Leben
04/12/2019

Axels Terrasseneintopf: Rares für Bares - Jagd auf Raritäten

Bei der Raritätenbörse im Botanischen Garten werden wieder seltene Pflanzen gezeigt – samt Tipps und Verkauf.

Der Eisenholzbaum macht es einem nicht leicht. Das Zaubernussgewächs mit dem schönen botanischen Namen Parrotiopsis jacquemontiana blüht nur eine Woche lang. Leider ist der Baum unauffällig, wer nicht um das rare Blütenbild weiß, könnte glatt daran vorbeigehen.

Mit Frank Schumacher an der Seite bleibt man jedoch auf ein „Wow“ stehen. Der stellvertretende Direktor des Botanischen Gartens der Uni Wien kennt sein Grün und weiß, was wann blüht. So wie jetzt die Parrotia oder seltene Obstbäume. Schumacher zeigt auf einen Baum voller rosa Blüten, kitschig wie ein chinesischer Wandteppich. „Solche Zieräpfel werden in Österreich selten gepflanzt. In Amerika und England nehmen das Leute oft in ihre Gärten, weil die Sorten toll blühen und hübsche Früchte haben.“

Könnte man unken: Ästhetik egal, wenn der Österreicher schon mit Obst hantiert, will er es essen oder brennen können. Wäre aber ungerecht: „Oder da drüben die Schneebirne. Die wurde hier von einem unserer Direktoren bestimmt und ist eine echte Rarität. Die sollte in die Gartenkultur eingeführt werden“, sagt Schumacher. Aber auch hier: weißes Blütenmeer, aber steinhart, nur für Vögel essbar.

Anschauen kann man die Seltenheiten im Botanischen Garten ständig, dieser Tage kann man sie auch kaufen. Bei der traditionellen Raritätenbörse (12.4. bis 14.4., 9.30 bis 18 Uhr, alle Infos hier) bieten 50 Aussteller Rares gegen Bares und fachkundige Beratung. Apropos, Schumacher zeigt auf ein kniehohes Gewächs und sagt Trochodendron dazu: „-dendron steht für ‚Baum‘. Der Trochodendron aralioides, oder Radbaum, kommt aus den Wäldern Japans, ist immergrün und nicht ganz winterhart – daher bei uns rar.“

Solche Informationen locken jährlich Tausende Besucher zur Börse, bei der es übrigens auch ein paar Radbäume geben wird. „Man kann ja sehr viele Raritäten im eigenen Garten halten, oder auch im Topf“, betont der Chefgärtner. „Man muss nur ein paar Dinge beachten. Das Schöne hier ist, dass die Gärtnereien auch beraten – oder abraten, wenn man nicht den geeigneten Standplatz für etwas hat.“

Dann findet man eben eine Alternative. Lerchensporn zum Beispiel. Der wuchert zwar auch in heimischen Wäldern und als nahe verwandter Tränendes Herz in heimischen Gärten, hat aber exotische Verwandtschaft. Schumacher kniet vor einem flachen Grün mit weißen Blüten nieder: „Der kanadische Lerchensporn mit den herrlichen blaugrauen, zartgeschlitzten Blättern kommt in Nordamerika im Unterholz von Laubwäldern vor. Bei uns wird er selten angeboten.“ Heimischer und auffallender sind die Primeln, die jetzt auf dem Gelände wuchern. „Die blühenden Wiesen sind ein Markenzeichen des Botanischen Gartens. Wir lassen sie bis Juni stehen, wenn man jetzt mäht, ist es schade um solche Frühjahrsblüher.“

Was man bei der Raritätenbörse nicht kaufen kann, zeigt ein Blick auf die Stecklingsvermehrung. Schumacher präsentiert stolz 20 Nachwuchspflänzchen: „Dieser Geschlitztblättrige Wermut ist extrem selten. In Europa gibt es nur mehr 20 Pflanzen davon.“ Diese hier entsprechen also einer Verdoppelung des europäischen Bestandes? „Ja. Und sind vollkommen unverkäuflich.“

axel.halbhuber@kurier.at