Leben
10.12.2017

Über die Kunst, ein Fest zu feiern

Nicht nur zu Weihnachten kommen Menschen zusammen. Ideen für einen gelungenen Abend.

Nun, es muss ja nicht gleich ein mit Blattgold überzogener Butler sein, um seine Gäste zu beeindrucken. Doch wenn es darum geht, ein Fest unvergesslich zu machen, scheuen manche Gastgeberinnen weder Mühe noch finanziellen Aufwand. Erwähnter Goldschatz war bei einer Sause von Marchesa Luisa Casati zu bestaunen, Anfang des 20. Jahrhunderts eine der reichsten Frauen Italiens und berühmt für ihre Feste (Artikel unten). Vielleicht aber sollte man es eher wie Party-Queen Elsa Maxwell halten, die einst für die High Society rund um den Globus hinreißende Feten schmiss. Sie sagte: "Alles Geld der Welt macht keine gute Party. Ich habe Feste gefeiert, als ich nur zwei Pennys hatte."

Gelassenheit

Was aber ist das Geheimnis eines gelungenen Abends? Eine Portion Gelassenheit, betont Birgit Reitbauer, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Heinz das Vier-Hauben-Restaurant Steirereck im Stadtpark leitet und vom Restaurantführer Gault& Millau mit dem "Service Award 2018" ausgezeichnet wurde.

"Das Wichtigste scheint mir Stressfreiheit zu sein, speziell zu Weihnachten, deshalb sollte man es entspannt und gemütlich angehen", sagt sie. Dazu gehört etwa, dass die Gastgeberin nicht nonstop in der Küche werkelt und erst wieder so richtig zu sehen ist, wenn die Gäste nach Hause gehen. "Da hilft es, sich Speisen zu überlegen, die einen nicht allzu sehr in die Küche drängen. Es gibt zahlreiche Gerichte, die besser werden, wenn man sie längere Zeit warm hält. Dem Gast ist es immer lieber, wenn die Gastgeber bei Tisch sind und nicht ununterbrochen in der Küche stehen. Da bekommen alle ein schlechtes Gewissen", sagt Margit Köffler, Chefin des Catering- & Party-Service "Tip-Top-Table".

Planung entstresst

Eine gute Vorausplanung entschärft da vieles. "Es ist sinnvoll, sich schon im Monat davor zu überlegen, was man kochen möchte", sagt Birgit Reitbauer. Wobei es in ihrer Familie am 24. Dezember – als Kontrastprogramm zum übrigen Jahr – richtig gemütlich zugeht: "Bei uns wird an diesem Tag bewusst nicht gekocht. Wir servieren alles, was sich in den Tagen zuvor so angesammelt hat, von der Gänselebertorte bis zum Fleischsalat. Das kommt auf den Tisch und wird in gemütlicher Runde gegessen. Eine Jause, die sich über den ganzen Nachmittag zieht, bei der wir uns nicht an Essenzeiten halten."

Eine weitere Alternative für Gestresste hat Barbara Eselböck, bekannte Gastgeberin im Drei-Hauben-Restaurant "Taubenkobel", zur Hand: "Man kann das Essen wo vorbestellen oder zumindest ein paar Gänge aus dem Lieblingsrestaurant abholen. Dazu habe ich immer eine gute Käseauswahl und vor allem: genug Wein."

"Ihr seid mir etwas wert"

Wichtiges Stichwort: Wie auch immer man sein Fest ausrichten mag, Hauptsache, großzügig. "Gute Gastgeber vermitteln ihren Gästen das Gefühl der Wertschätzung, man muss vermitteln können: Ihr seid mir wirklich etwas wert", sagt Hannah Neunteufel, Chefin der Eventagentur "Hannahs Plan". Was aus ihrer Sicht gar nicht geht, ist, dass Gastgeber ihr Fest nur für sich inszenieren.

"Die Kunst, ein Fest zu feiern, wird aber insofern schwieriger, als die Menschen immer egoistischer werden. Daher glaube ich, dass diese Kunst vor allem durch die Qualität des selbstlosen Gastgebers definiert ist. Und diese Qualität macht aus, dass ich großzügig auftische. Was nicht heißt, dass es nur das Teuerste sein muss. Aber eine gewisse Üppigkeit sollte schon sein. Um das Gefühl zu vermitteln, dass ich etwas hergeben und mit anderen Menschen teilen möchte."

