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Sex in der Freizeit
05/05/2022

Figging: Von Ingwer beim Sex und anderen kuriosen Trends

Dauernd wird eine neue Sau durchs Netz getrieben – und als „angesagt“ verkauft. Wie aktuell „Figging“, mit Ingwer als Sextoy.

von Gabriele Kuhn

Unlängst, in der Gemüseabteilung des nahen Supermarkts: Zwei Frauen wollen Ingwer kaufen, eine davon bin ich. Aber, oje, keiner da. Die Nachfrage bei dem netten Herrn, der gerade Schlagoberspackerln ins Milchregal schlichtet: Jo leider, der is gerade aus, morgen wieder! Aja. Ich bringe das selbstverständlich mit dem erhöhten Ingwer-Bedarf an kühlen Tagen in Zusammenhang und einem allfälligen Ingwer-Globalisierungs-Lieferproblem. Auch ich tu mir, wie so viele andere in der kühleren Jahreszeit, regelmäßig Ingwer in heißes Wasser – weil er mich innerlich wärmt. Und weil der Ayurvedaexperte meines Vertrauens meinte, das sei gut für mich, die Dame mit den kalten Füßen. Einige Tage später blättere ich im Internetz und lese das da: „Figging. Der neue, heiße Trend: Sex mit Ingwer.“ Ich erfahre, dass es dabei um eine Form des „Befeuerns“ geht und die Sexualpraktik eine Spielart aus dem BDSM-Bereich ist. Ein Spiel mit Lust und Schmerz also, den der scharfe Ingwer auslöst. Weil, klar: Wenn so ein geschältes Knöllchen auf genitale Schleimhaut trifft, pritzelt’s ziemlich. So weit so schön – aber Trend? Naja, dazu später.

Im Wok oder im Bett?

Mein Hirn tendiert in solchen Fällen zum mehr oder weniger ausführlichen Kopf-Kino. In diesem Fall sah ich im Geiste in der Sekunde ein sexuell dramatisch engagiertes Paar vor mir, das sich gegenseitig handgeschnitzte und geschälte Ingwer-Plugs irgendwo reinschiebt. Und schon geht die Post im Gemüse-Fach ab. Man schwitzt, man stöhnt und ist von der tollen Knolle seltsam berührt. So wäre es dann auch logisch, dass sie ihm für den nächsten Einkauf im Supermarkt nicht nur Butter, Brot und Käse auf die Liste schreibt, sondern ein wichtiges P.S.: „Und, Schatz, den Ingwer nicht vergessen – extraviel, zwinkerzwinker*.“ Irgendwie blöd, weil ich mich seither bei jeder Person, die Ingwer in den Einkaufskorb tut, frage, ob sie das gute Stück abends in irgendwen schieben oder ob sie es doch nur, fein gehackt, im Wok anbraten wird.

An dieser Stelle daher eine kurze Betrachtung des Medienphänomens „Sex-Trend“. Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht daran, dass die „Bums mit Ingwer“-Spielart wie eine gigantische Erotik-Modewelle unaufhaltsam und mächtig durch die heimischen Schlafzimmer rollt. Vielmehr vermute ich, dass da irgendwo ein Mensch in einer Online-Redaktion saß, und sich sein Hirn zermarterte, mit welcher Story er endlich einmal „Mitarbeiter des Monats“ werden könnte. Vermutlich ist diese Person auf einen Wikipedia-Eintrag zum Thema gestoßen und war sich sicher: Wow, da geht was! Weil er das da las: In kleiner Dosis und einmal aufgetragen, wirkt Ingwersaft in den meisten Fällen orgasmusfördernd. „Na dann!“, wird er sich wohl gedacht haben, um nun daraus mutig einen neuen „Sex-Trend“ zu kreieren. Zumal DIY tatsächlich angesagt ist: Warum teures Zeugs kaufen, wenn man sich sein S/M-Toy im Do-it-yourself-Verfahren selbst schnitzen kann? Aber hallo! Umso mehr muss an dieser Stelle Folgendes gesagt werden: Sorgen Sie sich nicht, wenn Sie noch nie Lust verspürt haben, mit Ingwer zu experimentieren oder noch nie auf die Idee gekommen sind, eine Chilischote ins Vorspiel einzubauen. Es ist total okay, wenn weder Gurken, Bananen oder Karotten in Ihrer sexuellen Biografie eine Rolle spielten und Sie Ihren Pudding lieber nach dem Hauptgang vom Löffel schlecken, statt liegend zwischen den Beinen der Liebsten. Wie bei so vielen Dingen im Leben gilt auch beim Sex: Tun Sie immer nur das, was Sie tun wollen und nicht, was andere sagen, dass Sie – Achtung, Trend! – tun sollen.

Nicht nur Eltern, sondern  auch Lehrer sind gefordert, professionell mit dem Thema Sexualität  umzugehen. Es geht  auch in der Schule immer wieder um Fragen von Nähe und Distanz, Körpernormen,  Intimität,  Begehren und Beziehung. Dazu steht nun der neue Band  „Sexualität, Körperlichkeit und Intimität“ (M. Thuswald, E. Sattler) zum kostenlosen Download zur Verfügung: transcript-verlag.de

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