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Leben Gesellschaft
02/28/2022

Tiercoach: Warum das Rolling Skin Syndrom schwierig zu diagnostizieren ist

Es gibt noch viel offene Fragen zu dem Nervenleid, das als Form von Epilepsie gilt. Der Experte ist gefragt, nicht Dr. Google.

von Hedwig Derka

Bei manchen zuckt nur das Fell am RĂŒcken, andere Ă€ndern plötzlich ihr Verhalten. Sie putzen sich wie verrĂŒckt oder springen wild auf und laufen davon oder beißen sich in den Schwanz. So wenig ĂŒber die Ursachen des „Rolling Skin Syndroms“ bekannt ist, so unterschiedlich können die Symptome sein.

Seltener Befund

„Das ,Feline HyperĂ€sthesie Syndrom‘ ist eine sehr seltene neurologische Erkrankung der Katze. Sie wird derzeit zu den speziellen Formen von Epilepsie gezĂ€hlt“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach weiß, dass Recherchen im Internet ĂŒber irritierendes Verhalten der Katze oft diesen Befund ergeben. TatsĂ€chlich hat Dr. Google nur in AusnahmefĂ€llen damit Recht.

Ausschlussverfahren

„Es ist sehr schwierig, die richtige Diagnose zu stellen“, sagt Reitl. Der Tierarzt muss durch verschiedene Untersuchungen alle anderen gesundheitlichen Probleme ausschließen. ZunĂ€chst ist eine vollstĂ€ndige klinische Anamnese notwendig. Schließlich könnten auch einfach nur Parasiten wie Flöhe oder Haarlinge bzw. eine Allergie fĂŒr den Juckreiz verantwortlich sein. Ebenso mĂŒssen die Blutwerte erhoben werden, um z. B. LeberschĂ€den oder Elektrolyt-Verschiebungen zu entdecken. Mittels Röntgen können schmerzhafte Arthrosen an der LendenwirbelsĂ€ule oder in den HĂŒftgelenken sichtbar gemacht werden. Nicht zuletzt zeigen eine Magnetresonanztomographie oder eine Liquoruntersuchung, ob Erkrankungen des Gehirns fĂŒr die Symptome verantwortlich sind.

Kein Rat im Internet

„Erst wenn nichts anderes als Ursache fĂŒr das Jucken, Zucken, Schlecken und Wegspringen ĂŒbrig bleibt, stellt der VeterinĂ€rmediziner die Diagnose ,Rolling Skin Syndrom‘“, sagt die TierĂ€rztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn und appelliert an Laien, nicht vorschnell an der eigenen Befundung festhalten zu wollen. Kummerecken und Seiten im World Wide Web sind gerade in Zusammenhang mit seltenen Krankheiten schlechte Berater.

Behandlung je nach Symptom

TatsĂ€chlich sind noch viele Fragen um die „Hautroll-Krankheit“ offen; an den Auslösern fĂŒr das Nervenleiden wird geforscht. Dem entsprechend schwierig ist die Behandlung. Sie muss sich nach den Symptomen richten. CBD-Produkte auf Hanfbasis oder Muttermilchproteine etwa wirken beruhigend. Auch andere Stressfaktoren in der nĂ€heren Umgebung des Vierbeiners mĂŒssen beseitigt werden. Eventuell mĂŒssen Anti-Epileptika verabreicht werden. Schmerzmittel tragen bei Arthrose bedingter Ursache zum Wohlbefinden des Patienten bei. Mittlerweile gibt es die Monatsspritze, die Magen schonend Schmerzrezeptoren blockiert, auch fĂŒr Katzen. In Fall einer Allergie erzielen DiĂ€ten gute Erfolge.

Falsche Therapie schÀdigt Gesundheit

Der KURIER-Tiercoach schließt: „Wichtig ist, die richtige Diagnose zu stellen und nicht ins Blaue zu therapieren.“ Denn mit falscher Behandlung könnte mehr Schaden angerichtet als geholfen werden.

Probleme mit der Katze, Sorgen um den Hund, Fragen  zu Sittich, Schildkröte & Co? Schreiben Sie an: tiercoach@kurier.at

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