Zeit und Vorbereitung

Die Zutaten dieser Wertschätzung sind für sie einfach zusammengefasst: "Zeit. Und liebevolle Vorbereitung. Ich muss schauen, was brauchen meine Gäste, was haben sie gern, wie passen die Menschen zusammen?" Ganz ähnlich denkt Birgit Reitbauer: "Ich überlege mir immer sehr genau, was meine Gäste am liebsten essen und trinken und was ihnen Freude bereiten könnte." Da zählt auch ein gewisser Standard bei der Qualität der gebotenen Ware: "Fleisch und Fisch sollte man beim Händler seines Vertrauens rechtzeitig bestellen und nicht schnell irgendwo kaufen, sondern gut wählen", sagt Margit Köffler. Birgit Reitbauer ergänzt: "Da kann man sich auch schon alles küchenfertig herrichten lassen, sodass man nicht noch herumschneiden und herumzupfen muss."

Wow-Effekt

Und schließlich: die Inszenierung. Das ist ein bisschen wie bei einem Theaterstück mit einem gewissen Spannungsbogen, der mit dem ersten Akt beginnt: "Wenn meine Gäste kommen, bitte ich sie zuerst in einen Raum, wo noch nicht der schön gedeckte Tisch steht. Das ist bei uns die Küche, wo der Aperitif eingenommen wird, dazu stelle ich Häppchen auf den Küchentisch. So beginnt das alles leger und entspannt", sagt Margit Köffler.

Für Barbara Eselböck fängt die Fest-Inszenierung bereits beim Dufterlebnis an und endet beim Blumenschmuck: "Ich persönlich zünde, speziell in der Weihnachtszeit, schon Kerzen vor der Türe oder im Garten an. Es riecht überall nach Weihrauch, da kommt sofort weihnachtliche Stimmung auf, bevor man überhaupt zu Tisch geht."

Das Epizentrum

Wofür man sich sehr viel Zeit nehmen sollte, ist der schön gedeckte Tisch. Schließlich gilt er als Epizentrum des Geschehens. Dafür braucht es mehr Zeit, als man auf den ersten Blick vermuten würde, sind sich alle Gastgeberinnen einig. Idealerweise wird er daher bereits am Vortag hergerichtet und dekoriert. "Besteck, Gläser, Teller decke ich immer alles ein, damit es nie an etwas fehlt und ich nicht permanent herumeilen und suchen muss. Tisch decken, Blumen arrangieren, das mache ich alles am Vortag", erzählt Barbara Eselböck. Was niemals fehlen darf: Kerzen. "Bei Blumen hingegen muss man aufpassen, dass sie nicht zu hoch sind und Gästen den Blick verwehren", rät Margit Köffler. Stattdessen könnte man Steine, Sterne oder Efeuranken als Deko hinlegen. Schön gefaltete Servietten sind als Farbtupfer ebenso ein Must wie dekorative Untersetzer. Und es braucht genügend Freiraum für die Gäste: "Man muss darauf achten, dass man nicht zu viele Menschen an einen Tisch setzt. Als Faustregel gilt: einen halben Meter pro Person."

Sinnlichkeit

Bei ihren Festen versucht Margit Köffler, möglichst alle Sinne anzusprechen. Womit wir beim Thema Musik wären. Laut der Catering-Expertin sollte sie dezent und nicht allzu laut sein: "Klassische Musik oder leichter Jazz sind okay, wichtig sind harmonische Töne. Mit Loungemusik liegt man auch nie falsch."

Ein auf den ersten Blick banaler, aber wichtiger Tipp zum Schluss: Die Gäste dürfen ihre Straßenschuhe anlassen. "Alles andere ist eine Unsitte und geht gar nicht", sagt Hannah Neunteufel.

Jede Party beginnt mit einer Liste Überlegen Sie sich einen Monat vor dem Termin, was Sie kochen möchten und was Sie dafür brauchen werden. Ware rechtzeitig vorbestellen und herrichten lassen!

Gäste: Der Mix muss stimmen Richtig, zu Weihnachten kann man sich seine Gäste meist nicht aussuchen, aber sonst gilt: Denken Sie nach, wer zusammenpassen könnte und setzen Sie Paare auseinander, sodass neue Gespräche entstehen können.

