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Dumm gelaufen
10/29/2016

Darwin-Award: Die skurrilsten Todesfälle

Der Tod ist ein tragisches Schicksal. Meistens. Klingt makaber, aber das Schlimmste im Leben darf auch belacht werden: wenn das traurige Ende durch eine blöde Verquickung von Zufällen zustande kam. Ein Fall für den Darwin Award.

von Bernhard Praschl

Wie Tarzan

Der eine wollte sich wie Tarzan per Seil von einem Baukran abschwingen, prallte aber brutal gegen eine Betonwand. Der andere schielte bei voller Fahrt auf ein Sexvideo und kam mit dem Auto jäh zum totalen Stillstand. Ein dritter überquerte auf dem Fahrrad eine Rollbahn und überhörte dabei – Kopfhörer zu laut! – ein landendes Flugzeug. Drei Todesfälle der Kategorie „dumm gelaufen“. Drei Fälle für den „Darwin Award“. Seit 1994 wird diese makabre Ehrung vergeben. Eine Auszeichnung, die vor allem eines auszeichnet: Dass die Geehrten ganz sicher nicht auf die Bühne gebeten werden können.

Ursprünglich entstand die Auslobung des skurrilen Preises auf Initiative von Biologiestudenten der Stanford Universität. Sie sammelten einschlägige Fälle zum Thema. Bis sich eine von ihnen als Spezialistin herausschälte, die Molekularbiologin Wendy Northcutt. Sie machte das Ableben von Pechvögeln zu einer Geschäftsidee und brachte Jahr für Jahr das „Darwin Awards“-Buch heraus. Bis sich vor fünf Jahren auch diese Idee tot lief. Seither fristet der Darwin Award sein Dasein im Internet.

Sarkastischer Negativpreis

Der Darwin Award wird jenen Vertretern der Spezies zuerkannt, die sich auf spektakulärste und denkbar blödeste Weise aus dem Gen-Pool der Menschheit entfernt haben“, heißt es im Reglement des sarkastischen Negativpreises. Er erinnert mit Charles Darwin (1809-1882) an jenen Naturwissenschaftler, von dem die Theorie der natürlichen Auslese stammt. Dass der Preis vorwiegend an Männer vergeben wird, hängt mit der Dummheit als auch mit der höheren Risikobereitschaft von Burschen zusammen.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Zur Zeit rangiert auf www.darwinawards.com der buchstäbliche Fall von Sidney Zelaya Gonzalez, 20, weit oben. Die junge Frau aus dem US-Bundesstaat Virginia kam im September ums Leben, als sie in einer Kurve samt Matratze vom Dach eines Chevrolet Vans auf den harten Beton knallte. Übersiedeln sollte man vielleicht doch Profis überlassen.

Surfer-Dudes im Glück

Zwei weitere Kandidaten für die diesjährige Kür hatten Glück. Die beiden Surfer-Dudes übersahen, während der Jagd nach kleinen Pokémon-Monstern, an einem Strand in Kalifornien einen Steilhang, stürzten von einer Klippe – und verletzten sich lediglich. Einen Trostpreis gibt es immerhin: Für diese Blödheit ist ihnen eine lobende Erwähnung sicher.

Bernard Moon, 18, aus Thousand Oaks im US-Bundesstaat Kalifornien, könnte ebenfalls noch zu posthumen Ehren kommen. Der Bursch war auf die zündende Idee gekommen, seinem Skateboard mit einer kleinen Selbstbau-Rakete am Brett auf die Sprünge zu helfen. Sein großes Pech: Der Erfindungsreichtum machte sich nur für den Totengräber bezahlt, Bernard Moon ging bei einer Fehlzündung buchstäblich in die Luft.

Vollpfosten auf Güterwaggons

Eine gestiegene Zahl von Opfern, die durch Urinieren auf Stromleitungen zu Tode kamen, registrierten die Veranstalter schon vor Jahren. Marco Kratzenberg, der den „Deutschen Darwinpreis“ vergibt, kann Vergleichbares berichten. „Ständig steigen irgendwelche Vollpfosten auf Güterwaggons und werden gegrillt“, meint er. Auch darüber schüttelt er den Kopf: „Jedes Jahr müssen irgendwelche Touristen in Österreich abseits der freigegebenen Pisten Skifahren und werden verschüttet.“

Spitzenreiter der deutschen Darwin-Award-Reihung ist seit fünf Jahren die schräge Selbsttötung eines deutschen Ehepaares in seinem Haus in einer türkischen Feriensiedlung. Ursache war männlicher Erfindertrieb: Musa G. nämlich dachte, ein hinter der Tür installierter Selbstschussapparat sei raffinierter als jede herkömmliche Alarmanlage. Effektiver auf jeden Fall. Jedenfalls war es mehr als nur dumm, beim Betreten des gesicherten Hauses darauf zu vergessen, den Todesapparat auch auszuschalten.

Schaden durch Selfie-Sticks

Beliebte Zwischenfälle, die seit einigen Jahren dies- und jenseits des Atlantiks am Radar der Darwin Awards landen, haben mit Smartphones zu tun. Aber nicht mit smarten Menschen. Beinahe monatlich kommen Leute zu Schaden, die im Umgang mit Selfies oder Selfie-Sticks übertreiben. Dass aber wer im Nirgendwo landet, der zu weit geht, ist mittlerweile fast schon so langweilig wie das Ablesen von Opferzahlen nach Lawinenabgängen bei aufrechter Wetterwarnung.

Früher hat der deutsche Hüter der Auszeichnung noch Rankings wie den „Darwinpreis des Jahres“ vergeben. Der Aufwand dafür, so Marco Kratzenberg, stehe jedoch seit längerem in keiner Relation zum Ergebnis. „Die Seite ist beliebt, bringt aber nichts ein“, so der Journalist und Autor („Schicht im Schacht. Die dämlichsten Todesfälle“, Fischer Verlag) etwas frustriert. Außerdem halten sich hartnäckig dieselben Favoriten auf den ersten Plätzen.

Wie auch immer, in der Verleihung eines Darwin Awards sieht Kratzenberg eine Angelegenheit der Aufklärung – und nicht eine plumpe Bloßstellung der Opfer. Andere würden so davor bewahrt, ähnliche Dummheiten zu begehen: „Wenn es nach mir ginge, sollten alle Jugendlichen meinen oder ähnliche Blogs lesen.“

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