Leben
04.08.2017

Das Bier für die Frau, das keiner braucht, ist da

Eine tschechische Brauerei bringt ein Bier für Frauen auf den Markt - und betreibt damit Gender-Marketing vom Feinsten. Das stößt vielen sauer auf.

Darauf hat die Frauenwelt gewartet - oder auch nicht: Mit Aurosa Beer wurde das erste Bier für die Frau entwickelt. Gebraut wird es in Tschechien, vertrieben übers Internet. "Unsere Marke orientiert sich an den Bedürfnisse von Frauen, ungeachtet dessen, dass die Bierindustrie ein eher männliches Business ist", heißt es auf der Homepage. Und: "Aurosa hat einen einmaligen, unverwechselbaren, starken Geschmack, der an die Eleganz der Frauen angepasst wurde."

"Abbildung weiblicher Stärke & mädchenhafter Zartheit"

Das Bier sei ferner eine "Abbildung weiblicher Stärke und mädchenhafter Zartheit". Diese zwei "kontrastierenden Gemüter", die der "weiblichen Essenz" zugrunde liegen, würden sich dem Hersteller zufolge auch im Flaschendesign widerspiegeln. Wie dieses aussieht? Zartrosa, natürlich. Verziert ist die pastellfarben marmorierte Flasche, die eher an Frizzante als an das Hopfengetränk erinnert, mit einem schnörkeligen schwarzen Schriftzug.

#BEERFORHER

Die Markteinführung des Getränks blieb jedenfalls nicht unbemerkt. Ob der auf Social Media angestimmte Tenor den Gründern gefällt, bleibt fraglich. Auf Twitter und Co. zeigen sich viele User gänzlich unbeeindruckt von Aurosa, ja sogar empört über den Vermarktungsansatz des Unternehmens. "#beerforher? Ein Bier für Frauen?!?!?", schreibt eine Userin auf Tiwtter ungläubig. Und fügt hinzu: "Aurosa, bitte verschwinde!". "Moment ... ich habe die ganze Zeit über Bier FÜR MÄNNER getrunken (& genossen - huch!)", postete eine andere Nutzerin mit ironischem Unterton.

"Unsere Botschaft ist anders"

Auf den Gegenwind reagierte man bei Aurosa im Gespräch mit der Cosmopolitan defensiv: "Wir haben nie gesagt, dass Bier nur für Männer ist, wir wollen nur die falsche Wahrnehmung, die es erlangt hat, brechen."

Mit dem Produkt habe man sich nicht in eine sexistische oder feministische Debatte einmischen wollen, so der Sprecher des Konzerns weiter. Und: "Unsere Botschaft ist anders, wir sind hier, um jene Frauen zu unterstützen, die ihre Weiblichkeit und Eleganz feiern wollen, die ein schönes Glas Bier zum Abendessen trinken wollen und etwas genießen wollen, das elegant verpackt ist. Das ist alles. Wir geben ihnen die Wahl, wir geben ihnen Diversität und das sollte nicht mit Scham belastet sein."

Stellt sich abschließend noch die Frage, ob frau mit einer Flasche Dosenbier nicht gleichermaßen "ihre Weiblichkeit und Eleganz feiern" kann ...