Leben
03.11.2018

Antarktis: Forscher attackiert Kollegen, weil dieser Buchende verriet

Der Mann griff seinen Kollegen mit einem Messer an, weil ihm dieser mehrmals spoilerte, wie seine Bücher ausgehen werden.

Es ist offenbar der erste Fall seiner Art: In der Antarktis hat ein russischer Forscher mutmaßlich einen Wissenschaftlerkollegen mit einem Messer attackiert. Der Grund ist skurril: Wie mehrere Medien, darunter die New York Post, übereinstimmend berichten, habe das Opfer dem mutmaßlichen Täter das Ende von Büchern, die dieser gerade las, verraten – mehrmals.

Buchenden verraten

Demnach hatte sich Sergey Savitsky der Literatur gewidmet, um sich in der kargen und kalten Umgebung die Zeit zu vertreiben. Kollege Oleg Beloguzov, der zusammen mit Savitsky seit vier Jahren auf der Bellingshausen Station auf King George Island stationiert ist, machte ihm die Freude an seinem Hobby offenbar zunichte. "Er sagte ihm die ganze Zeit, wie die Bücher enden würden", heißt es in der britischen Sun unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle.

Am 9. Oktober soll es dann zu dem Angriff gekommen sein. Savitsky soll ein Küchenmesser genommen und Beloguzov damit attackiert und schwer verletzt haben. Beloguzov, der auf der Station als Schweißer arbeitet, wurde daraufhin verletzt ins nächste Krankenhaus gebracht.

Angestaute Aggressionen

Von offizieller Seite heißt es, dass der Buchstreit lediglich der Auslöser für den dramatischen Disput gewesen sei. Vielmehr sei das Zusammenleben auf engstem Raum über Jahre hinweg für die angestauten Aggressionen verantwortlich.

"Beide sind professionelle Wissenschaftler, die auf unseren Expeditionen gearbeitet und Jahre auf der Station verbracht haben", sagte Alexander Klepikov, stellvertretender Leiter des Arctic and Antarctic Research Institute der russischen Zeitung Komsomolskaja Prawda.

Es sei nun Sache der Ermittler, herauszufinden, was den Konflikt ausgelöst hat – "aber beide Männer sind Mitglieder unseres Teams".

Prozess in St. Petersburg

Savitsky wurde nach St. Petersburg überstellt, wo er am 22. Oktober wegen versuchten Mordes angeklagt wurde. Er gab zu, zugestochen zu haben, behauptete jedoch, er habe nicht vorgehabt, Beloguzov zu töten, berichtete die russische Nachrichtenagentur Nevskie Novosti.

Die Bellingshausen Station, die 1968 von der Sowjetunion gegründet wurde, befindet sich in einer der wenigen milden Regionen der Antarktis. Sie wurde auf der nahezu eisfreien westlichen Fildes-Halbinsel errichtet und diente der russischen Fischerei-Antarktisflotte als Hauptdepot.