Leitet seit 2003 das Joanneum: Wolfgang Muchitsch

© APA/ROBERT JAEGER

Interview
04/10/2021

Wolfgang Muchitsch: „Es braucht jetzt Leuchtturmprojekte“

Der Direktor des Joanneums über den kulturpolitischen Willen, die „Steiermark Schau“ nicht zu verschieben

von Thomas Trenkler

Die Bundesmuseen in Wien verzeichneten 2020 aufgrund der Pandemie und der Lockdowns einen Publikumsrückgang von durchschnittlich 71 Prozent. Das steirische Landesmuseum Joanneum – es bezeichnet sich ob der vielfältigen Sammlungen als „Universalmuseum“ – kam vergleichsweise glimpflich durch das erste Coronajahr: „Die Zahlen sind durchaus vergleichbar mit jenen von 2019: Wir hatten nur 60 Prozent des Jahres geöffnet – und hatten 60 Prozent der Besucher. Obwohl es fast keine Schulklassen und Touristen gab. Wir stellen auch jetzt eine große Bereitschaft fest, das Joanneum zu besuchen.“

 

Es sei, sagt Wolfgang Muchitsch, tatsächlich gelungen, das Stammpublikum zu binden. „Aber wir haben darin Erfahrung: Wir mussten es auch in der Vergangenheit immer wieder neu motivieren, einen unserer Standorte zu besuchen.“ Muchitsch leitet das Joanneum seit 2003 – zwölf Jahre zusammen mit Peter Pakesch, danach zwei Jahre allein, seit Anfang 2018 zusammen mit Alexia Getzinger als Geschäftsführerin.

KURIER: Sie hatten 40 Prozent weniger Besucher, dementsprechend weniger Einnahmen, aber kaum geringere Ausgaben. Ist die „Steiermark Schau“ auch eine Corona–Hilfsmaßnahme?

Wolfgang Muchitsch: Nein, man hat sie schon vor Ausbruch der Pandemie beschlossen. Von Corona wurden wir erst in der Vorbereitungsphase überrascht. Da stellte sich natürlich die Frage, ob ein derartiges Projekt, das vom Land mit 8,9 Millionen Euro finanziert wird, 2021 sinnvoll ist. Aber es war der kulturpolitische Wille, die Schau zu machen. Denn es braucht jetzt Leuchtturmprojekte. Für uns ist die Schau von der Dimension her ein Jahrhundertprojekt.

Das Joanneum bespielt gleich drei Standorte ...

Ja, es gibt die drei Ausstellungen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – sowie als viertes Kapitel den Pavillon, der durch die Regionen tourt. Er kostet drei Millionen, ein ähnlicher Betrag wurde für die Generalsanierung des Volkskundemuseums verwendet – das ist der nachhaltige Effekt.

 

Jahrzehntelang gab es Landesausstellungen. Die SPÖ kritisierte, dass diese dazu dienen würden, ein privates Schloss – wie Herberstein – oder Stift – wie Admont – mit Steuergeld zu sanieren. Daher wurde nach 2006 ein neues Modell, die Regionale, versucht. Und nun …

Es stimmt, im Mittelpunkt stand nur mehr die Frage: Wo findet die Landesausstellung statt? Und dann wurde eben saniert – egal, ob das Thema zum Standort gepasst hat oder nicht. Das hat das Konzept der Ausstellung natürlich ad absurdum geführt. Aber von den ersten acht Landesausstellungen – die erste fand 1959 statt – wurden fünf vom Joanneum bzw. der Landesbibliothek, die erst später ausgegliedert wurde, organisiert. Und jene Ausstellungen, die in unseren Räumen stattfanden, haben wesentlich zu einer Infrastrukturverbesserung beigetragen. Ab der Landesausstellung im Jahr 1980 war nicht mehr das Joanneum zuständig. Wir haben sie jetzt quasi zurückgeholt. Aus gutem Grund. Das Joanneum ist eine permanente „Steiermark Schau“: Unser Kerngeschäft ist es, die Entwicklung dieses Landes in allen Bereichen zu dokumentieren und zu präsentieren.

Unter Ihrem Vorsitz hat eine Kommission das Heeresgeschichtliche Museum evaluiert. Ihre Arbeit ist beendet?

Vorerst. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat angekündigt, dass auf Basis des Berichts ein Beirat für die Weiterentwicklung des HGM eingerichtet werde. Sie hat mich gefragt, ob ich diesen leiten möchte. Und das habe ich ihr zugesagt. Dieser Beirat soll bereits bei der Ausschreibung und Besetzung der Direktion gehört werden.

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