Marillenknödel mit Bröseln auf einem Teller, daneben ein kleines Glas mit Aprikosenkonfitüre auf einem blauen Tuch.
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Eisknödel mit Marille: So gut sind die Tichy-Kopien aus dem Supermarkt

Die eisgekühlte Kugel ist mehr als ein Sommerdessert. Können Nachahmer im Supermarkt mit dem Original mithalten? Eine Verkostung.

Außen goldbraun, innen cremig und dann noch ein fruchtiger Kern: Es gibt wenige Speisen, die so typisch österreichisch sind wie Marillenknödel. Um die geht’s hier allerdings nicht so ganz. Man kann sich glücklich schätzen, ein eisgekühltes Pendant zu haben, das ebenso wie der gekochte Bruder ein Unikat ist und heute über Österreich hinaus bekannt.

Die Idee, den Mehlspeisenklassiker tauglich für den Eissalon zu machen, ist dem Wiener Eismacher Kurt Tichy zu verdanken. 1967 kam der gefrorene Knödel in die Eistheke des Salons am Reumannplatz – und positionierte sich erst einmal als Ladenhüter. 

Auftauen oder nicht?

„Die Leute dachten, es ist Tiefkühlware, zu dieser Zeit kamen die Tiefkühltruhen für zu Hause auf“, erzählt Kurt Tichys Enkelin Xenia, die heute den Familienbetrieb führt. Erst nach und nach sei die Kundschaft auf den Geschmack gekommen, der Erfinder ließ sich seine Idee patentieren: Obers–Eis, echtes Marillenmark, umhüllt nur von gerösteten Haselnüssen.

Ein Vorteil, wie sich zeigte - als Eiserzeuger mit Tichy über eine Abtretung der Rechte verhandelten, Kurt Tichy aber nicht an der Qualität rütteln ließ. „Statt Nüssen sollten Bröseln verwendet werden und kein Marillenmark mehr. Dafür wollte Opa nicht mit seinem Namen stehen“, weiß Xenia Tichy aus der Familiengeschichte. Den folgenden Rechtsstreit entschied die Familie für sich: Nur Tichy darf den Knödel „original Eismarillenknödel“ nennen. 30.000 Stück werden vom Kultknödel pro Woche hergestellt.

Vielfalt im Tiefkühler

Was mittlerweile von mehreren Herstellern auch in Supermarkt-Kühltruhen erhältlich ist, unterscheidet sich nicht nur namentlich in kleineren oder größeren Nuancen. Die Namen variieren von Marilleneisknödel bis zu Eisknödel Marille.

Bei einem Knödel geht es ja immer um Hülle und Fülle, das ist bei der Eis-Variante nicht anders. Die KURIER-Freizeit-Redaktion hat sich durch das Sortiment gekostet und in den unterschiedlichen geschmacklichen Vorlieben drei Favoriten herausgefiltert. Mit ihren Nachahmern hat Xenia Tichy übrigens kein Problem. „Die gab es von Anfang an.“

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Das Original: Eismarillenknödel von Tichy. 

©Heiermann Dragana

Favorit: „Eis-Mehlspeise“ mit gerösteten Haselnüssen und viel Obers

Wer mit Tichy aufgewachsen ist, wird vermutlich keine Nachahmer akzeptieren. Im direkten Vergleich ist der Kultstatus des Originals  nachvollziehbar. Die Größe ist ideal, die helle Bräune wirkt ansprechend („eine Augenweide“). Dass ausschließlich geröstete Haselnüsse   verwendet werden, gefällt.    Als einziger Hersteller  bezuckert Tichy außerdem die Knödel. Im Inneren überzeugt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eis und Marillen.

 Im Eis schmeckt man hohen Obersgehalt („sehr mächtiges Eis“) samt harmonischer Vanillenote, der für die ideale Cremigkeit sorgt. Das Marillenmark ist fruchtig und aromatisch und bringt den gewünschten Kontrast. Allerdings reichhaltig: „Eine Eis-Mehlspeise“ und „keine sommerliche Erfrischung“.
Eismarillenknödel von Eissalon Tichy: 6 Stück (à 53 g) um 18,60 Euro (3,10 Euro/Stk.).   

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Marillen-Eisknödel von Spar Premium

©Heiermann Dragana

Schöner Schein: Ein guter Knödel braucht mehr als ein hübsches Äußeres

 Die Knödel werden von der Salzburger Eis-Manufaktur Harrer in Sollenau     für die Premium-Marke von Spar produziert.  Der größte Knödel in der Verkostung ist ein ordentliches Bröckerl, fast schon zu groß.  Honoriert wird  die schöne runde Form. Durch seine Panade aus gerösteten Mandelblättchen nimmt er optisch  eine Sonderstellung ein: „totale Verführung“, „macht neugierig“. Die fehlende Nuss-Brösel-Panade wird aber auch  kritisch angemerkt. Den hohen Erwartungshaltungen kann er beim Verkosten nicht gerecht werden. Das Eis    den meisten zu wenig cremig, auch schmeckt es zu wenig nach Vanille. Dafür ist es als einziges  laktosefrei. Die großzügige Marillenfülle tendiert in Richtung Wassereis und wird „eher säuerlich“ beschrieben. 
Marillen-Eisknödel von Spar Premium: 4 Stk. (à 115 g) um 9,99 Euro (2,50 Euro/Stk.). 

