Leben
11.12.2017

Wie Eltern den Weihnachtszauber bewahren

Advent und Feiertage bringen Kinderaugen zum Leuchten. Die gemeinsame (Vor-) Freude stärkt Familien.

Erwachsene beschweren sich oft über den Weihnachtsstress, für Kinder ist der Advent aber die Zeit der Vorfreude. Der Spannungsbogen könnte ja so schön aufgebaut werden: Adventkranz basteln, gemeinsam Kerzen anzünden, Post mit Weihnachtswünschen schreiben. "Wir kleben die Briefe ans Fenster, das Christkind kommt in der Nacht während die Kinder schlafen und hinterlässt auf allen Fenstern Sprühschneespuren. Magisch", schwärmt Mutter Katie Scherhaufer.

Viele zelebrieren für ihre Kinder diese Vorbereitung auf die Feiertage: "Ich schneide jedes Jahr von einer alten Perücke ein blondes Löckchen ab und lege das dorthin, wo der Brief war. Mein siebenjähriger Sohn weiß schon, dass wir das sind, aber ich glaube, er mag den Gedanken ans Christkind. Und seiner kleinen Schwester zuliebe sagt er nichts und spielt noch immer mit", freut sich Mutter Petra Goldberger-Kandutsch.

Traditionen schaffen

Irgendwann später kommt es zu einer "Entzauberung der Welt", wie es der Soziologe Max Weber bezeichnet hat. "Aber Kinder leben in einer Fantasiewelt mit unsichtbaren Freunden, Osterhasen, Zahnfee – und das ist eine wertvolle Erfahrung für sie", betont die Leiterin von Familylab Österreich, Katharina Weiner. Auch größere Kinder machen die Weihnachtsfeiern mit der Familie gerne mit. "Meine Tochter hat schon im Kindergarten gewusst, dass das Christkind nicht kommt. Aber es ist trotzdem schön, ihm einen Brief zu schreiben. Jede Familie kann individuell entscheiden, wie sie ihre Rituale zu Weihnachten gestaltet. Das verbindet und gibt Sicherheit."

Überdenken

Manchmal müsse man die Traditionen überdenken, wenn die Kinder größer werden: "Manche behält man weiter, manche kann man durch neue ersetzen und andere lässt man aus", so die Familienberaterin. "Kinder geben Rückmeldungen, wenn man sie lässt. Man kann das als Familie besprechen. Wollen wir den Baum gemeinsam schmücken oder soll es eine Überraschung sein? Wie sieht es bei Geschenken aus? Wer hilft bei den Vorbereitungen? Bleibt die Mutter zu Hause und bereitet in Ruhe vor, während der Vater mit den Kindern etwas unternimmt? Oder umgekehrt?"

Wichtig sei, nicht mit übergroßen Erwartungen in die Feiertage zu gehen: "Wenn man einander vor lauter Ritualen und dem perfekten Zelebrieren des Festes nicht mehr wahrnimmt, geht der Zauber verloren." Wichtig sei, die eigenen – guten und schlechten – Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen. Und sie zu würdigen oder zu verabschieden, so Weiner.

Gedanken machen

Philosoph Uly Paya macht sich mit Kindern Gedanken über die wichtigen Fragen des Lebens, erzählt er: "Wir reden über das Spannungsfeld von Glauben und Wissen oder was es bedeutet, etwas zu haben. Viele verbinden Weihnachten mit dem Bild, das sie im Religionsunterricht und in den Medien bekommen. Wir reden auch darüber, woran man glauben kann und welche Werte uns wichtig sind", so der Initiator zahlreicher Schul-Philosophie-Workhops.

Die gemeinsame Vorfreude verbindet Familien. Mama Barbara Bonka nützt die Zeit für einen Adventkalender, der glücklich macht – süß, aber ohne Süßigkeiten: "Ich schreibe jeden Tag eine persönliche Nachricht, etwa ‚Ich liebe es, dass du so offen und freundlich auf andere Menschen zugehst’."