Tischdeko: rechtzeitig anfangen! Man sollte es nicht glauben, aber gerade das Herrichten eines Tischs erfordert mehr Zeit, als man vermuten würde. Am besten ist es daher, schon am Vortag damit zu beginnen. Auch wichtig: ein auf den Anlass abgestimmtes Farbschema.

Stimmung machen Überlegen Sie sich schon im Vorfeld, auf welche Weise Sie die Sinne Ihrer Gäste ansprechen möchten. Speziell zu Weihnachten schaffen dezente Düfte eine besondere Atmosphäre. Auch das richtige Licht macht viel aus. Kerzen sind schön, aber es darf beim Essen nicht zu finster sein.

Check, Re-Check Laut Dorothy Draper sollte man sich rechtzeitig vor Festbeginn noch folgende Fragen stellen: Sind die Gläser, ist das Besteck poliert? Stehen Aschenbecher bereit (für Raucher, irgendwo draußen)? Gibt es genügend Kleiderbügel für Jacken und Mäntel? Sind die Kerzen angezündet? Sind die Getränke gut gekühlt? Sind die Kinder im Bett?

Zeit für mich Idealerweise ist man selbst schon eine halbe Stunde mit allen Vorbereitungen fertig und hat noch Zeit, einen Tee oder ein Glas Wein zu trinken – und sich zu freuen.

„Das Feiern begann im Garten Eden, als Eva die allererste Party mit einem Apfel schmiss.“ Von wem dieser Satz stammt? Von niemandem geringeren als Elsa Maxwell, eine der legendärsten Gastgeberin des 20. Jahrhunderts. Mit ihren 2000 Festen hielt sie Gäste wie Maria Callas, Clark Gable, Cary Grant oder Gary Cooper rund um den Globus in Atem. Man feierte von New York bis Biarritz. Maxwells Fest-Geheimnis lautete so: „Überrasche deine Gäste!“. Ihre Tipps fasste sie in einem Ratgeber zusammen – denn: „Eine gute Party passiert nicht aus heiterem Himmel. Wenn ich einlade, dann plane ich jedes Detail im Voraus. Beginne deine Party mit einer Liste. Und vertraue nie deinem Erinnerungsvermögen.“

Die Party beginnt mit dir

Es scheint fast, als handle es sich um eine ausgestorbene Spezies, von der die Autorin Claudia Lanfranconi in „Legendäre Gastgeberinnen und ihre Feste“ (Insel) schreibt. Beeindruckende Party-Queens eint aus ihrer Sicht vor allem eines: die Tatsache, dass sie allesamt besondere Persönlichkeiten waren, die sich den Konventionen ihrer Zeit widersetzten. „Jede Einzelne von ihnen könnte den Inhalt eines unterhaltsamen und geistreichen Buchs füllen.“
Wie etwa Dorothy Draper, nicht nur Amerikas berühmteste Inneneinrichterin, sondern auch Autorin des Ratgebers „Entertaining Is Fun“/„Einladen macht Freude“ (1941). Darin schrieb sie: „Der Erfolg jeder Party beginnt und hängt davon ab, wie die Gastgeberin selbst über sich denkt. Also bevor du Stift und Papier zur Hand nimmst und Pläne für dein nächstes Fest machst, nimm dir Zeit, dich selbst kennenzulernen. Die Party beginnt mit dir.“ Sie war überzeugt davon, dass es für ein tolles Fest weder ein großes Haus noch viel Geld brauche, sondern einfach Originalität und die Lust, sich zu amüsieren.
Elsie de Wolfe, ebenfalls international bekannte Interieur-Designerin, die von 1865 bis 1950 lebte, mixte „Leute wie Cocktails“, mit genialem Ergebnis. Die Gerichte müssten „heiß, heiß, heiß“ serviert, und die Tischedeko – am besten weiße Blüten – „niedrig, niedrig, niedrig“ gehalten werden. Auf die Frage nach dem Geheimrezept eines gelungenen Festes sagte sie einmal: „Habe immer mehr Männer als Frauen da. Kalte Getränke und einen französischen Küchenchef. Und lade keine langweiligen Leute ein.“