Im Vorfeld verunglimpft: Melissa McCarthy, Leslie Jones, Kate McKinnon und Kristen Wiig bewähren sich als „Ghostbusters“

© /Sony

Ghostbusters
08/04/2016

Geistreich und smart: So ist der neue Ghostbusters-Film

Paul Feigs Reboot mit weiblichen Geisterjägern ist ein durchwegs vergnüglicher Sommer-Blockbuster

von Alexandra Seibel

Es gibt ihn also doch: Den witzigen, geistreichen und durchwegs vergnüglichen Sommer-Blockbuster. Einen, der von Anfang bis zu Ende durch beschwipstes Kichern bei Laune hält; der einen Strauß Spezialeffekte liefert, ohne das Publikum im Stahlgewitter zu ertränken; und bei dem man ein bisschen sentimental werden kann angesichts der Erinnerung an das Jahr 1984, als "Ghostbusters" die Leute erstmals vom Sessel riss.

Viel Aufhebens wurde gemacht um Paul Feigs Reboot der New Yorker Geisterkomödie. Vor allem furiose Fan-Boys mussten sich maßlos darüber aufregen, dass jemand es wagte, ein Stück ihrer Kindheitserinnerung mit Frauen neu zu besetzen. Dabei erweist sich Feig – ein wahrer Glücksfall im zeitgenössischen Komödienfach – als der größter Fan-Boy. Liebevoll leistet er Hommage an das Geisterjäger-Original, übernimmt weite Teile des Storygerüsts und lässt Gespenster-Oldies wie Marshmallow Man und Slimer das Jahr 2016 erblicken. Sein vermeintliches Sakrileg, die Ghostbusters mit vier unglaublich schlagfertigen und kompetenten Comediennes zu bespielen, erwies sich dabei als der wahre Coup.

Dabei liefert Feig weniger brüllende Gag-Lacher, sondern brillante Sicker-Witze. Diese entfalten sich im komischen Detail, manchmal schleichend, manchmal überraschend, im abstrusen Dialogwitz oder in krudem Slapstick. Immer aber imprägnieren sie gekonnt das gesamte Erzählgefüge und ziehen die Mundwinkel der Zuschauer konstant nach oben.

Leichenwagen

Die exzellente Kristen Wiig als Dr. Erin Gilbert gehört mit ihrem schläfrig-unterspielten Humor ohnehin zu den Göttinnen des Komödien-Olymps. Gemeinsam mit ihrer fixen Kollegin Melissa McCarthy, die sie als Dr. Abby Yates wie eine Brummfliege umschwirrt, nimmt sie den Kampf gegen paranormale Aktivitäten auf. Dazu gesellen sich noch Kate McKinnon als schrullige Nuklearingenieurin Holtzmann und Leslie Jones als lautstarke U-Bahn-Angestellte Patty. Gemeinsam ergeben sie ein infernalisches Quartett insofern, als sie im Leichenwagen durch die Stadt rasen und Jagd auf fluoreszierende, Schleim speiende Geister machen.

Als Empfangsdame ... äh ... -herrn ihres Büros hat die Vierer-Bande Chris "Thor" Hemsworth engagiert, der sichtlich angefixt das Klischee der dummen Blondine auf sich nimmt. Als Sekretär trägt er Brille ohne Gläser und ist selbst zum Telefonieren zu blöd. Aber hach, ist er nicht schön! Und außerdem hat er keine Freundin, wie Dr. Gilbert beim Einstellungsgespräch (unerlaubt) erfragt hat. Allein wie Kristen Wiig als mausgraue Professorin den muskeligen Surfer-Aussie anschmachtet, ist die Kinokarte wert.

Zum Finale hin wird es, wie üblich im Blockbuster-Gewerbe, zunehmend laut und Effekt heischend. Das ist schade, aber offenbar unvermeidlich. Wenn man in dieser Kampfphase kurz mit den Augen blinzelt, verpasst man Dan Aykroyds Kurzauftritt als Taxifahrer. Dafür tritt Bill Murray ausführlicher, wenn auch wenig inspiriert am Stock auf. Und wer Sigourney Weaver sehen will, sollte das Kino nicht vor Ende des Abspanns verlassen.

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