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Leben Gesellschaft

Blues nach Avatarfilm: Ein Syndrom geht um die Welt

Immer mehr junge Menschen, die den Avatar-Film gesehen haben, berichten, dass ihnen zum Heulen zumute ist.

01/19/2023, 03:59 PM

Es ist ein Ph√§nomen, dass weltweit beobachtet wird. Es ist so verbreitet, dass es der Begriff in das Online-W√∂rterbuch Urban Dictionary geschafft, das englische Slangbegriffe auflistet: das Post-Avatar-Depressions-Syndrom, kurz PADS. Es bef√§llt Menschen, nachdem sie den Film Avatar gesehen haben. Bereits 2010 haben Kinobesucher dar√ľber berichtet - damals lief der erste Film. Jetzt ist der zweite Teil angelaufen - und wieder ist vielen Zuschauern danach zum Heulen zumute.

Keine anerkannte Erkrankung

Auch wenn viele √ľber diese Gef√ľhle berichten, ist PADS doch keine medizinisch anerkannte Erkrankung - es ist n√§mlich keine klinisch anerkannte Depression, sondern eher eine kurze depressive Verstimmung. Bei einer klinischen depressiven Erkrankung m√ľssten schwerwiegende Symptome vorliegen, die mindestens zwei Wochen lang anhalten. Dazu z√§hlen Schuldgef√ľhle, Selbstabwertung und Suizidgedanken. Au√üerdem leiden Menschen, bei denen eine Depression diagnostiziert wurde, oft zudem an verminderter Aufmerksamkeit oder Schlafst√∂rungen. Hei√üt: Nicht jeder, der einmal down ist, ist auch gleich depressiv.

Das echte Leben

Warum aber sind einige nach dem Film so traurig? Der US-amerikanische Psychiater Stephan Quentzel erkl√§rt das auf CNN so: "Das echte Leben kann nicht so utopisch aussehen, wie es auf der Leinwand abgebildet wird". Bei Avatar sei schlie√ülich das Beste aus der Technologie herausgeholt worden. 

Daher ist es durchaus vorstellbar, dass manche vom Dschungel mit den bunten Pflanzen und putzigen Tieren sowie der schillernden Unterwasserwelt √ľberw√§ltigt sind. Der Anblick der Realit√§t k√∂nnte sie anschlie√üend deprimieren. Der Film ist einer der aufwendigsten und teuersten aller Zeiten. Die Produktion soll 350 bis 400 Millionen US-Dollar gekostet haben.

M√∂glich sei auch ein Zusammenhang mit einer Klimaangst. Wer sich um die Umwelt sorge, sei eher empf√§nglich f√ľr solche Gef√ľhle. Denn verst√§ndlicherweise machen sich gerade junge Menschen zunehmend Sorgen um die Natur. 

Das hilft gegen PADS

Doch was k√∂nnen Betroffene gegen die Niedergeschlagenheit tun? Die Psychologin Susanne Spie√ü meint in auf Welt.de, dass Betroffene zun√§chst ihre Gef√ľhle hinterfragen sollten: Haben sie etwa Sehnsucht nach Idylle und wollen mehr Zeit in der Natur verbringen, oder w√ľnschen sie sich Ruhe? Auch Engagement sei denkbar. ‚ÄěImmer wenn wir aus der Hilflosigkeit in die konstruktive Aktivit√§t kommen, geht es uns besser.‚Äú

Die kanadische gemeinn√ľtzige Organisation Ancient Forest Alliance macht Betroffenen ein Angebot: Die NGO setzt sich f√ľr den Schutz der W√§lder ein und hat einen Drei-Stufen-Plan gegen PADS entwickelt: Betroffene sollten die Natur erleben, Ma√ünahmen zu dessen Schutz ergreifen und auch andere dazu bringen, dies zu tun. Zudem kann der Austausch mit anderen helfen. So haben einige Fans in den Foren ihre Tipps geteilt, um sich mehr mit der Umwelt zu besch√§ftigen und den Konsum zu reduzieren. 

Das Post-Avatar-Depressions-Syndrom ist mit dem zweiten Film nicht vorbei. Ende 2024 soll der dritte Film √ľber die fantastischen Welten von Pandora in die Kinos kommen.

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