Leben
19.06.2018

Beschwerden über Kind mit Wutanfall: So wehrt sich der Vater

© Bild: Markus Brandl

Das Entschuldigungsschreiben eines Vaters an Kopfschüttel-Passanten, die ihm Erziehungstipps geben, sorgt für Beifall im Netz.

Es ist eine Situation, die alle Eltern kennen und fürchten: Das Kind will etwas, man sagt Nein, es wirft sich auf den Boden und fängt an, wie am Spieß zu kreischen. Das stellt nicht nur die Nerven der Eltern auf die Probe, die sich bemühen, konsequent zu bleiben. Das Einzige, das die Situation noch verschlimmert: Unbeteiligte Zuschauer, die sich mit Erziehungstipps einmischen oder sogar selbst versuchen, das Kind zu beruhigen. Genau das passierte Markus Brandl, der sich nicht nur Kommentare wie "Rotzbengel" anhören musste, eine Passantin riet ihm sogar, seinem Sohn eine zu kleben.

"Kopfschüttel-Passanten"

"Was bin ich nur für ein Rabenvater", schreibt der 34-jährige Vater aus Leverkusen in seinem Posting, das mittlerweile mehr als 55.000 Mal geteilt wurde. Er hatte ihm nach der Fahrt mit dem Feuerwehrauto eine weitere Fahrt mit dem Hubschrauber verwehrt. Dem "Kopfschüttel-Passanten", der seinen Sohn einen Rotzbengel nannte, richtet er aus: "Ein absoluter Sympath, dessen Meinung stets so großes Gewicht hat, dass Sie sie ungefragt jedem vor den Latz knallen."

Eine ältere Dame hat daraufhin sogar versucht, seinen Sohn "zu retten" und fragte ihn direkt, ob sie ihm denn helfen könne. "Liebe Teufelsbrille, Sie mischten sich ein. In genau dem richtigen Moment. Sie wussten, mit mir, dem völlig überforderten Vater, zu sprechen bringt nichts. Man muss direkt ans tobende Kind ran. Ja, man ist eine fremde Person für das Kind. Ja, man verschlimmert die Situation vielleicht noch." Die "Teufelsbrille" setzte mit ihrer Reaktion aber noch eins drauf: "Ihr Sohn ist aber ein ganz schön vehementer Störenfried. Kinder machen so etwas einfach nicht. Sie sollten ihm eine kleben!"

Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, bittet der zweifache Vater schließlich die "Kopfschüttel-Passanten", noch mehr von "ihrer Frustration und Unzufriedenheit profitieren" zu dürfen. "Sie kennen weder uns Eltern noch unsere Kinder, erlauben sich aber kackdreist ein Urteil." Auf Facebook schreibt Brandl seit dreieinhalb Jahren über sich und seine Familie. Er teilt seine Erfahrungen mit seinen Followern und hofft so dem tendenziell steigenden Hass auf Facebook etwas entgegensetzen zu können.

In den Reaktionen teilen unzählige Eltern das Leid, das auch sie mit solchen "Kopfschüttel-Passanten" erlebt haben. Sie berichten von Nachbarn, die einen dazu auffordern, sich besser um die Kinder zu kümmern und von Lokal-Besitzern, die Familien baten, zu gehen.

Manche berichten aber auch von positiven Erfahrungen - so ist eine Posterin dankbar über die Unterstützung eines älteren Herrn, der sie beim Wutanfall ihres Kindes in den Öffis mit dem Satz unterstützte: "Super, dass es das heutzutage noch gibt, denn es ist ja nicht so leicht in der heutigen Gesellschaft konsequent zu bleiben." Im Supermarkt brachte es eine ältere Dame auf den Punkt: "Es hört bald auf, bleiben sie weiter so tapfer."