Thomas Steiner kultiviert unter anderem nordamerikanische Pflanzen wie das seltene Dreiblatt.

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Leben
09/06/2019

Axels Terrasseneintopf: Ein Riecher für US-Blumen

Amerika in Aussee - So eigenartig das klingt: Der Hurrikan an der US-Ostküste tut manchen Pflanzen gut

von Axel Halbhuber

Dorian richtet scheußliche Dinge an der US-Ostküste an. Für die Menschen ist der Hurrikan eine Tragödie, für die Vegetation ist er wichtig. Es gibt Pflanzen, die Naturereignisse für ihren Wuchs brauchen, oder besser: sich darauf eingestellt haben. Die berühmte Venusfliegenfalle etwa stammt aus einem sehr kleinen Gebiet in Florida und braucht regelmäßige Überschwemmungen.

 

Einige Besonderheiten, die in Nordamerika wachsen, kennt Thomas Steiner sehr gut. Er hegt, pflegt und kultiviert im Alpengarten Bad Aussee unter anderem ein paar nordamerikanische Ureinwohnerpflanzen. Wie das Dreiblatt (Trillium, auch Waldlilie genannt) aus den Appalachen, dem 2.400 Kilometer langen Gebirgszug im Hinterland der US-Ostküste. „Das rote Dreiblatt mit dem klingenden japanischen Namen Trillium kurabayashii hat wie alle Dreiblätter eine Verwandtschaft zu unserer Einbeere.“

Die allerdings vierblättrig ist. Dreiblätter sind gefragte, weil sehr seltene Pflanzen, aber intensiv duftend: Das weiße riecht stark nach Parfüm, das rote weniger aufdringlich nach Obst. Und alle kann man mit viel Geduld im Topf halten. Aber: „Das sind klassische Auwaldpflanzen in den Bergen, wie der Bärlauch bei uns. Im Ausseerland geht die Pflege gut, weil es kühl ist. Im Frühling treibt diese Pflanze aus und nützt die laubfreie Zeit, um zu assimilieren, und zieht dann bald wieder ein.“

Diese Bedingungen von Waldboden und -klima auf Balkon oder Terrasse zu schaffen, ist nicht einfach. Schafft man es, kann man das Trillium auch vermehren: „Durch Teilung. Dazu muss man den Stock herausnehmen, die Knolle anritzen. Dann kommen durch die Verletzung etliche neue Trillium-Sprößlinge, die man wieder topfen kann. Ein ziemlicher Prozess, deswegen kosten die auch so viel.“

Bekannte Arten

Der Phlox (auch: Flammenblumen) ist das pflanzliche Gegenteil dazu: sehr bekannt, stark verbreitet, anspruchslos. Aber auch aus Amerika. „Der lässt sich sogar in Löffelsteinen pflanzen und sie sind brave Blüher.“ Brauchen nur durchlässige Gartenerde und sonnige Standorte – wie Steiner sagt: „Je Sonne, desto blüh.“

 

Ebenfalls zu großer Bekanntheit hat es mittlerweile die Bitterwurz (Lewisia cotyledon) gebracht. „Eine alte Indianer-Heilpflanze für Magen- und Darmbeschwerden – eine echt typische Gebirgspflanze.“ Allerdings im Westen der USA, in den Rocky Mountains. „Das Problem ist, dass sie bei uns häufig in Gartencentern auf Torf angeboten wird, damit sie schnell in die Blüte kommt und gut gefüttert ist. Dabei ist die Bitterwurz ein Torfhasser. Sie will gar nichts Feuchtes, weil der Wurzelhals sofort wegfault.“ In der amerikanischen Heimat wächst sie aus Felsritzen, was man mit abgemagerter Erde simulieren kann.

„Aber wirklich komplett abmagert. Kein Brösel Torf, nur Steine oder vielleicht ganz groben Sand.“ Alternativ kann man sie direkt in eine Steinritze setzen, da bringt man sie durch. „Aber dieser muss auch noch kalkfrei sein!“ Also Bachschotter oder Klimaschiefer.

Schafft man das, hat man lange Freude an der Wurz, die auch frostfrei ist. Und so prächtig blüht, dass einem fast ein „Howdy“ auskommt.

Ist neu. Die Bitterwurz kam zuletzt sehr in Mode, muss aber nach dem Kauf sofort aus dem Erdtopf raus – und am besten nur in kalkfreie Steine.

Ist selten. Das weiße Dreiblatt (Trillium albidum) aus dem nordamerikanischen Auwald duftet penetrant nach Parfüm. Bei uns bekommt man es nicht leicht.

Ist noch seltener. Das gelbe Dreiblatt  (Trillium luteum) mit den markanten Blattmustern blüht einige Zeit später als die weißen und roten Geschwister.

Ist eh überall. Der Phlox ist bei uns so verbreitet, dass man vergisst, woher er eigentlich stammt. Auch daheim in Nordamerika liebt er vollsonnige Standorte.