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Leben Gesellschaft

Cathy Hummels: Wie schick darf eine Depression sein?

Cathy Hummels erntet für die Werbung eines Luxus-Retreats gegen Depressionen viel Kritik. Was ein Experte dazu sagt.

von Christina Michlits

11/15/2022, 01:14 PM

In einer Luxusvilla in Griechenland wollten deutsche Influencer ihre Angststörungen und Depressionen behandeln.

Werbung dafür machte unter anderem die Organisatorin Cathy Hummels - Instagram-Star und selbst eine Betroffene. Auf Social Media erzählte sie von ihrem "Sun & Soul Retreat", zeigte mit ihren Mitstreiterinnen pantomimisch Alkoholsucht und Essstörung auf und meinte unter einem Werbebild: "Wie bekommt man Farbe in sein trübseliges Gedankenkarussell? Ein Faktor, der helfen kann, ist Licht. Sonne. Let's shine."

Ein derart schwieriges Thema mit einfach gestrickten Videos und Tipps zu begegnen, sorgte jedoch für viel Kritik.

Mit der Krankheit Produkte bewerben

Sogar die  Deutsche Depressionsliga meldete sich nach den Postings unter dem Titel "Depression ist kein Marketinginstrument" zu Wort.

Nicht nur Instagram-Kommentare fielen negativ aus, auch die Zeit widmete der Aktion einen Kommentar, in dem kritisiert wird, dass die Influencerin mit der Krankheit Geld verdient.

Kameras waren dabei

Die Gruppe um Hummels, Sophia Thiel und Natalia Klitschko ließ sich bei dem Mental Health Retreat tatsächlich von RTL-Kameras äußerst schick beim Sport und Yoga begleiten, Sponsoring-Produkte wie Soja-Milch, Mixer und Nagellack waren gut platziert.

Martin Aigner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, findet es grundsätzlich gut, wenn mit dem Thema offen umgegangen wird. "In vorigen Generationen war es eine Schande psychisch krank zu sein. Man fühlt sich bis heute oft minder, wenn man an einer psychischen Störung leidet. Daher ist es an sich gut, dieser Problematik offen zu begegnen und darüber zu sprechen."

"Weit weg von der Realität"

Dass der Seelenstriptease im Luxushotel für den Durchschnittsbürger, der an einer Depression leidet, in eine andere Richtung gehen kann, sieht auch der Experte: "Das ist für viele weit weg von der Realität. Man muss vor allem auch bezüglich Schweregrad der Erkrankung differenzieren."

Wer unter schweren Depressionen leidet, könne nicht mehr arbeiten und auch nicht auf Urlaub fahren, so Aigner. Eine psychische Erkrankung gehöre sehr ernst genommen.

Die Depressionsliga kritisiert an der medialen Mental Health Aktion zudem die Vermarktung: "Sehr heikel wird es, wenn sie augenscheinlich als Werbemittel eingesetzt wird, um (eigene) Produkte zu vermarkten".

Gleich in Grund und Boden schrieb die Süddeutsche Zeitung das Event und Hummels Absichten: "Das dreiste Rhodos-Event war nur das Extrem dessen, was auf Social Media täglich abgeht, nämlich die Monetarisierung persönlichen Leids. Mal kommt das Salär direkt vom Mixerhersteller, mal mündet die Krankenpflege der eigenen Identität in einen Buchvertrag."

Entschuldigung

Die viel kritisierte Influencerin entschuldigte sich mittlerweile für Aussagen und hat ein Video wieder gelöscht. "Eine Verharmlosung der Depression war in keiner Weise meine Absicht. Auch nicht, dass der Eindruck entsteht, ich würde die Erkrankung für Werbezwecke nutzen." Sie wollte nur Aufmerksamkeit schaffen, da sie als Jugendliche selbst unter schweren Depressionen  gelitten hatte, so Hummels.

Unterstützung: "Frauenverachtend"

Im Shitstorm gegen Cathy Hummels  stehen der RTL2-Moderatorin aber auch genügend Menschen zur Seite. Die Teilnehmer an dem Event wie Model Kim Hnizdo beispielsweise oder auch die Podcasterin Jule Lobo, die meint, dass die Kritik der Süddeutschen Zeitung gegenüber Hummels "frauenverachtend" und "einfältig" sei.

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