© ALEXI PELEKANOS

Landestheater NÖ
12/05/2013

Die Erschütterung als Ziel

Gerti Drassl spielt ab Samstag in St. Pölten in Henrik Ibsens "Wildente".

von Peter Jarolin

Für ihre berührende Darstellung der Franziska Jägerstätter in Felix Mitterers Drama „Jägerstätter“ war sie heuer für den Nestroy nominiert; Partner Gregor Bloéb durfte die Trophäe als bester Schauspieler mit nach Hause nehmen. Für Gerti Drassl war das „eine riesige Freude“. Denn „der ,Jägerstätter‘ hat jetzt einmal Pause, jetzt geht es ganz um die Gina.“

Die Gina, das ist jene Rolle, die Gerti Drassl ab kommendem Samstag in Henrik Ibsens „Die Wildente“ am Landestheater Niederösterreich spielen wird. Für die Schauspielerin ist das auch „meine lang ersehnte Rückkehr nach St. Pölten“. 2005 war Drassl das letzte Mal im Landestheater zu sehen; und auch mit IbsensWildente“ hat sie schon ihre Erfahrungen gesammelt. „Das ist ein Stück der Generationen. Vor vielen Jahren habe ich die 14-jährige Hedvik gespielt, die sich am Ende das Leben nimmt. Nun bin ich ihre Mutter Gina, die an der familiären Katastrophe wohl nicht ganz unschuldig ist.“

Zerstörende Wahrheit

Ja, es geht um Wahrheit und Lüge in diesem, nicht nur in diesem, Ibsen-Stück. Nach Jahren kehrt Gregers Werle in seine Heimat zurück und stochert in alten Wunden. Ist Gregers Vater der Sohn der kleinen Hedvig? Kümmert sich der alte Werle deswegen finanziell so um Ginas Familie? Oder gibt es dafür auch andere Gründe? Drassl:„ Es ist eine Gratwanderung. Wir wissen ja nicht so genau, was damals wirklich passiert ist. Wir haben ja nur Andeutungen, die verschiedene Möglichkeiten der Interpretation zulassen. Diese Ambivalenz ist ganz entscheidend.“

Und Regisseurin Daniela Kranz ergänzt: „Wir wollen eigentlich mehr Fragen stellen denn Antworten geben. Daher haben wir das Stück auch sehr gestrafft, auf sein Kernpersonal reduziert, Nebenfiguren gestrichen. Der Fokus liegt ganz klar auf diesem familiären Geflecht zwischen Lüge und Wahrheit.“

Offene Fragen

Eine Familienaufstellung also? „Ja, aber mit dem Ziel der Erschütterung“, sagen Drassl und Kranz. „Ich würde Ibsen etwa sehr gern anrufen und ihn fragen, wie er die Charaktere so sieht“, sagt Kranz. Drassl ergänzt: „Es bleiben so viele Fragen offen, aber genau das macht für mich auch den Reiz dieses Stoffes aus. Ich kann an meiner Figur noch so viel herumdoktern. Wer Hedvigs Vater ist, bleibt im Dunkeln.“

Doch wie viel Wahrheit ist den Menschen insgesamt zumutbar? Drassl: „Mit der Wahrheit ist das immer so eine Sache: Jeder hat seine eigene. Mir persönlich ist Ehrlichkeit sehr wichtig. Aber als Sympathieträger sehe ich Gregers nicht. Eher schon als krankhaften Wahrheitsfanatiker, vielleicht sogar als bewussten Zerstörer.“

Und was kommt nach der „Wildente“? Drassl: „Ich werde in die Heimat, nach Bozen, fahren und kann bei meiner Familie sein. Danach spiele ich wieder in ,Jägerstätter‘ in der Josefstadt und dann in ,Hotel California‘ im Ateliertheater. Grundsätzlich aber gilt: Es gibt so viele schöne Frauenrollen, da warte ich gern ab, wer mich für welches Stück besetzen möchte. Es darf übrigens ruhig auch wieder ein Ibsen sein.“

www.landestheater.net

Szenenfoto des Stücks

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