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Marille-Vanille Eisknödel von Der Eismacher

©Heiermann Dragana

Mini-Häppchen oder putziges Kugerl: So klein und schon ein Eisknödel! 

Die Eis-Manufaktur aus Lockenhaus im Burgenland stellt ihre Knödel-Variante im Mini–Format her, mehr Happen als Knödel – und  sie schmelzen leider rasant dahin. So lange sie eiskalt sind, sticht  besonders die perfekte Kugelform  ins Auge - für die meisten Verkostenden der schönste Vertreter im Test. Auch das Verhältnis zwischen Eis und Kern ist schön ausgewogen, vielleicht einen Klecks zu viel Füllung für die Größe. Das Vanilleeis ist vollmundig und angenehm vanillig wie aus dem Eissalon, allerdings für manche zu süß. Der Kern erinnerte an Marillenmarmelade, aber echte Früchte sind schmeckbar.  Für einige dennoch zu wenig. Die Brösel-Haselnuss-Panier schmeckte  sehr brösellastig. Fazit: Seine Mini-Größe macht ihn besonders, eine nette Abwechslung.
Marille-Vanille Eisknödel von Der Eismacher: 9 Stk. (à 26 g) um 10,29 Euro (1,14 Euro/Stk.).  
 

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©Heiermann Dragana

Favorit: Familientauglich und groß, aber nicht  ausgewogen 

Von Wien aus produziert der Eissalon im 20. Bezirk seine Knödel auch für Supermärkte (erhältlich z. B. bei Billa).  Daher verbinden viele ihren  Geschmack automatisch mit Eisknödeln. Auffällig groß, die Form ist nicht ganz rund, die Kommentare reichten von „trotzdem ansprechend“ bis „lässt zu wünschen übrig“. Das Verhältnis zwischen Eis– und Marillenanteil beurteilte ein Großteil der Testenden als unausgewogen: Der Kern ist zu klein und wird überlagert. Das Vanilleeis wurde als sehr cremig,  aber mit zu wenig Vanillegeschmack bewertet, während die Marillenfülle für einige einen Hauch zu künstlich schmeckte. Der Panade war „zu bröselig“  - die Haselnüsse fehlten. Fazit: Nicht schlecht,  bei genauer Betrachtung  Defizite.  
Marilleneis-Knödel von Polly’s (z. B. bei Billa): 6 Stk. (à 76 g) um 8,29 Euro (1,40 Euro/Stk.).   
 

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Marillen Eisknödel von Hofer.

©Heiermann Dragana

Favorit:  Klobig, etwas unförmig  und  ein Marillenkern für  Rum-Freunde

Die Eigenmarke des Diskonters Hofers ist ein gehaltvoller Knödel („Wie Omas Knödel“), fällt aber durch eine wenig knödelige Form auf. „Klobig, unrund, wie ein schlecht geformter Semmelknödel“ oder strenger „kein Knödel!“ lauteten die Kommentare. Bei den inneren Werten schnitt er besser (wenn auch nicht top) ab: „cremig, nicht aufdringlich“ wurde geurteilt. Aber auch: „Das Eis schmeckt künstlich, wenig vanillig.“ Auffällig ist der Rumgeschmack in der Marillenfruchtmischung, die natürliche Säure vermissen ließ. Die Konsistenz der Panade wiederum war für manche zu fettig und mit zu viel Brösel, anderen gefiel die Knusprigkeit im Mund. Fazit: Ein solider Knödel. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Marillen Eisknödel von Mucci (Hofer-Eigenmarke): 4 Stk. (à 77 g) um 3,49 Euro (0,85 Euro/Stk.).    
 

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Marillen-Eisknödel von S-Budget (Spar).

©Heiermann Dragana

Guter Mitläufer: Viel Zucker,  wenig Eis-Aroma und  zu  wenig Frucht 

Die Billigmarke von Spar erinnert frappant  an das Produkt von Hofer, nicht nur,  weil beide in braune Papiermanschetten verpackt sind. Ebenso ist er nicht rund. Im Inneren fiel das schlechte  Verhältnis von  Eis und Kern auf: Zu wenig Fülle („etwas knausrig“), die  im Eis-Körper untergeht. Beim Vanilleeis (wenig Aroma) überlagert zu viel Süße den Marillengeschmack. „Die Frucht geht im vielen Eis unter“ urteilte ein Verkoster. Die Farbe der Brösel kam wiederum optisch gut an: „sehr schön gebräunt“ und auch das knisternde Mundgefühl (dem hohen Zuckeranteil geschuldet) wurde angemerkt.  Fazit: In Summe ein passabler Knödel, bei dem geschmacklich nichts zu deutlich hervorsticht. Kein Gewinner, aber kam  überraschend gut an. 
Marillen-Eisknödel von S-Budget (Spar): 4 Stk. (à 77 g) um 3,49 Euro (0,87 Euro/Stk.).

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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