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Weihnachtsstress
12/11/2021

Diese Geschenke bringen Kinderaugen länger zum Leuchten

Warum die Wunschliste nicht komplett erfüllt werden sollte und Computerspiele auch okay sein können.

von Laila Docekal

Das Management von Wunschzetteln erfordert von Eltern Höchstleistungen: Immerhin wollen Omas, Opas, Tanten und Onkel, sowie sonstige Angehörige wissen, womit sie die Kinderaugen zum Leuchten bringen können. Die Spielzeugindustrie hilft fleißig mit und verteilt Prospekte, in denen die Kleinen nur ankreuzen müssen, was sie haben wollen.

Nicht selten führt das dazu, dass Kinderzimmer heute so vollgeräumt sind wie Spielzeugläden. „Glücklich macht das nicht – schon gar nicht auf Dauer“, erklärt die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Anita Mold. „Jedes Mal, wenn das Kind im Kinderzimmer steht, ist es überfordert und irgendwann verliert es das Interesse.“ Kinder hätten meist viele Spielsachen, aber oft haben sie mit den kleinsten Dingen die größte Freude.

Grenzen setzen

Mold betont, dass es beim Schenken zwei Seiten gibt – die gebende und die nehmende. „Aus Erwachsenensicht macht es uns glücklich, wenn wir dem Kind etwas geben. Man sieht leuchtende Kinderaugen, bekommt ein Bussi und ist maximal befriedigt.“ Auf der anderen Seite seien Kinder aber nicht in der Lage, dieses Ausmaß an Reizen zu verarbeiten. „Hier gibt es definitiv ein Zuviel.“

Gerade zu Weihnachten soll Kindern doch jeder Wunsch erfüllt werden, würden viele wohl meinen – dem widerspricht Mold vehement: „Es ist unsere Aufgabe als Eltern, Kindern Grenzen zu setzen. Wir müssen es aushalten, wenn sie traurig sind, weil wir es besser wissen, dass die Liste mit 20 Geschenken sie überfordern würde.“

Sie erlebt in ihrer Praxis immer wieder Eltern, die erstaunt sind, wie viel Verständnis ihre Kinder entwickeln können, wenn man die Zeit und Geduld aufbringt, ihnen Dinge zu erklären. „Es ist unsere Aufgabe, ihnen Grenzen zu zeigen, in denen sie sich sicher fühlen und nicht überfordert sind.“

Langeweile muss sein

Wichtig ist das vor allem für ihre Entwicklung: „Wir wollen doch Kinder, die eine Resilienz entwickeln können. Auch im Erwachsenenalter gibt es mal Frust und Tiefs – wenn ich das als Kind nicht lerne, geht das später nur schwer bis gar nicht.“

Deshalb ist es auch so wichtig, dass Kinder nicht ständig unterhalten werden oder Programm angeboten bekommen. „Die Langeweile der Kinder aushalten zu müssen, ist für Erwachsene oft ein schwieriges Gefühl. Aber ich muss doch lernen dürfen, mich selbst zu regulieren, mir selbst was einfallen zu lassen.“ Die Herausforderung als Erwachsener sei, sich zurückzulehnen und zu schauen, was passiert.

Mold erzählt von einem Experiment: Zwei Kindergruppen bekamen ein neues Spiel – der ersten Gruppe wurden die Regeln erklärt, der anderen nicht. Die erste Gruppe hielt sich genau an die Regeln und spielte das Spiel, ohne sich mehr dazu zu überlegen. Die zweite erkundete zunächst die verschiedenen Möglichkeiten und entwickelte schließlich ein eigenes Spiel daraus – die Kreativität wurde viel mehr herausgefordert.

Handy und Spiele

Apropos Kreativität und Langweile: Eltern sind oft frustriert, wenn die Kinder sich Handys und Computerspiele wünschen und dann wieder nur vor dem Bildschirm hängen. Laut der Psychotherapeutin ist das aber nicht das Schlechteste: „Es ist nicht immer verwerflich, wenn ein Kind am Handy sitzt. Da kann man so viel Soziales oder Strategisches lernen. Die Dosis macht das Gift.“ Mold rät, sich mit dem Kind vor den Bildschirm zu setzen, gemeinsam zu zocken und zu schauen, worum geht’s da. „Auch hier gibt’s Regeln, die man sich fürs Leben mitnehmen kann.“

Nicht zuletzt sind die schönsten Geschenke für Kinder Zeit, Aufmerksamkeit und Nähe. Sei es beim gemeinsamen Spielen am Brett oder vor dem Computer, bei einem gemeinsamen Hobby oder Erlebnissen. „Man kann nie zu viel Zeit schenken“, sagt Mold. Auch in der Erinnerung bleiben gemeinsame Momente viel besser hängen als das hundertste Geschenk.

Mal was Anderes

Im ersten Moment ist es vielleicht nur ein langweiliges Kuvert, aber spätestens kurz vor dem vereinbarten Termin, steigt die Aufregung ins Unermessliche. Und die gemeinsame Zeit schafft Bilder fürs Leben.

  • Aktiv Wie wäre es mit Reit- oder Tennisstunden, oder sogar mit einem gemeinsamen Kletterkurs? Der Alpenverein bietet zum Beispiel eigene Kurse für Familien an.
  • Veranstaltung Vom Peppa Pig Event bis zum Konzert der Lieblingsband, vom Zirkus bis zum Sportevent – zu einer besonderen Veranstaltung gehen zu dürfen, ist für jedes Kind ein unvergessliches Highlight. Popcorn und ein Erinnerungsstück vom Souvenir-Stand inklusive.
  • Jahreskarte Im nächstgelegenen Tiergarten gibt’s zu jeder Jahreszeit etwas Neues zu entdecken. Von Erlebnisparks wie Family Park (Bgld) oder Fantasia (Sbg) können Kinder meistens ohnehin nicht genug bekommen.  Tipp: Recht unbekannt ist noch das „Königreich der Eisenbahnen“, das im Vorjahr beim Wiener Praterstern eröffnet hat – die größte interaktive Eisenbahnmodellwelt Österreichs.
  • Zeitschrift Lesen kann man auch abseits des Bildschirms. Kinder lassen sich noch gut für Zeitschriften-Abos begeistern – viele bieten interaktive Inhalte. So gibt es etwa mit GEOlino ein tolles Wissensmagazin für Kinder.  Auch die Zeit hat ein spannendes Magazin für Kinder ab 8 Jahren entwickelt. Das Mitmach-Heft Benni bietet auch viele Experimente an und Tierfreund erklärt sich von selbst. Wer sich nicht sicher ist, was gefallen könnte, geht vorher am besten gemeinsam in den Zeitschriftenhandel.
  • Kultur Gemeinsam in die Kinderoper oder ins Theater? Zahlreiche Kulturanbieter haben Jugendabos und auch spezielle Vorstellungen für die Kleinen im Angebot. Je nach Interesse bieten auch Museen  vom Haus der Musik bis zum Zoom Kindermuseum besonderes Programm. In den Bundesmuseen ist der Eintritt für Kinder bis 19 Jahre übrigens gratis.
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