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Kultur Wiener Festwochen
05/07/2012

Anna Netrebko: Die Königsklasse in Wien

Starsopranistin Anna Netrebko begeisterte im Wiener Musikverein mit russischen Liedern. Also in ihrem ureigenen Fach.

von Gert Korentschnig

Zunächst eine Vorbemerkung: Was sich dieser Tage musikalisch in Wien ereignet, gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Betrachten wir allein den (leider zu rasch zu Ende gegangenen) Sonntag: Am Vormittag das Festwochen-Eröffnungskonzert der Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti im Musikverein; am Abend eine "Arabella"-Aufführung unter Franz Welser-Möst in der Staatsoper, bei der eigentlich Renée Fleming hätte singen sollen; parallel dazu ein Liederabend von Anna Netrebko – auf einer Ebene mit Fleming die größte Sopranistin unserer Zeit – im Musikverein, begleitet von Daniel Barenboim, einem weiteren Weltstar, am Klavier. Schönes Wien!

Bleiben wir beim Liederabend, der ja eine Königsdisziplin ist und diesfalls besonders bemerkenswert war, weil sich eine Dame, die Stadien füllt, im vergleichsweise kleinen, aber umso relevanteren Rahmen in dieser Gattung bewies. Anna Netrebko, die lange nicht mehr in Wien aufgetreten war, sang ausgewählte Lieder von Rimskij-Korsakow und Tschaikowski, ein rein russisches Programm also, wonach man zu der Feststellung verleitet ist: Die Netrebko ist überall fabelhaft – in ihrem ureigenen Fach ist sie unüberbietbar! Es gibt keine Sängerin, die russische Opern und auch russische Lieder mit einer solchen Intensität, mit dieser Hingabe und dieser Überzeugungskraft zu gestalten vermag.

Melancholie und Liebreiz

Die Lieder von Rimskij-Korsakow, die namentlich aufzuzählen sinnlose Fleißaufgabe wäre, weil sie hierzulande nicht sehr bekannt sind, werden von Netrebko mit der idealen Mischung aus Melancholie und Liebreiz, aus Traurigkeit und Lebensfreude gesungen. Ihr dunkles Timbre ist – ebenso wie für die Kleinode von Tschaikowski – ideal, die Höhe präzise, das Volumen beachtlich. Noch dazu stellt sie jede Geschichte auch auf der Bühne dar, kokettiert mit Barenboim und dem Publikum. Und hat selbst erkennbar größte Freude. Barenboim Anschlag ist sanft, immer im Dienst der Sache. Dass nicht alles präzise gelingt, ändert nichts am Triumph.

Als letzte Zugabe wagte sich Netrebko auf Deutsch über "Cäcilie" von Richard Strauss. Selbst wenn man das so seltsam noch nie gehört hat: "Cäcilie", die Schutzpatronin der Musik, ist ein idealer Abschluss für eine Hüterin höchster Qualität.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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