© Christoph Liebentritt

Kultur | Zugabe
05/24/2019

Rapper SLAV: Jeder Pole trägt Tristrip

Der aus Polen stammende Wahl-Wiener SLAV zählt neben seinem WG-Kollegen Jugo Ürdens zur größten Nachwuchshoffnung der deutschsprachigen Rapszene.

Er zählt zu den größten Talenten der heimischen Rap-Szene: SLAV. In den vergangenen zwei Jahren hat der gebürtige, Pole mit der blassen Haut, wie er sich im KURIER-Interview selbst augenzwinkernd beschreibt, immer wieder mit Veröffentlichungen den Spot der Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Zum Interview erscheint der 21-Jährige dann auch stilsicher und passend im Adidas-Outfit, „denn jeder Pole trägt Tristrip“, wie er im gleichnamigen Song, den er mit seinem Freund, seinem Bruda im Herzen, Jugo Ürdens aufgenommen hat.

Darin heißt es:

„Silbergrill auf dem Oberkiefer / Aber nicht wie Großverdiener
Du machst auf Modediva / Trägst rote Sneaker und Vokuhila
Du hast Canada Goose / Hättest gerne ein Tränentattoo
Ich hab' drei Streifen am Trainingsanzug / Und zu Party trag' ich
keine edele Uhr / Sondern Gosha Rubchinskiy.“

Mit Jugo Ürdens, der wohl der schönste Rapper Wiens, pardon, Österreichs ist, wohnt SLAV auch zusammen. Zu zweit bilden sie zurzeit wohl die kreativste Wohngemeinschaft Wiens. Mitten in Neubau. Was dort die Eingangstür verlässt, hat Qualität und wird von vielen Jugendlichen zwischen Wien und Berlin gefeiert.

Bandito mit Hirn
Bei aller Freundschaft und Zusammenarbeit ist es SLAV im Gespräch aber sehr wichtig, seine Eigenständigkeit zu betonen. „Jugo und ich machen zwar gemeinsam Musik, hängen zusammen ab, geben uns Feedback und unterstützen uns, wo es nur geht. Aber wir sind kein Duo und wollen als solches auch nicht wahrgenommen werden. Jeder geht seinen eigenen künstlerischen Weg, zieht an einem anderen Strang. Jeder braucht seinen eigenen Stil, Sound, seine eigene Vision. Natürlich gibt es auch Überlappungen vom Sound. Aber meine Musik muss nach Slav klingen, nach dem Polen aus Wien, nach dem 96-Kilo-Bandito mit Hirn.

Tipp: SLAV wird am 29. Mai im Rahmen der KURIER-Veranstaltung #speakout im Wiener MuseumsQuartier auftreten.

KURIER: Wer schupft in der WG eigentlich den Haushalt?
SLAV: Keiner. Es schaut dementsprechend aus. Der Kühlschrank ist meistens leer. Wir bestellen immer Essen – und essen sehr viel Scheiß.

Warum nennen Sie sich eigentlich SLAV?
Es steht für Slawe. Für den Ostblock-Polen mit blasser Haut. Und nimmt auch Bezug auf die Russenhocke, die unter dem Namen „Slav Squat“ internationale Popularität erreicht hat.

Wann sind Sie zum ersten Mal mit Musik in Berührung gekommen?
Ich habe mit elf oder zwölf Jahren zum Rappen angefangen. Ich bin mit Deutschrap aufgewachsen: Bushido und so Zeugs. Hip-Hop aus den USA war für mich dann schon auch ein Thema, aber da habe ich anfangs die Texte nicht verstanden. Daher habe ich mich hauptsächlich auf Deutschrap konzentriert. Ich wäre als Kind auch fast beim Musical gelandet. Als bei „Ich war noch niemals in New York“ eine Rolle frei wurde, hat mich meine damalige Lehrerin motiviert, mich zu bewerben. Ich habe es dann auch unter die letzten drei Bewerber geschafft, aber war schlussendlich fünf Zentimeter zu groß für die Rolle.

 

 

Waren Sie ein guter Schüler?
Ich habe früher oftmals Scheiße gebaut, war in der Schule nur gut, wenn mich was interessiert hat. Ich wollte einfach immer nur Musik machen. Die Matura habe ich dann mit Ach und Krach bestanden. Neun Vierer. Egal. Hauptsache geschafft.

Was sagt ihre Familie zur aktuellen Berufswahl?
Meine Eltern sind nicht zu hundert Prozent dafür. Die wollen lieber, dass ich studieren gehe oder einen normalen Job ausübe. Aber jetzt, wo es immer besser mit der Musik läuft, sind sie entspannter.

Waren die Eltern schon einmal auf einem Konzert von Ihnen?
Ja, sie waren etwa im Gasometer dabei, wo ich vor RIN gespielt habe. Da waren 3000 Menschen in der Halle und viele davon haben meine Texte mitgesungen. Das hat dann auch meine Eltern begeistert und beeindruckt.

