Leben
23.04.2012

DARPA enthüllt Hyperschallflug-Ergebnis

Im Sommer 2011 gestartetes HTV-2 flog mit 20.900 km/h, bevor es durch Oberflächen-Ablösung abstürzte.

Der Entwicklungs-Arm des Pentagon, die DARPA, hat sieben Monate nach dem zweiten Testflug eines Hypersonic Technology Vehicle (HTV-2) dessen Ergebnisse verkündet. Am 11. August 2011 war ein unbemanntes Roboter-Flugzeug gestartet worden, das bis zu 20-fache Schallgeschwindigkeit erreichte. Statt der geplanten 30 Minuten Flugzeit stürzte HTV-2 nach neun Minuten ab. Die Ursache dafür steht nun nach einer langen Untersuchung fest. Offenbar löste sich die Außenhülle des Hyperschallflugzeugs stärker ab, als dies in Computermodellen vorhergesagt worden war. Entstehende Risse erzeugten Schockwellen, die das Luftfahrzeug ins Trudeln brachten. Daraufhin wurde ein Sicherheitsprogramm aktiviert, der HTV-2 verlangsamte und ins Meer stürzen ließ.

 

20.900 km/h

Laut dem DARPA-Bericht erreichte HTV-2 bei seinem Testflug knapp 13.000 Meilen pro Stunde oder 20.900 km/h. Der Test ging von der Vandenberg Air Force Basis in Kalifornien aus. Das HTV-2 wurde dabei an die Spitze einer Minotaur IV Rakete montiert und erst in großer Höhe gestartet. In neun Minuten flog das Hyperschallflugzeug 4.000 Meilen oder 6.400 Kilometer weit. Hyperschallflugzeuge werden im Übrigen solche Flugkörper genannt, die mehr als fünffache Schallgeschwindigkeit (Mach 5) erreichen. Bei einer Geschwindigkeit von Mach 20 stieg die Außentemperatur der HTV-2-Hülle auf 1.925 Grad Celsius. Das DARPA-Fluggerät war mit Kohlefaser umhüllt. Stahl wäre bei der Temperatur geschmolzen.

 

Wertvolle Erkenntnisse

Wie die Flugzeug-Entwickler feststellen, hielt HTV-2 trotz der starken Oberflächen-Zerstörung länger durch als gedacht. "Die anfänglichen Schockwellen-Störungen, die während des zweiten Flugs auftraten und von denen sich das Vehikel erholen und den kontrollierten Flug fortsetzten konnte, überstieg den designierten Widerstand um mehr als das 100-fache", meint DARPA-Direktor Kaigham J. Gabriel. Programm-Manager Schulz betont, dass bei dem Testflug Daten gewonnen wurden, die man niemals mit Computermodellen oder Bodentests generiert hätte. Erkenntnisse über "die harten Realitäten eines Mach 20 Flugs" (Schulz) könnten den USA bei der Entwicklung von Waffen helfen, die jedes Ziel auf der Erde innerhalb einer Stunde erreichen würden.

Der erste Testflug eines HTV fand im April 2010 statt. Für die Zukunft sind keine weiteren Flüge geplant. Das Hyperschallflug-Programm wurde im Jahr 2003 begonnen und kostete laus Los Angeles Times bisher rund 320 Millionen Dollar (ca. 242 Mio. Euro).