Das Haus ist bereits saniert. Ob das auch für die Finanzen des Volkstheater gilt?

© Kurier/Juerg Christandl

Kultur
08/11/2021

Wiener Volkstheater: Geheimnistuerei um das Sanierungskonzept

Trenklers Tratsch: Peter L. Eppinger (ÖVP) stellte unangenehme Fragen, Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler antwortete ausweichend

von Thomas Trenkler

Peter Leo Eppinger, 1975 in Wien geboren, war ein beliebter Ö3-Moderator, der z. B. mit Gerda Rogers „Sternstunden“ bescherte. Im Sommer 2017 aber verließ er den Sender, um für die ÖVP unter Sebastian Kurz zu arbeiten, „als Sprecher der Bewegung“, wie er es nennt. Seit der Wien-Wahl im Jahr 2020 ist Eppinger Mitglied des Gemeinderats. Und auf seinen Wunsch hin Kultursprecher der Türkisen. Weil er eben eine Affinität zu Kunst und Kultur habe.

Er findet es spannend, die Arbeit der Regierung zu beobachten und zu kommunizieren – und in Wien Oppositionspolitiker zu sein. Ob er nun janusköpfig agieren müsse? Oder ob er für die Bundespartei das Geschäft in Wien besorge? Immerhin arbeiten die Regierungsparteien auf Landesebene gegen SPÖ und Neos, die im Bund Teil der Opposition sind. Nein, sagt Eppinger, er halte nichts davon, aus Prinzip gegen etwas zu sein. Und er lobt das Gesprächsklima mit Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Der desaströse Bericht des Stadtrechnungshofes (StRH) über das Volkstheater, im Oktober 2019 veröffentlicht, und weitere Vorkommnisse animierten ihn im Mai zu einer umfangreichen Anfrage. Die Antworten der Stadträtin liegen nun vor. Sie enttäuschen über weite Strecken.

Ein Beispiel: Die Rechercheplattform Dossier hatte sich auf Facebook beim Volkstheater bedankt. Denn dieses „hat uns Sendezeit am Infoscreen geschenkt“, also auf den Bildschirmen in den Öffis: „Einfach so.“ Das Team rund um den neuen Direktor Kay Voges sei „a Traum!“ So einfach erwirbt man sich Medienlob.

Eppinger wollte wissen, welchen „konkreten monetären Wert“ diese Werbezeit gehabt habe. Und: „Wie beurteilen Sie den Umstand, dass ein hochsubventioniertes (...) Theater sein eigenes Werbebudget einfach verschenkt“, de facto Medienpolitik betreibe? Gegenüber Ihrem Tratschpartner meinte Eppinger, dass es ihm nicht um Dossier ginge, das die Regierungsarbeit kritisiert, sondern dass er die Vorgangsweise des Volkstheaters hinterfragungswürdig finde. Kaup-Hasler antwortete jedoch nicht – mit dem Hinweis, dass Werbestrategien Angelegenheit der Kulturinstitution seien.

Eine andere Frage widmet sich der Forderung des StRH, für das Volkstheater ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Ein solches wurde 2019 in Aussicht gestellt. Liegt es vor? Wenn ja: „Welche konkreten Einsparungs- und Effizienzpotenziale wurden nunmehr gefunden?“

Auskunftsunfreudig

Kaup-Hasler antwortete, dass „ein Sanierungskonzept im Rahmen der Dreijahresplanung 2021/2022 vorgelegt“ werde. „Dies wird Ende Juni erfolgen.“ Die Stadträtin tat so, als wüsste sie nicht Bescheid, weil das Ereignis erst in der Zukunft stattfindet. Ihre Antwort ist allerdings mit 2. Juli datiert. Sprich: Zu diesem Zeitpunkt kannte ihr Büro bereits die Fakten. Ihr Tratschpartner fragte also nach. Aber man war auskunftsunfreudig: Das Volkstheater habe eine wirtschaftlich ausgeglichene Planung erarbeitet und dem Aufsichtsrat vorgelegt, Details seien im Haus zu erfragen.

Das soll nun das Sanierungskonzept gewesen sein? Immerhin dürfte das großzügige Verschenken von Eintrittskarten der Vergangenheit angehören: Auf „Marketingaktionen, die in der Vergangenheit nicht den erwarteten Multiplikationseffekt erzielt haben“, werde verzichtet, so Kaup-Hasler.

Einen großen Ansporn, wirtschaftlich zu agieren, gibt es allerdings nicht. Noch unter Anna Badora lag die Zielvereinbarung bei einem Eigendeckungsgrad von 22 Prozent. Die Direktorin aber spielte das Haus halb leer. Der Eigendeckungsgrad sank auf 18,6 (2018) und 16,4 Prozent (2019). Nun, unter Nachfolger Voges, wird bis 2023 ein durchschnittlicher Eigendeckungsgrad „von zwölf Prozent angestrebt“. Zum Vergleich: Jener des Burgtheaters lag 2018/19 bei 26 Prozent. Und das Theater in der Josefstadt schaffte gar 40 Prozent.

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