Kultur
23.07.2012

Youn folgt Nikitin nach Hakenkreuz-Affäre

Der Bassbariton Samuel Youn wird nun statt Evgeny Nikitin den "Holländer" in Bayreuth singen. Staatsopernintendant Bachler wirft Wagner-Schwestern Verlogenheit vor.

Nach der Absage von Evgeny Nikitin, der bei der Eröffnungspremiere der Bayreuther Festspiele kommenden Mittwoch im "Fliegenden Holländer" die Titelrolle hätte singen sollen, war die Nachbesetzung erst einmal unklar. Grund für die Absage waren Niktins Tätowierungen mit nationalsozialistischen Symbolen, die in den vergangenen Tagen in den Medien veröffentlicht wurden. Der KURIER berichtete.

Nun soll der Bassbariton Samuel Youn den "Holländer" singen. Bei den Bayreuther Festspielen sang er bereits unter Pierre Boulez in "Parsifal" und in "Tannhäuser" unter Christian Thielemann sowie als Heerrufer in "Lohengrin" unter Andris Nelsons.

Preisträger internationaler Wettbewerbe

Youn studierte Gesang in Seoul, Mailand und an der Musikhochschule Köln. Er ist Preisträger internationaler Gesangswettbewerbe wie dem "Toti dal Monte" (Treviso), "Franz Schubert" (Genua) und "Francesco Albanese" (Neapel). Sein Operndebüt in Italien gab er als Mefistofele in "Faust" am Teatro Communale di Treviso.

Seit 1999/2000 ist Samuel Youn Mitglied im Ensemble der Oper Köln. Hier war er unter anderem als Donner und Gunther im "Ring des Nibelungen", Alfio in "Cavalleria rusticana" und Tonio in "I Pagliacci", Escamillo in "Carmen", Kaspar in "Der Freischütz", als Heerrufer in " Lohengrin", Kurwenal in "Tristan und Isolde" und Jochanaan in "Salome" sowie in der Titelrolle von Der fliegende Holländer zu hören.

Von Seoul bis Madrid

Gastengagements führten ihn unter anderem als Mefistofele in "Faust" nach Seoul, als Jochanaan nach Sevilla, Amsterdam, Athen, Bari, Modena, Piacenza und Bozen. Als Kurwenal in "Tristan und Isolde" sang er an der Oper Leipzig und an der Deutschen Oper Berlin, wo er auch als Sebastiano in d`Alberts "Tiefland" zu hören war. Sein Debüt als Wanderer/Wotan in "Siegfried" gab er am Teatro San Carlos in Lissabon, in den Rollen der Vier Bösewichte in "Hoffmanns Erzählungen" war am Théâtre du Capitole in Toulouse zu erleben. An der Hamburgischen Staatsoper hörte man ihn als Kaspar in "Der Freischütz", als Klingsor in "Parsifal" an der Deutschen Oper Berlin, als Geisterbote in "Frau ohne Schatten" beim Maggio Musicale Fiorentino unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta sowie an der Mailänder Scala, als Dr. Schön in "Lulu" am Art Center Seoul Korea und als Orest in "Elektra" am Teatro Real in Madrid.

Zukünftige Projekte beinhalten Auftritte als Donner in "Das Rheingold" an der Opéra Bastille Paris, als "Der fliegende Holländer" und als Mefistofele in "La Damnation de Faust" an der Deutschen Oper Berlin sowie als Wanderer in "Siegfried" am Teatro Massimo Palermo. Die Freunde der Oper Köln zeichneten ihn als ersten Preisträger mit dem Offenbach-Preis aus.

Staatsopernintendant Nikolaus Bachler wirft Wagner-Schwestern Verlogenheit vor

Nach dem Rückzug des russischen Sängers Evgeny Nikitin bei den Bayreuther Festspielen wegen Nazi-Tattoos hat der Münchner Staatsopernintendant Nikolaus Bachler den Wagner-Schwestern Verlogenheit vorgeworfen. "Ich sehe in der Causa Nikitin zunächst mehr ein Problem Bayreuths und der Wagner-Familie als eines des Sängers", sagte Bachler am Montag. "Dass die Torheit eines 16-jährigen Rocksängers, der diese längst bereut und versucht hat ungeschehen zu machen, ausgerechnet nun von der Wagner-Familie geahndet wird, finde ich verlogen."

Der 38-jährige Nikitin hatte am Samstag - vier Tage vor der Eröffnungspremiere - auf Druck der Festspielleitung die Titelrolle in der Oper "Der Fliegende Holländer" zurückgegeben. Zuvor war bekanntgeworden, dass er sich in seiner Jugend Tätowierungen mit nationalsozialistischen Zeichen auf den Oberkörper stechen ließ.

Bachler warf Katharina Wagner und deren Halbschwester Eva Wagner-Pasquier vor, sie zeigten mit dem Finger auf jemanden anderen, "weil man mit der eigenen Geschichte ein Problem hat". Nikitin habe den Vorfall nicht nur bedauert, sondern auch Reue gezeigt. "Eine Reue, die ich von der Familie Wagner in den letzten 50 Jahren nie vernommen habe", sagte Bachler. "Das Ganze ist eine zutiefst unschöne Geschichte und zeigt, wie die Vergangenheit immer noch gegenwärtig ist." Bachler, an dessen Münchner Staatsoper der Bassbariton Nikitin bereits auftrat, spielte damit auf den schwierigen Umgang der Familie Wagner mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Bayreuther Festspiele an.