Olivenöl: EU-Prüfer kritisieren laxe Qualitätskontrollen

Olive harvest and oil production in Southern France
Olivenöl wird in der EU oft nicht genug auf seine Qualität geprüft, kritisiert der Europäische Rechnungshof.

Zusammenfassung

  • EU-Rechnungshof kritisiert unzureichende Qualitätskontrollen bei Olivenöl, besonders bei Mischungen und Importen aus Nicht-EU-Ländern.
  • Digitale Register in Spanien und Italien werden als positives Beispiel zur Betrugsvermeidung hervorgehoben, während Kontrollen auf Pestizidrückstände meist gut funktionieren.
  • Lückenhafte Kontrollen könnten das Vertrauen der Verbraucher und den Ruf des europäischen Olivenöls gefährden.

Kaltgepresst, nativ, extra nativ: Olivenöl unterliegt in der EU strengen Vorschriften - bei den Kontrollen hapert es nach Einschätzung von Prüfern jedoch teilweise. Olivenöl wird in der EU oft nicht genug auf seine Qualität geprüft, heißt es vom Europäischen Rechnungshof.

Vor allem bei gemischten Ölen und Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern werde nur lückenhaft kontrolliert, ob sie die versprochenen Qualitätsstandards erfüllen, teilte der EU-Rechnungshof mit Sitz in Luxemburg am Mittwoch mit. Die Prüfer lobten hingegen die Kontrollen auf Pestizidrückstände.

Die griechischen Behörden überprüften die Vorschriften etwa nur bei Olivenöl, das in Griechenland hergestellt und für den griechischen Markt bestimmt sei - also nicht etwa bei Exporten. Verbesserungen seien unerlässlich, um nicht nur die Verbraucher, sondern auch den Ruf des europäischen Olivenöls zu schützen, forderte die zuständige EU-Prüferin Joëlle Elvinger demnach.

"Die Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass das Olivenöl, das sie kaufen, die Qualitätsstandards erfüllt", erklärte Elvinger. Dabei geht es unter anderem um die Bezeichnung "kaltgepresst" oder "extra nativ". Dahinter verbirgt sich das Verarbeitungsverfahren: Die Oliven werden kaum oder gar nicht erhitzt, sodass die Nährstoffe erhalten bleiben.

Oft keine Nachvollziehbarkeit

Vor allem preisgünstigere Öle sind oft Mischungen aus mehreren Ernten oder von verschiedenen Produzenten, teils auch aus unterschiedlichen Staaten. In diesen Fällen sei häufig nicht nachvollziehbar, ob tatsächlich alle Bestandteile ausschließlich kaltgepresst seien, urteilten die Prüfer. Sie lobten digitale Register in Staaten wie Spanien und Italien, die Betrug vermeiden sollen.

Die Tests auf Pestizidrückstände funktionieren nach Einschätzung der Prüfer hingegen gut. Dabei würden zudem selten Verstöße gegen die Grenzwerte gefunden. Bei Einfuhren aus Nicht-EU-Staaten sehe dies allerdings anders aus: Hier gebe es "nur sporadische Kontrollen auf Pestizide und andere Verunreinigungen"

Die EU produziert rund zwei Drittel des Olivenöls weltweit. Der mit Abstand wichtigste Hersteller unter den 27 Mitgliedsländern ist Spanien, gefolgt von Italien und Griechenland. 

Zusammen machen die drei Länder mehr als 90 Prozent der europäischen Produktion aus. Prüferin Elvinger warnte, Lücken in den Kontrollen könnten sich auch auf "den guten Ruf des europäischen Olivenöls" auswirken.

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