Leuchtend lodernde Liebesträume

FOTOPROBE: "TRISTAN UND ISOLDE" IN DER WIENER STAA
Foto: APA/HANS KLAUS TECHT Peter Seiffert als Tristan und Nina Stemme als Isolde bei der Premiere von Wagners "Tristan" 2013<span> </span>

Kritik: Richard Wagners "Tristan und Isolde" überzeugt rein musikalisch im Haus am Ring.

Szenisch inexistent, musikalisch über weite Strecken jedoch überragend – auf diesen Nenner lässt sich die aktuelle Spielserie (Reprisen am 14. und 18. Jänner) von Richard Wagners "Tristan und Isolde" an der Staatsoper bringen.

Szenisch inexistent, weil Regisseur David McVicar bereits bei der Premiere im Juni 2013 vor allem auf ein mehr oder minder nett bebildertes Rampen-Theater setzte, das (positiv formuliert) zumindest eine gewisse Repertoire-Tauglichkeit besitzt. Die Sänger können sich ganz auf die Musik konzentrieren; szenische Interaktionen sind bei Wagners grandioser "Handlung in drei Aufzügen" nicht wirklich gefragt.

Bleibt also die musikalische Seite. Und die kann sich am Ring wirklich hören lassen. Das liegt auch und vor allem an Dirigent Peter Schneider, der mit dem meist exzellenten Orchester die Rauschhaftigkeit der Partitur sehr gut zum Klingen bringt. Extrem langsame Tempi prägen da den ersten Aufzug, die sich anbahnende, überlebensgroße, letztlich letale Liebe zwischen Tristan und Isolde wird subtil-fragend aufbereitet.

Ein Ereignis der zweite und der dritte Aufzug, wo Dirigent Schneider und das Orchester den Emotionen freien Lauf lassen, wo etwa die Innigkeit von "O sink hernieder, Nacht der Liebe" in allen Farben beschworen wird, wo die von Wagner ganz bewusst angestrebte Metaphysik dieses Werkes auch hörbar wird.

Liedgesang

Doch Schneider ist nicht nur ein Kapellmeister im positiven Sinn, er ist auch den Sängern ein kundiger Begleiter. Allen voran dem Tristan von Peter Seiffert. Der Tenor singt diese fordernde Partie mit all seinem Schmelz, stellenweise zart wie ein Lied von Schubert. Jede Form von Kraftmeierei ist Seiffert fremd. Der Künstler beweist, das man Wagner subtil, kultiviert und dennoch höchst eindringlich singen kann. Kompliment!

Iréne Theorin ist dagegen eine vokal mächtige, hin und wieder etwas schrille, aber in ihren Lyrismen auch betörende Isolde, die einen souveränen Liebestod erleidet. Michelle Breedt – als Einspringerin für die erkrankte Petra Lang – meldet sich als Brangäne (auch dank des Souffleurs) tadellos am Ring zurück. Tomasz Konieczny ist ein stimmlich markanter, vokal überaus erdiger Kurwenal. Albert Dohmen liefert als König Marke ein darstellerisch stimmiges Rollen-Porträt ab, und als Melot assistiert Gabriel Bermúdez wacker. Jubel!

KURIER-Wertung:

(kurier) Erstellt am
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