Kultur
25.03.2017

ORF taumelt durch inneren Konflikt

Die geplante ORF-Reform stockt, denn Armin Wolf und Roland Brunhofer bekriegen sich intern.

Der ganze ORF scheint derzeit um eine Person zu kreisen. Und je nach Gesprächspartner heißt diese Roland Brunhofer oder Armin Wolf.

Seit ORF-Chef Alexander Wrabetz seine Strukturreform angekündigt hat, die im Wesentlichen vorsieht, dass alle Sender eigene Manager bekommen, ist Feuer am Dach – denn der künftige Chef des ORF2 soll Roland Brunhofer heißen. Ein offensiver Gegenspieler von Armin Wolf, der dort die "ZiB2" moderiert und außerdem stellvertretender Chefredakteur im aktuellen Dienst ist. Die Antipathie ist wechselseitig. Und sie droht das ganze Konzept zu lähmen.

Brunhofer gilt als SPÖ-nah, war Salzburger ORF-Landesdirektor, musste aber gehen, weil das Bundesland nun ÖVP-regiert ist. Und er soll einen beinharten Reformkurs für ORF2 planen. Das betrifft auch die Information, deren Chef derzeit Fritz Dittlbacher heißt. Er ist genauso wie der Redakteurssprecher Dieter Bornemann ein Vertrauter Wolfs. Dass Brunhofer mit diesem Triumvirat keine große Freude hat, ist ein offenes Geheimnis am Küniglberg.

Diskreditiert

Um Brunhofer zu verhindern, soll es heftigen Amtsverkehr bei einzelnen Regierungsmitgliedern geben, wie auch Wrabetz bei einer Redakteursversammlung am Donnerstag kritisierte. Er habe gehört, "leitende Redakteure" würden bei Regierungspolitikern Brunhofer herunter machen. Wie groß die Lust ist, ihn zu diskreditieren, zeigte sich auch bei der Redakteursversammlung. Dort erzählte der Sendungschef der "ZiB2", Wolfgang Wagner, laut Krone vor versammelter Mannschaft einen angeblichen Brunhofer-Sager weiter: Er werde den "Sumpf" der ORF-Information trockenlegen, habe dieser erklärt. Das wäre tatsächlich ein unerhörter Angriff auf die ORF-Information. Aber hat Brunhofer das wirklich gesagt? Angehört wurde er in der Sitzung nicht.

Aufgebläht

Der offene Krieg geht an Wrabetz nicht spurlos vorüber: Er doktert immer weiter an seiner Channelstruktur herum. "Hier wird eine Struktur um Personen herum gebaut", sagt ein hochrangiger Redakteur, der nicht genannt werden will. "Das kann sich nicht ausgehen." Denn auch für Dittlbacher wird schon ein neuer Posten gezimmert, wenn er nicht mehr Chefredakteur ist. Er könnte als eine Art "koordinierender Ressortleiter" eingesetzt werden, der zwischen künftiger Chefredaktion und Redakteuren agiert. Ein Job, den es bis dato nicht gab. Unterm Strich wird wohl statt einer Strukturreform eine Strukturauf-blähung herauskommen, wenn Wrabetz das Konzept weiter großflächig umbaut.

Im Stiftungsrat gibt es bereits den ersten Unmut von Leuten, die den ORF-Chef im Sommer mit knapper Mehrheit wiedergewählt haben. Der Kärntner Stiftungsrat Siggi Neuschitzer erklärte dem KURIER, das in der Redakteursversammlung besprochene Konzept sei "keineswegs die Strukturreform, die der Generaldirektor angekündigt hat. Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Ich bin enttäuscht." Es gibt auch keinen Zweifel am unverhohlenen Druck der Regierung, endlich die angekündigte Reform abzuliefern.

Zechner profitiert

Nutznießerin des internen Krieges könnte Programmdirektorin Kathrin Zechner sein, die weiterhin bei der Information mitreden darf. Wrabetz hat am Donnerstag den staunenden Redakteuren verkündet, er werde eventuell weiterhin auf "Augenhöhe" mit Zechner die Letztentscheidungen in der ORF-Information treffen. Beobachter waren verdutzt: In seinem Bewerbungskonzept war noch die Rede davon gewesen, Zechner die Infokompetenzen wegzunehmen.

Die Direktorin hält wiederum Wolf, Bornemann und Dittlbacher den Rücken frei, was diese auch brauchen können: Spätestens seit der Recherchepanne rund um den Tempelberg ist die Gruppe in der Kritik.

Wolf behauptet ja immer noch steif und fest, ihm sei kein Recherchefehler passiert. Als Beleg führt er an, dass ein Bescheid der KommAustria den ORF vom Vorwurf freispricht, gegen das Gesetz verstoßen zu haben. Dass diesen Bescheid die ehemalige ORF-Mitarbeiterin Susanne Lackner unterschrieben hat, spielt in den Betrachtungen eine nachgereihte Rolle.

Lackner wurde vielmehr in der von Wolf moderierten "ZiB2" großer Platz in einem eigenen Beitrag zu dem Bescheid eingeräumt – eine denkwürdige Optik. Die FPÖ, deren Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer die Beschwerde nun in die nächste Instanz gehoben hat, weist zurecht auf die Verbindung hin. Ursprünglich hatte den Akt übrigens Florian Philapitsch auf dem Schreibtisch, der auf Beschluss von Medienminister Thomas Drozda im Herbst nicht mehr in die KommAustria bestellt wurde.

An seiner Statt wurde Lackner stellvertretende Behördenleiterin – Philapitsch war überraschend ganz aus der Behörde draußen.

Wrabetz dreht nun die gefühlt hundertste Runde im Unternehmen, um alle Forderungen zu berücksichtigen.

Zu umschiffen versucht er dabei Wolf, der auf Social Media heftige Wellen schlagen kann und seine Präsenz auf Facebook undTwitter auch gekonnt dazu einsetzt, Kritiker zu attackieren. Es könnte noch dauern mit der Reform.