Kurt Schreibmayer (Prinz Sergius Wladimir), Wiener Staatsballett, Chor und Komparserie in "Die Zirkusprinzessin" an der Wiener Volksoper.

© VOLKSOPER WIEN/BARBARA PÁLFFY

Kritik
12/10/2016

"Zirkusprinzessin": Eine bildgewaltige Hommage an eine versunkene Welt

Mit Kálmáns "Zirkusprinzessin" hat die Volksoper wohl wieder einen Renner im Repertoire.

von Peter Jarolin

Manege frei für große Gefühle, kleine Intrigen, Liebesirrungen- und Wirrungen aus einer längst versunkenen Welt. Mit Emmerich Kálmáns 1926 im Theater an der Wien uraufgeführter "Zirkusprinzessin" huldigt die Volksoper wieder der klassischen Revue-Operette und hat einen sicheren Publikumsmagneten im Repertoire.

Denn die Zutaten stimmen einfach: Regisseur Thomas Enzinger hat das nicht übermäßig inspirierte Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald gut bearbeitet (und auch zusammengestrichen) und erzählt in opulenten Bildern das Schicksal der Fürstin Fedora.

Glückssuchende

Diese steht im Russland des Jahres 1912 zwischen zwei Männern und findet letztlich, zur "Zirkusprinzessin" degradiert, mit einem auch adeligen Artisten ihr Glück.

Enzinger erzählt all das in Rückblenden und im wandelbaren Bühnenbild (von Peter Notz nach einer Idee von Sam Madwar), lässt die Artisten und Clowns massenhaft aufmarschieren. Auch eine Prise Tschechow darf nicht fehlen; das Wiener Happy-End bietet dann viel Raum für Komik. All das ist optisch (Kostüme: Sven Bindseil) hervorragend umgesetzt – die berühmte Träne im Knopfloch inklusive.

Ein idealer Rahmen also, der auf der musikalischen Seite oft seine Entsprechung findet. So ist Alfred Eschwé am Pult des hervorragenden Orchesters Kálmáns zwischen Walzer, Csárdás und Swing changierender Musik ein sicherer Anwalt. An der Lautstärke könnte der Dirigent jedoch noch feilen.

Vor allem Sopranistin Astrid Kessler als Fürstin Fedora bleibt leider oft wortundeutlich, entledigt sich der Partie aber mit Anstand. Carsten Süss ist ihr als adeliger Artist Mister X ein starker Gegenpol; als sein Rivale in Liebesdingen brilliert der optisch sehr verjüngte Kurt Schreibmayer. Großartig Otto Jaus als Buffo, der in Juliette Khalil seine Partnerin findet. Komödiantische Gustostücke liefern Robert Meyer als Pelikan und Elisabeth Flechl ab; Gerhard Ernst führt ein starkes Ensemble an. Jubel!