Kultur
30.08.2017

Wie der Klimawandel Museen bedroht

Die Flut von Houston trifft auch die Kunst. Weltweit rüsten sich Museen für Gefahren.

"Alle sprechen übers Wetter. Wir nicht": Der Titel einer Schau des deutsch-schweizerischen Künstlerinnenduos Pauline Boudry und Renate Lorenz, die am 15. September im Contemporary Arts Museum in Houston eröffnen sollte, erscheint derzeit reichlich unpassend. Und ob der Eröffnungstermin hält, ist fraglich – die Flutkatastrophe hat auch die Kulturszene der texanischen Metropole zum Erliegen gebracht.

Das Museum of Fine Arts Houston, in dem 2015 Schätze aus dem Wiener KHM gastierten, gab zunächst bekannt, dass seine Räumlichkeiten und die Depots sicher seien – eine eigene Task Force habe Vorkehrungen getroffen, die Baustelle eines Zubaus wurde aber überschwemmt. Die Menil Collection, die über eine weltbekannte Magritte-Sammlung und eine vom Maler Mark Rothko gestaltete Kapelle wacht, ist laut Meldungen ebenfalls glimpflich davongekommen. In der " Houston Grand Opera" stand dagegen eine Bühne unter Wasser; wertvolle Instrumente und Kostüme seien gerade noch rechtzeitig in höhere Geschosse geschafft worden.

Doch auch abseits akuter Katastrophenhilfe redet in der Kunstwelt längst jeder übers Wetter: Die Sicherung von Kulturgütern vor Auswirkungen des Klimawandels ist ein Dauerthema geworden.

Das Museum als U-Boot

Erst im Juli sorgte ein Wassereintritt im Pariser Louvre nach heftigem Regen fürSchäden an zwei Gemälden. Bereits 2016 hatten Teile des Museums evakuiert werden müssen, wiewohl man seit langem Vorkehrungen für die Schauräume und Depots, die sich teilweise unter dem Niveau des angrenzenden Seine-Flusses befinden, trifft.

In New York musste der Neubau des Whitney Museums adaptiert werden, als nach dem Sturm "Sandy" 2012 die Baustelle unter Wasser stand. Für den nahe am Hudson River gelegenen Bau holte man Spezialisten, die sonst Türen für Kampfschiffe anfertigen. "Museen müssen heute wie U-Boote gebaut werden", zitierte das Magazin Atlantic einen Mitarbeiter des Stararchitekten Renzo Piano. Zuletzt baute dieser das Centro Botin in Spanien – direkt am Wasser.

Sicher statt spektakulär

Die Zeiten, als Museumsbauten vor allem spektakulär sein mussten, scheinen jedoch nicht nur in Küstengebieten vorbei zu sein. In Österreich war etwa das Essl Museum in Klosterneuburg 2013 vom Hochwasser betroffen; das Depot, in dem die Sammlung weiter lagert, ist allerdings als große Betonwanne für solche Fälle konzipiert. Der Wasserschaden in der Albertina 2009, ausgelöst durch Starkregen, ist auch nicht vergessen: Depots, wie siezuletzt für das KHM, das Wien Museum und nun für das Salzburger MdM gebaut wurden bzw. werden, zehren von diesen Erfahrungen.

Dabei ist Wasser nur ein Problem. Erst Anfang August schlossen etwa die Uffizien in Florenz aufgrund der Hitze. Viele Kunstsammlungen, die in historischen Gebäuden untergebracht sind, überprüfen nun ihre Klimaanlagen. Hoffentlich.