Sie sind mit drei Jahren nach Wien gekommen. Wie viel Pole steckt noch in Ihnen?
Wir sind jedes Jahr fünf bis sechs Mal nach Polen gefahren, da bekommt man schon einiges an Tradition und Kultur mit auf seinen Weg. Auch sprachlich bin ich zuhause hauptsächlich mit Polnisch aufgewachsen, meine Eltern haben eigentlich immer Polnisch mit mir gesprochen – Deutsch konnten sie nur gebrochen.

Warum rappen Sie nicht auf Polnisch?
Es gab in Songs wie „Tristrip“ schon einige Wörter auf Polnisch. Aber einen ganzen Song auf Polnisch gibt es noch nicht. Mal sehen, vielleicht kommt das noch. Ich werde sicher noch einige Alben veröffentlichen.

Ist Deutschland der Zielmarkt?
Ja, der ist nämlich zehn Mal so groß wie der österreichische. In Deutschland hat man eine ganz andere Reichweite. Ich denke, man braucht irgendwann auch mal ein in Berlin oder Hamburg ansässiges Label mit guten Kontakten, um in Deutschland Fuß fassen zu können.

Wollen Sie dafür auch nach Berlin ziehen?
Nein. Wien ist nicht umsonst eine der lebenswertesten Städte der Welt. Ich fühle mich hier sehr wohl, will nicht weggehen. Ich glaube, das ist auch gar nicht nötig, denn man kann das alles auch von Wien aus regeln.

Rapmusik ist mittlerweile im Mainstream angekommen. Wie sehen Sie die Entwicklung?
Ich begrüße diese Entwicklung. Früher war Rap nur ein Randthema, hauptsächlich ein Subgenre. Jetzt geht das seit einer gewissen Zeit durch die Decke. Rap ist der neue Pop. Rapper sind die neuen Popstars, siehe Post Malone. Drake kann man langsam gleichstellen mit Michael Jackson. Es sind die neuen Stars unserer Zeit.

Sie rappen über Citybikes und 1er-Golf anstatt über teure Autos. Für einen Rapper ist das eher außergewöhnlich ...
Den Mercedes kann ich mir noch nicht leisten. Den kauf ich mir nächstes Jahr (lacht). Klar geht es auch mir ums Geldverdienen. Ich will von der Musik leben können. Und wenn ich Erfolg habe, möchte ich auch schicker leben und werde mir schöne Dinge leisten. Wenn man im Lotto gewinnt, kauft man sich ja auch eine fette Wohnung, ein neues Auto und schöne Sachen zum Anziehen, Dinge, die einem das Leben versüßen. Das ist doch menschlich. Aber ich muss darüber ja nicht rappen und mir auch nicht jedes Jahr eine neue Rolex holen. Mir genügt eine aus den 1960er-Jahren, eine Vintage-Rolex. Mir reicht auch ein 1er-Golf, aber ich will daneben auch einen Tesla mit Flügeltüren oder eine Mercedes Benz G-Klasse. So ein fettes Teil, wo dann alle meine Freunde reinpassen. Aber grundsätzlich muss man sich fragen: Für was braucht man in Wien ein Auto?!

Sie rappen auch über Marken wie Adidas („Tristrip“) und haben einen Song „Fila“ genannt. Warum spielen Marken bei Ihnen so eine wichtige Rolle?
Viele achten vielleicht nicht so darauf, aber es gehört einfach zum Künstlerdasein dazu. Man will sich präsentieren, sein eigenes Outfit haben und seinen eigenen Stil. Da spielen natürliche Marken und Markenkleidung eine enorme Rolle. Das war immer schon so. Mittlerweile werden halt viele unterschiedlichen Modestile miteinander kombiniert, vieles verschwimmt. Klassische Skater-Klamotten werden plötzlich von Rappern getragen und Skater tragen Trainingsanzuge von Lacoste, die sie dann total zerfetzen. Es wird auch bald SLAV-Socken geben. Eigenes Merchandising ist extrem wichtig.

SLAV - Debüt und Konzert
SLAV hat für sein Debütalbum mit den zwei Produzenten Kane und Vienca zusammengearbeitet. Für den Feinschliff  sorgte Erik B.
 In  zahlreichen Sessions sind  elf Songs  voller authentischer Momentaufnahmen  entstanden.  SLAV rappt über sein  Leben – zwischen  Modesocken, FIFA-Zocken,    zu wenig Geld und zu vielen Joints. Das alles verpackt der Wiener in einen trappigen, von tiefen  Bässen und  dezenten Synths getragenen Sound, der  sehr viel Spaß macht.

SLAV wird am 29. Mai im Rahmen der KURIER-Veranstaltung #speakout im Wiener MuseumsQuartier auftreten.