Leben
19.07.2018

Trump verbreitet Fake-News über Geburtsort seines Vaters

Der US-Präsident betonte mehrmals, dass sein Vater in Deutschland geboren wurde. Das entspricht nicht der Wahrheit.

"Die europäische Union ist wahrscheinlich so schlimm wie China, nur kleiner. Es ist furchtbar, was sie uns antut", sagte US-Präsident Donald Trump in einem Anfang Juni in der US-amerikanischen Zeitung The Hill veröffentlichten Interview. Mit seiner Formulierung bezog sich Trump auf den Handelskonflikt zwischen den USA und Europa.

In einem Nachsatz machte der Präsident einen emotionalen Schwenk: "Ich liebe diese Länder, Deutschland, und alle Länder. Schottland. Aber sie behandeln uns sehr schlecht. Sie behandeln uns unfair", fügte er hinzu und betonte, dass "meine Eltern in der europäischen Union geboren wurden".

Dass Trumps Mutter, Mary Anne MacLeod, in Schottland geboren wurde, ist in der Tat zutreffend. Sein Vater, Fred C. Trump, kam jedoch in den USA, genauer gesagt in New York City, zur Welt. Letzteres Kapitel seiner Familienhistorie hat Trump in der Vergangenheit mehrmals falsch überliefert, wie der Guardian und die Washington Post berichten.

"Mein Vater war aus Deutschland"

In einem Interview mit CBS News, welches kürzlich während Trumps Europabesuch in Schottland aufgenommen wurde, nannte er die EU erneut einen der größten Feinde der USA – und merkte an, dass seine familiäre Verbindung zu der Region die Lage für ihn verkompliziere. "Vielleicht ist es die schwierigste Sache – vergessen Sie nicht, beide meiner Eltern wurden auf dem Gebiet der EU geboren, ja?", sagte Trump. Und weiter: "Ich meine, meine Mutter war aus Schottland, mein Vater aus Deutschland. Und – Sie wissen ich liebe die Länder."

Wenige Tage später wiederholte er sich bei einer Pressekonferenz am Rande des NATO-Treffens in Brüssel: "Ich haben großen Respekt für Deutschland, mein Vater ist aus Deutschland. Beide meine Eltern sind aus der EU, ungeachtet der Tatsache behandeln sie uns in Handelsbelangen nicht gut." Trump präzisierte seine Aussagen sogar und hielt fest, dass sein Vater in der EU geboren wurde. Die Europäische Union als Verbund von aktuell 28 Mitgliedstaaten existierte damals freilich noch nicht.

Jedenfalls wurde Donald Trumps Vater nicht in Deutschland und auch nicht in Europa geboren. Richtig ist allerdings, dass Donald Trumps Großvater dort zur Welt kam. Die Eltern seines Vaters, Friedrich Trump (später Frederick Trump) und Elisabeth Christ (später Elizabeth Christ), waren aus Kallstadt in der Pfalz (damals Teil des Königreichs Bayern) in die USA eingewandert. 1987 behauptete Donald Trump in seinem Buch "The Art of the Deal" noch, sein Großvater stamme aus Karlstad in Schweden, womit er eine Erzählung seines Vaters, der als Immobilienunternehmer arbeitete, aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs weitertrug. Dieser behauptete Zeit seines Lebens, dass er schwedische Vorfahren hatte, um jüdische Mieter nicht zu vergraulen.

"Birther"-Bewegung

Bizarr sind Trumps Schilderungen über den Geburtsort seines Vaters vor allem vor dem Hintergrund, dass er jahrelang Zweifel an Barack Obamas Herkunft geäußert hatte. Die These, Obamas Geburtsort liege in Kenia (und nicht auf Hawaii), ist beliebt unter Verschwörungstheoretikern. Die sogenannte "Birther"-Bewegung stellt ebenfalls in Abrede, dass der Präsident Christ ist. Hintergrund der Debatte ist, dass nur in den USA geborene Amerikaner Präsident werden können.

Auch nachdem das Weiße Haus Obamas Geburtsurkunde präsentierte, hielt Trump an seinen Vorwürfen fest. Er behauptete später, eine vertrauenswürdige Quelle habe ihm verraten, dass das Dokument gefälscht sei. Wegen seines hartnäckigen Festhaltens an der Verschwörungstheorie wurde Trump immer wieder Rassismus vorgeworfen. Im Jahr 2016 erkannte der damalige republikanische Präsidentschaftskandidat erstmals persönlich an, dass Obama in den USA geboren wurde.