Leben
28.11.2017

TV-Star rechtfertigt Sexismus mit Asperger-Syndrom

Über 50 Frauen beschuldigen Don Burke des sexuellen Missbrauchs. Er verteidigt seine Handlungen mit einem selbstdiagnostizierten Asperger-Syndrom.

Gegen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs hat sich ein Fernsehstar aus Australien mit dem Hinweis auf das Asperger-Syndrom verteidigt. "Ich bin ein Asperger und habe jede Menge anderer genetischer Mängel", sagte Don Burke am Montagabend (Ortszeit) dem australischen Sender ABC. Die milde Form des Autismus sei bisher jedoch nicht medizinisch diagnostiziert worden, sagte Burke weiter.

Am Montag beschuldigten über 50 Frauen den 70-Jährigen, während ihrer Zeit als Angestellte seiner Sendung in den 1980er- und 1990er-Jahren von dem TV-Star sexuell genötigt worden zu sein. Burke bestreitet die Vorwürfe vehement und bezeichnete die Diskussion in den sozialen Medien als Hexenjagd gegen ihn.

"Eher Opfer als Täter"

Der Verweis auf das Asperger-Syndrom brachte Burke viel Kritik ein. "Menschen mit Asperger haben große soziale Schwierigkeiten und sind sehr sensibel", teilte die australische Nichtregierungsorganisation Asperger Services Australia Ltd mit, die sich für Autisten einsetzt. Deshalb würden Asperger eher Opfer als Täter sexueller Übergriffe.

Überdies hinaus sei "eine Selbstdiagnose keine Diagnose" und das Asperger-Syndrom eine komplexe neurologische Störung, die keinesfalls als Entschuldigung "für Übergriffe oder unangebrachtes Verhalten" zu missbrauchen sei.

Australische Medien bezeichnen den Fall des 70-jährigen Moderators als ersten Weinstein-Fall im Land. Burkes Garten-Show "Burkes Hinterhof" war fast 18 Jahre lang eine der beliebtesten Sendungen im australischen Fernsehen, bis sie 2004 überraschend eingestellt wurde. Der Fernsehstar galt als einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Unterhaltungsindustrie.

Asperger-Syndrom: Variante des Autismus

Internationalen Schätzungen zufolge ist ungefähr ein Prozent der Gesamtbevölkerung eines Landes von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen. Für Österreich sind bislang keine exakten Häufigkeitszahlen vorhanden und es können nur die internationalen Schätzungen herangezogen werden. Anhand dieser Daten kann man davon ausgehen, dass in Österreich ca. 87.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störung leben. Mehr als die Hälfte davon hat eine leichte Variante, das Asperger-Syndrom. Es geht meist mit überdurchschnittlicher Intelligenz, aber auch mit verminderter sozialer Kompetenz einher.

Laut der Autistenhilfe Österreich handelt es sich bei Autismus um "eine Entwicklungsstörung, die Auswirkungen darauf hat, wie sich eine Person verhält, kommuniziert, mit anderen Menschen in Beziehung tritt und die Umwelt wahrnimmt". Autismus wird oft auch als Informations- und Wahrnehmungsverarbeitungsstörung bezeichnet. Dieser Begriff verdeutlicht, dass Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) Informationen, die sie in der Umwelt wahrnehmen, auf andere Art und Weise verarbeiten.