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Leben
10/20/2019

Beim Teutates! Ist Asterix echt schon 60?

Am 24. Oktober feiert Asterix, die größte Comic-Ikone Europas, runden Geburtstag. Was hinter dem Erfolg steckt.

von Gabriele Kuhn

Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt ... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Mit dieser berühmten Einleitung fängt beinahe jede Folge der Comicreihe „Asterix“ an – auch der erste Band mit dem Titel „Astérix le Gaulois“ („Asterix, der Gallier“) begann so. Der Comic selbst erschien im Jugendmagazin „Pilote“ erstmals am 24. Oktober 1959 – der kleine Gallier leistet mit Freund Obelix bereits 60 Jahre Widerstand.

Felix natalis dies sit tibi! Alles Gute zum Geburtstag!

Asterix zählt zu den meistgelesenen Comicserien Europas. Sie lebt von Anspielungen, wiederkehrenden Gags und wurde in mehr als hundert Sprachen und Dialekte, u. a. Kölsch, Bayerisch oder Plattdeutsch übersetzt. Der Band „Der große Graben“ erschien in der Wienerisch- Kurt Ostbahn-Version „Da grosse Grobn“ (siehe "Wissenswertes" weiter unten). Weltweit wurden bisher 380 Millionen Alben verkauft, es folgten Real- und Zeichentrickfilme.

Anti-Helden-Geheimnis

Beim Teutates, was steckt hinter dem Phänomen?

Das hat Christine Gundermann, Professorin für Öffentliche Geschichte an der Universität Köln erforscht. Viele Puzzlesteine bedingen den Erfolg dieser Serie, weiß sie. Die für sie wichtigste Zutat ist aber die Idee des Antihelden: „Die Grundgeschichte lässt sich immer wieder darauf zurückdrängen, dass zwei Antihelden gegen eine übermächtige Kraft ankämpfen und immer erfolgreich sind.“ Asterix scheitert nie. Ein Umstand, der auch schon für politische Interessen instrumentalisiert wurde: „Das Konstrukt ,Klein gegen Groß’ ist dafür hervorragend geeignet, daher gab es in den 1970er- und 80er-Jahren Raubcomic-Varianten von Asterix, in denen etwa gegen ein Atomkraftwerk gekämpft wurde“, sagt Gundermann.

Auch als Quelle seiner Zeit sei Asterix ein „fantastisches Medium“: „Insofern als es relativ wenig über die Antike erzählt, aber viel über das Frankreich der 1950er- und 1960er-Jahre. Eine spannende Reflexion der französischen Gesellschaft dieser Zeit – konservativ, hierarchisch organisiert, wo die Männer das Sagen haben und Frauen meist nur schmückendes Beiwerk sind. Das alles wurde mit Witz und Ironie wunderbar nach 50 v. Chr. transponiert. „Asterix hat Kultstatus“, so Gundermann.

Kultur für Kinder

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg sei die Akzeptanz von Asterix im Bildungsbürgertum. Der Comic floss als Motivationshilfe in den Unterricht ein, um Latein oder historische Inhalte zu vermitteln. Es sei außerdem erstaunlich, dass der Comic so wenig ändern musste, um erfolgreich zu bleiben. „In der Comicforschung zeigt sich, dass sich die Figuren vieler Serien entwickeln müssen, manchmal entstehen völlig neue Generationen. Das ist bei Asterix nicht so. Man hat zwar neue Völker und Kulturen kennengelernt, die Geschichten wurden jedoch immer gleich aufgebaut.“

Bis zum Jahr 2005, als Asterix und der hinkelsteintragende Obelix plötzlich Besuch von Außerirdischen bekamen. Im Band „Gallien in Gefahr“ kamen Aliens und ein Superklon vor, der an Arnold Schwarzenegger erinnerte. Das achte Album nach René Goscinnys Tod, für das Albert Uderzo verantwortlich zeichnete, kam bei der Kritik nicht gut weg. „Die ganze Holzhammerwitzelei ist aber gar nichts gegen jenen penetranten Kulturchauvinismus, den Uderzo im vorliegenden Band zur Schau trägt. Da wollen also die Micky-Maus-artigen ,Tadsylwines’ ebenso Gallien erobern wie die schlitzäugigen ,Nagmas’. „Ein Legastheniker, wer daraus nicht sofort ,Walt Disney’ und ,Manga’ entschlüsselt“, schrieb der Spiegel.

Wussten Sie, dass ...

.. der Titel des neuen Hefts, das am 24. Oktober in mehr als 30 Ländern erscheint „Die Tochter des Vercingetorix“ ist? Die Heldin ist eine kleine Rebellin und ihr Name Adrenaline eine Anspielung auf ein Hormon, das unter anderem zu höherem Blutdruck und schnellerem Herzschlag führt.

...Frankreich zu Ehren des unbeugsamen Galliers  eine Zwei-Euro-Münze mit seinem Abbild herausbringt? Asterix ist darauf im Profil mit seinem  Federhelm zu sehen.

... der Zeichner Albert Uderzo und der Autor Rene Goscinny die beliebte Comic-Reihe ins Leben gerufen haben? Im November 1977 erlitte Goscinny jedoch einen Herzinfarkt und verstarb, daraufhin setzte Uderzo das Werk fort. Im Jahr 2011 trat das Duo Jean-Yves Ferri (Autor) und Didier Conrad  (Zeichner) dessen Nachfolge an.

...auch der Asterix-Freizeitpark nahe Paris 30. Geburtstag feiert ? Zu den Attraktionen des Parks gehören neben Achterbahnen ein Gallierdorf sowie eine Holzachterbahn. 

... es mehrere österreichische Mundart-Übersetzungen von „Asterix“ gibt? Etwa „Asterix und da Aweanaschüld“  auf Steirisch, eine Übersetzung von  „Asterix und der Arvernerschild“ von Reinhard P. Gruber. Oder „Da Legionäa“, die Wienerisch-Variante von „Asterix als Legionär“ von H.C. Artmann. 

Auch Christine Gundermann hält das für eine „relativ unglückliche Geschichte, die wenig mit dem Erfolgsgeheimnis von Asterix zu tun hat. Vermutlich war sie aber der Versuch, einen Teil des kulturellen Erbes zu schützen und sich gegen die Veränderung der Comiclandschaft in Westeuropa zu wehren, die sich durch den massiven Zulauf japanischer Mangas verändert hatte. Dazu hat man sich auch noch an US-amerikanische Helden angebiedert.“

Umso gespannter darf man auf den neuen Asterix-Band sein, der pünktlich zum 60. Geburtstag, am 24. Oktober 2019, erscheint. „Die Helden werden immer noch Asterix und Obelix sein, aber die Geschichte beginnt mit dem Auftauchen eines jungen Mädchens“, verriet Autor Jean-Yves Ferri. Und laut Zeichner Didier Conrad soll auch eine „ganz andere Stimmung“ vorherrschen.

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