Leben
18.10.2017

Warum Gewalt gegen Frauen ein Männerproblem ist

Der US-Amerikaner Jackson Katz thematisierte in einem TED Talk die Problematik von passivem Sprachgebrauch in Bezug auf Gewalt gegen Frauen.

Derzeit berichten Tausende Frauen unter dem Hashtag #metoo über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Gewalt (der KURIER berichtete). Den Aufruf für die weltweite Bewegung startete die US-Schauspielerin Alyssa Milano am vergangenen Sonntag auf Twitter mit dem Satz: "Wenn du jemals sexuell belästigt oder vergewaltigt wurdest, antworte 'Me too'". Im Sog des aktuellen Missbrauchsskandals um den mächtigen Filmproduzenten Harvey Weinstein wollte der Serienstar aufzeigen, dass Sexismus nicht nur in Hollywood allgegenwärtig ist – sondern überall auf der Welt.

Sprache schafft Bewusstsein

Der US-amerikanische Filmemacher, Autor und Pädagoge Jackson Katz erklärte bereits im Jahr 2012 in einem TED Talk, dass Gewalt gegen Frauen im Wesentlichen ein Männerproblem ist. Er forderte in diesem dazu auf, offensiv und laut gegen gewalttätige und inakzeptable Verhaltensweisen aufzutreten. Ein Auszug der Rede, in dem Katz erklärt, warum auch unsere Sprache bei Gewalt gegen Frauen eine Rolle spielt, wird derzeit wieder vermehrt in den sozialen Medien geteilt. Darin heißt es:

"Wir sprechen darüber, wie viele Frauen im vergangenen Jahr vergewaltigt wurden und nicht darüber, wie viele Männer Frauen vergewaltigt haben. Wir sprechen darüber, wie viele Mädchen in einem Schulbezirk belästigt worden sind und nicht darüber, wie viele Burschen Mädchen belästigt haben. Wir sprechen lieber darüber, wie viele Teenagermädchen im Bundesstaat Vermont im vergangenen Jahr schwanger geworden sind und nicht darüber, wie viele Männer und Burschen Teenagermädchen geschwängert haben."

"Das zeigt, dass die Verwendung von passiver Sprache einen politischen Effekt hat. So wird der Fokus weg von den Männern und Burschen hin zu den Mädchen und Frauen gelenkt. Sogar der Begriff 'Gewalt gegen Frauen' ist problematisch. Es ist eine passive Konstruktion; es gibt keinen aktiven Vertreter in diesem Satz. Es handelt sich um eine schlechte Sache, die Frauen passiert, aber wenn man sich den Begriff 'Gewalt gegen Frauen' genauer ansieht, gibt es niemanden, der sie ihnen zufügt. Es passiert ihnen einfach … Männer sind nicht einmal Bestandteil davon!"

TED Talk von Jackson Katz: