher sagte nun, die Regierung werde selbst einen Gesetzesvorschlag dazu einbringen. Dieses Vorgehen macht es schwieriger, das Gesetz zu blockieren.

Über 100.000 Unterschriften

Anstoß für die Diskussion des Themas ist die Kampagne der jungen Britin Gina Martin. Dieser fotografierte ein Mann während eines Musikfestivals unter den Rock. Sie entriss ihm sein Handy und bat die Polizei um Hilfe. Diese sah in dem Foto aber keine Straftat, die Ermittlungen wurden eingestellt. Martin startete daraufhin eine Online-Kampagne, um ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung zu setzen. Diese wurde bislang über 100.000 Mal unterzeichnet.

"Nachdem ich selbst zum Ziel geworden war, habe ich vor fast einem Jahr meine Kampagne gestartet, um upskirting zu einer Sexualstraftat zu machen. Und nun ist das Ergebnis von all dieser harten Arbeit, dass Frauen und Mädchen, die eine Gesetzesänderung brauchen, von den Machthabern gehört werden."

Der Begriff "Upskirting" wurde erst kürzlich in die neuste Ausgabe des Oxford English Dictionary hinzugefügt. Um der sich wandelnden Sprache Genüge zu tun, gibt dieses vierteljährlich neue Editionen seiner Wortsammlung heraus. Im aktuellsten Update wurden 900 neue Wörter hinzugefügt (mehr dazu hier).