Olivenöl wird in eine Glasschüssel gegossen.

Das Geschäft mit dem Olivenöl

Die EU bemängelt die Kontrollen. Ein Bio-Produzent in Griechenland schildert, wo es beim grünen Gold hapert.

Der EU-Rechnungshof kritisierte kürzlich die Kontrollen bei Olivenöl. Auf Pestizide werde genau getestet, lobten die Prüfer. Aber vor allem bei gemischten Ölen und Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern werde nur lückenhaft geprüft, ob sie versprochene Qualitätsstandards erfüllen.

Felix Bläuel stellt mit seiner Firma Mani am griechischen Peloponnes vielfach ausgezeichnete Olivenöle in zweiter Generation her. Seine Eltern wanderten Ende der 1970er Jahre von Österreich nach Südgriechenland aus.

Ein älterer Mann erntet Oliven von einem Baum, während er auf einer Leiter steht.

Die Olivenernte 2025 fiel in Griechenland historisch schlecht aus.

©Antonia Berger

Warum Österreich trotzdem die "höchste Olivenölqualität am Markt" hat

Die EU-Kritik versteht er zum Teil, beruhigt aber: „Das Öl, das im österreichischen Einzelhandel landet, ist sehr gut. Es finden wirklich unglaublich viele Kontrollen statt. Allerdings muss man sagen, dass die vor allem vom Handel veranlasst werden. Sie finden zwar in Griechenland statt, aber nicht, weil das der Staat will, sondern weil Spar oder Billa es wollen.“ Die Folge: In Österreich, Deutschland und der Schweiz ist „wahrscheinlich die mit Abstand höchste Olivenölqualität am Markt zu finden“.

Die Top 5 Olivenöl-Produzenten:
(2024/25, Intl. Olive Council)

  1. Spanien, 1.290.000 t
  2. Türkei, 450.000 t
  3. Tunesien, 340.000 t
  4. Griechenland, 250.000 t
  5. Italien, 224.000 t

In Österreich wurden 2024/25 9.800 Tonnen Olivenöl verbraucht.

8 Kilo Koroneiki-Olivenbraucht man im Schnitt pro Liter extra nativem Olivenöl. Die in Griechenland heimische Olive ist vergleichsweise klein, eignet sich jedoch hervorragend für die Öl-Produktion. 

Etikettenschwindel

Das war nicht immer so, sagt er. In mehreren Ländern, darunter Griechenland und Italien, war Qualität lange nicht das oberste Gebot. Minderwertige Öle aus dem Ausland wurden mit falscher Herkunftsbezeichnung verkauft oder hochwertiges Olivenöl mit billigeren Ölen verschnitten. „Das hat über Jahrzehnte funktioniert. Genau deswegen ist Olivenöl heute so stark reglementiert.“

Das funktioniere großteils, aber: „Es gibt natürlich immer Ausnahmen. Wenn Sie in den Supermarkt gehen, dann finden Sie vor allem günstige Öle, die zwar von einer italienischen Marke sind, aber hinten steht in den meisten Fällen ,Herkunft aus der Mittelmeerregion‘ oder aus Italien, Spanien, Griechenland, Tunesien.“ Durch den italienischen Markennamen entstehe der Eindruck, es handle sich um italienisches Öl, das stimme jedoch gerade bei billigen Ölen oft nicht. Rechtlich ist das ein Graubereich. „Das meiste Olivenöl im Handel ist von italienischen Firmen, aber die Ware ist gar nicht italienisch.“

Wie griechisches Olivenöl bei italienischen Marken landet

In Italien landen jährlich auch Zehntausende Tonnen griechisches Olivenöl. Direkt nach dem Pressen in Lkws abgefüllt, mischt man sie nach dem Transport mit italienischem Öl. „Das war auch eine der Grundmotivationen meines Vaters, mit der Olivenölabfüllung zu beginnen.“

Mani, mit Sitz am Südpeloponnes, arbeitet seit den 1980er-Jahren mit Hunderten Bauernfamilien aus verschiedenen griechischen Dörfern zusammen. Jedes Dorf hat eine Ölpresse, direkt nach der Ernte, am besten in wenigen Stunden, wird das Öl gewonnen. „Das ist eine kleinbäuerlich organisierte Wirtschaft. Ein Bauer, der 10 Hektar hat, gilt in Griechenland schon als sehr groß, in Österreich wäre das ein Mini-Bauer“, erklärt er die landwirtschaftlichen Besonderheiten.

Felix Bläuel  Geschäftsführer, Mani Olivenöl

Felix Bläuel Geschäftsführer, Mani Olivenöl

 „Das meiste Olivenöl im Handel ist von italienischen Firmen, aber die Ware ist gar nicht italienisch.“

Big Player: So prescht Tunesien vor

Italienische Bauernverbände sehen aktuell eine neue Gefahr für europäisches Olivenöl. Sie fürchten, Importe aus Tunesien raubten den heimischen Bauern die Lebensgrundlage. Das sieht Bläuel anders. Tunesien habe über Jahrzehnte erfolgreich in seine Olivenölstrategie investiert. Viele Anbauflächen lassen sich etwa bewässern. „Und tatsächlich haben sie jetzt zum zweiten Mal in Folge eine Rekordernte und zum ersten Mal mehr Olivenöl als Griechenland produziert.“

Tunesisches Olivenöl vs. günstiges Sonnenblumenöl

Tunesische Olivenöle seien im Normalfall hochwertig und günstiger. Sorgen macht das Bläuel nicht. „Als Verfechter von guten Olivenölen und guten Praktiken ist es mir lieber, es kommt gutes tunesisches Olivenöl auf den Markt als günstiges Sonnenblumenöl.“ Er ist zwar überzeugt, dass das den Markt verändern wird, aber hochwertiges, transparent erwirtschaftetes Olivenöl aus Griechenland und Italien werde „immer einen Marktanteil“ haben.

„Das gilt genauso für unsere italienischen Kollegen. Es wird immer Menschen geben, die dieses Olivenöl günstig industriell hergestelltem tunesischem oder spanischem Olivenöl vorziehen.“

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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